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Haare schneiden und Gutes tun

Ein Meißner Frisör hat einen Weg gefunden, nachhaltiger zu arbeiten, ohne auf die neuesten Trends verzichten zu müssen.

© Claudia Hübschmann

Von Dominique Bielmeier

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Meißen. Auf den ersten Blick sieht es im „Abschnitt 5“ auf der Leipziger Straße aus wie in jedem anderen Frisörsalon, wenn auch etwas schicker. Hinter der Glastür wird der Kunde von aufgearbeiteten alten Holzmöbeln und einem hellgrün gefliesten Ofen begrüßt, die zusammen ein nostalgisches Flair verbreiten.

Im Kontrast dazu stehen moderne Elemente wie ein aufgeklappter Gitarrenkoffer, der als eine Art Truhe für Haarprodukte dient. Im hinteren Teil des Ladens von Karola Wutzler wird nach allen Regeln der Kunst gewaschen, geschnitten, gelegt und reichlich gefärbt. Trotzdem ist hier alles anders: Abschnitt 5 ist ein Eco-Salon, wie schon an der Scheibe zu lesen ist. „Das heißt, wir bezahlen Geld für unseren Energieverbrauch und von diesem Geld werden dann Bäume gepflanzt“, erklärt die Chefin. So sollen die Kohlendioxid-Emissionen neutralisiert werden.

Dafür erhält der Salon jedes Jahr ein Zertifikat des Vereins „Prima Klima“.

Das ist nur eines von mehreren Projekten, mit denen das Team um Karola Wutzler etwas Gutes tun will. Nach dem Erdbeben im italienischen Amatrice haben sie zum Beispiel Geld für die Opfer gesammelt, einen Euro für jeden Kunden, die selbst noch etwas dazugeben konnten. Das Geld erhielten schließlich drei Salons in Amatrice.

Bei einem Anti-Gewalt-Training in der JVA Torgau haben die Frisöre die Häftlinge mit Totenkopfgesichtern geschminkt – sie sollten sich in wechselnden Rollen vorstellen, vor dem Jüngsten Gericht Rechenschaft ablegen zu müssen. Fotos an der Wand zeugen von dem ungewöhnlichen Projekt, für das das Team einen Preis erhalten hat. Wie Wutzler auf die Idee kam?

„Ich habe selbst ein Kind und will, dass es auf einer ordentlichen Welt groß wird. Die 36-Jährige hat den Salon 2005 in der Uferstraße eröffnet, 2014 zog das Geschäft hochwasserbedingt an den jetzigen Standort unter die Burg um.

Seit vier Jahren arbeitet Wutzler mit der Marke Davines zusammen, die für nachhaltige Schönheit stehe, ohne reine Naturkosmetik zu sein.

„Ich will heute selbst so manches nicht mehr auf meine Haare geben“, sagt Wutzler. Vielen Kunden gehe es ähnlich, sie kämen zum Beispiel bewusst zu ihr, weil sie konventionelle Produkte nicht mehr vertrügen. Doch mit reinen Pflanzenprodukten zu arbeiten, kam für Wutzler nicht infrage. „Das schränkt uns in den Fachgebieten zu sehr ein.“ Ganz ohne Chemie in der gleichen Weise zu färben, sei beispielsweise schwierig.

So kann Abschnitt 5 den gleichen Service anbieten wie andere Salons – mit einem Unterschied: Omar aus dem Irak arbeitet seit dem vergangenen Jahr als Herrenfrisör und Barbier in dem knapp zehnköpfigen Team mit.

Er kam 2015 als Flüchtling nach Meißen und sprach kein Wort Deutsch. Im Sommer 2016 stellte er sich bei Karola Wutzler vor, die ihm eine Chance gab. „Omar war ein Geschenk“, sagt Wutzler und lächelt.

Dabei hätten ihr damals viele davon abgeraten. „Aber jeder hat ihm dann einfach irgendwas beigebracht.“ Heute klappt es nicht nur mit der Verständigung, sondern der Barbier, der zum Beispiel mit der traditionellen Fadentechnik arbeitet, hat schon viele Stammkunden.