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Hacker klauen Daten zu Kernkraftwerken

Unbekannte haben Daten von einem französischen Baukonzern kopiert und teils veröffentlicht.

Von Birgit Holzer

Paris. Es ist eine beunruhigende E-Mail, die die 1 700 Mitarbeiter des französischen Baukonzerns Ingérop in der Nacht vom 10. auf den 11. Juni dieses Jahres erhalten. Darin wird vor möglichen Umweltschäden durch das Projekt Cigéo für ein Atommülllager im ostfranzösischen Bure gewarnt, an dem Ingérop beteiligt ist. Es könne „verschiedene Aktionen gegen Ihr Unternehmen und die Personen, die in das Projekt Cigéo involviert sind“ geben. Unterschrieben ist die E-Mail mit „Die Monster von Cigéo“. Auf einem Blog im Internet ruft die Gruppe zum Widerstand gegen die Zulieferer des geplanten Lagers für radioaktiven Müll in Bure – darunter Ingérop – auf, um sie zu einem Rückzug von dem Projekt zu zwingen.

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Wie nun durch die Veröffentlichung gemeinsamer Recherchen von NDR, Süddeutscher Zeitung und Le Monde bekannt wurde, ist nicht nur der Inhalt der E-Mail beunruhigend, sondern auch der Vorgang, der ihren Versand möglich machte: Hacker hatten Daten von den Servern des Konzerns gestohlen. Über das Cigéo-Projekt hinaus konnten sie auch Informationen zu weiteren Bauvorhaben kopieren. So sind laut Le Monde in dem Datensatz Informationen zu französischen Gefängnissen, zum französischen Atomkraftwerk in Fessenheim sowie persönliche Angaben der Ingérop-Mitarbeiter enthalten. Über die deutsche Plattform systemausfall.org wurden vertrauliche Dokumente, vor allem hinsichtlich des Cigéo-Projektes in Bure, online gestellt.

Das Unternehmen Ingérop, das seinen Firmensitz bei Paris hat, bestätigte den Hacker-Angriff und reichte Klage ein. Anfang Juli eröffnete die auf Cyberkriminalität spezialisierte Abteilung der Staatsanwaltschaft Paris eine Untersuchung und suchte auch die Zusammenarbeit mit den Behörden in Köln, da sich einer der von systemausfall.org vermieteten Server in Dortmund befindet. Dort beschlagnahmten Beamte Festplatten und einen USB-Stick. Systemausfall.org zeigte sich über die Aktion irritiert: Man hätte sie stattdessen auch einfach darüber informieren können, dass es ein Problem gegeben habe, zumal die Auswertung des Materials laut Le Monde wenig ergab. So handelte es sich bei den gefundenen Daten laut den nun veröffentlichten Medienberichten nur teils um sensible Informationen. Hinsichtlich des Atomkraftwerks ging es nur um Berechnungen der Entschädigungen für den französischen Stromkonzern EDF im Falle der Schließung. Bei den Plänen für die Videoüberwachung einer künftigen Strafvollzugsanstalt handelte es sich um die Bewerbung für eine Ausschreibung, die Ingérop verloren hatte. Hinsichtlich des Cigéo-Projektes hingegen fanden sich durchaus vertrauliche Informationen etwa zur Gestaltung der unterirdischen Wege oder zu den betroffenen Parzellen und deren Besitzern. Wer hinter dem Datenklau steckt, ist unklar.