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Hähnichen bleibt Kreishandwerksmeister

Trotz der Insolvenz der „Guten Fahrt“ in Riesa führt Kurt Hähnichen sein Amt weiter aus. Aber geht das überhaupt?

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Von Britta Veltzke und Robert Reuther

Kurt Hähnichen ist sichtlich genervt von der Diskussion um die Insolvenz des Autohauses „Gute Fahrt“. Und nun wird er auch noch in seinem Amt als Kreishandwerksmeister infrage gestellt. „Ich bin immer noch Geschäftsführer des Autohauses und erfülle damit die Voraussetzung, die man für das Amt in der Handwerkskammer braucht“, sagt der 66-Jährige.

Das bestätigt Andreas Brzezinski, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Dresden: „Herr Hähnichen ist zwar nicht mehr im Besitz des Autohauses, er hat aber nach wie vor die Verfügungsberechtigung. Und so lang er die hat, bleibt er auch im Amt.“ Das sei auch gut so, erklärt Brzezinski, denn er sei einer der aktivsten in diesem Amt im ganzen Bezirk Dresden.

Als Kreishandwerksmeister vertritt Kurt Hähnichen seit seiner Wahl im Jahr 1995 die Interessen der Handwerker in der Region Meißen – vom Bäcker über den Tischler bis hin zum Uhrmacher. Dafür rede er mit Politikern, setze sich dafür ein, dass die Innungen gute Arbeitsbedingungen vor Ort haben und, dass die Kunden gut zu den Handwerkern finden – etwa über die Bundesstraße 169, erklärt Brzezinski weiter. Den Ausbau der B 169 beschäftigt Hähnichen auch im Vereinten Riesaer Wirtschaftsforum. „Hähnichen ist ein richtiger Macher“, sagt der Chef aus der Landeshauptstadt.

Die nächste Wahl zum Kreishandwerksmeister steht 2016 an. Hähnichen rechne damit, dass sich das Insolvenzverfahren noch mindestens drei Jahre lang hinzieht und er somit in seinem Amt bleiben kann. Bei „Gute Fahrt“ hätte er noch einiges zu tun. Immerhin ist er seit 50 Jahren dabei. Als Lehrling hat Kurt Hähnichen 1964 in dem Autohaus – damals noch eine PGH – angefangen. Da gebe es viel aufzuarbeiten. Das Insolvenzrecht fordert, dass sämtliche Unterlagen ordentlich archiviert werden. Aber nicht nur beruflich beschäftigt ihn das Verfahren. Es verfolge ihn auch in andere Bereiche. „Die Leute hören Insolvenz und denken an krumme Geschäfte. Ich bin ein ehrlicher Kaufmann. Meine Leute habe ich immer bezahlt.“ In den USA etwa sei der Ruf, der mit einer Zahlungsunfähigkeit verbunden werde, ein ganz anderer. Nach einer Insolvenz genieße man dort immer noch Ansehen dafür, dass man überhaupt den Mut hatte, sich selbstständig gemacht zu haben.

Dass die „Gute Fahrt“ in keine gewöhnliche Insolvenz geschlittert ist, bestätigte schon vor Monaten Insolvenzverwalter Stefan Hahn. Der hatte von Anfang an Optimismus verbreitet, dass es gelingen wird, einen Investor für das Autohaus zu finden. Er ordnete den Insolvenz-Antrag der „Guten Fahrt“ im Juni 2013 als einen atypischen Fall ein. „Normalerweise ist es ja oft so, dass monatelang keine Löhne und Sozialleistungen gezahlt und auch Kredite nicht mehr zurückgezahlt wurden“, sagte Hahn. Im Falle des Riesaer Autohauses sah das anders aus. Laufende Rechnungen konnten beglichen werden, es war sogar Guthaben vorhanden, sodass Autos finanziert werden konnten. Dennoch konnte ein Kredit von 1,4 Millionen Euro nicht zurückgezahlt werden. Die Schulden hätten sich in den vergangenen Jahren beispielsweise dadurch angehäuft, dass das Autohaus Leasing-Autos zu einem Wert zurückkaufen musste, der weit über dem tatsächlichen aktuellen Verkaufswert der Autos lag. Auf diese Weise hat das Autohaus „Gute Fahrt“ allein im Jahr 2012 etwa 170 000 Euro verloren.

Und wie wird es nach dem Insolvenzverfahren weiter gehen? Da will sich Hähnichen noch nicht festlegen. Er spricht von einer Neuorientierung. „Im Grunde bin ich dann ja auch im Rentenalter“, sagt er nachdenklich.

Für die Mitarbeiter des Autohauses „Gute Fahrt“ hat die Ungewissheit seit Ende Januar ein Ende. Nach einer sechsmonatigen Insolvenz hatte Markus Hercher das Riesaer Traditionsunternehmen übernommen. Der Chef der Leipziger Firma „Hercher – Die Service Familie GmbH“ ist ab sofort der neue Geschäftsführer der „Guten Fahrt“.