merken

Politik

Häme über Trumps Filzstift-Notizen

Der US-Präsident wähnt sich durch die Aussage des US-Diplomaten Sondland in der Ukraine-Affäre entlastet. Was ihm wichtig war, hatte er sich notiert.

Sicher ist sicher: Donald Trump hat sich aufgeschrieben, was er zu seiner eigenen Verteidigung zu sagen hat.
Sicher ist sicher: Donald Trump hat sich aufgeschrieben, was er zu seiner eigenen Verteidigung zu sagen hat. © Jacquelyn Martin/AP/dpa

Washington. US-Präsident Donald Trump teilt gerne und viel aus. In alle Richtungen. Genauso ist er selbst ein beliebtes Ziel von Attacken. Gerade in sozialen Medien, die gleichermaßen erbarmungslos sein können wie Trump. Ein solches Beispiel digitaler Häme bot sich am Mittwoch, als ein Blatt mit handgeschriebenen Notizen, von denen Trump bei einem Statement ablas, viele Twitter-Nutzer elektrisierte.

Die Drittelstunde – der SZ-Podcast

Aktuelle Themen sowie Tipps und Tricks für den Alltag: Fabian Deicke stellt Experten verschiedener Gebiete die Fragen der SZ-Community.

Ein Schritt zurück: Bei den Impeachment-Ermittlungen gegen Trump sagte am Mittwoch im Repräsentantenhaus der US-Botschafter bei der EU, Gordon Sondland, aus. Sondland sagte, es habe in der Ukraine-Affäre ein "Quid pro quo" gegeben - also eine Gegenleistung - für ein Treffen des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj mit Trump im Weißen Haus. Trump dagegen hat das stets dementiert. Sondland berichtete aber auch von einem Telefonat mit Trump von Anfang September. Darin habe er den Präsidenten gefragt, was dieser von der Ukraine wolle. "Ich will nichts", antwortete Trump demnach. "Ich will kein Quid pro quo. Sagen Sie Selenskyj einfach, dass er das Richtige tun soll." Sondland schob hinterher: "Das ist das letzte Wort, das ich vom Präsidenten der Vereinigten Staaten gehört habe."

Weiterführende Artikel

Symbolbild verwandter Artikel

Warum Trump nichts zu befürchten hat

Die öffentlichen Anhörungen sind vorbei, das Bild in der Ukraine-Affäre ist verheerend – doch der Präsident obenauf. Der Stand des Impeachment-Prozesses.

Symbolbild verwandter Artikel

„Uns läuft die Zeit davon, Russland zu stoppen“

Donald Trumps frühere Russland-Expertin Fiona Hill warnt im US-Kongress davor, aus innenpolitischen Motiven Lügen über die Ukraine zu verbreiten.

Symbolbild verwandter Artikel

Zeuge untermauert Vorwürfe gegen Trump

Gordon Sondland ist eine Schlüsselfigur in der Ukraine-Affäre. Vor dem US-Kongress bringt er den US-Präsidenten in Schwierigkeiten.

Symbolbild verwandter Artikel

Trump "gesund und energiegeladen"

Auch Präsidenten müssen sich einer jährlichen Rundum-Untersuchung unterziehen. Bei dem US-Präsident erfolgte das wohl sehr spontan. Was ist da los?

Trump bemühte diese kurze Passage von Sondlands Aussage für seine These, der Botschafter habe ihn entlastet. Während der laufenden Sondland-Befragung trat der Präsident im Garten des Weißen Hauses vor die Presse. Trump hielt einen Notizblock in der Hand, auf dem die zentralen Zitate Sondlands handschriftlich notiert waren, mit schwarzem Filzstift auf weißem Air-Force-One-Papier - der Name des ukrainischen Präsidenten ist dabei falsch geschrieben, auch in der englischen Schreibweise. "Ich will nichts. Ich will nichts. Ich will kein Quid pro quo. Sagen Sie Zellinsky, dass er das Richtige tun soll", stand dort in Großbuchstaben. Und - etwas verkürzt - Sondlands Nachschub: "Das ist das letzte Wort vom Präsidenten der Vereinigten Staaten."

Sich Zitate eines Dritten zu notieren, um diese korrekt wiederzugeben - selbst wenn dieser wiederum einen selbst zitiert, scheint nicht verwerflich. Doch viele Twitter-Nutzer fällten ungeachtet dessen ihr Urteil. 

Auf Twitter ergoss sich innerhalb kürzester Zeit eine Flut an Spott über die Filzstift-Notizen: Viele Nutzer interpretierten dies als Trumps vorbereitetes Statement - quasi als einen Sprechzettel mit seinen eigenen Kernbotschaften, die er an die Öffentlichkeit bringen wolle. Er habe sich wohl nicht mal die paar zentralen Botschaften zu seiner eigenen Verteidigung erinnern können oder daran, dass er selbst der Präsident der Vereinigten Staaten sei, spotteten einige. (dpa)