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Händler holen den Frühling in die Stadt

Zum Osterzauber öffneten am Sonntag an die 100 Läden. Ein Termin, der sich etablieren soll.

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© Kristin Richter

Von Katarina Gust

Pirna. Simone Klockow hat sich in Schale geworfen. Im quietschpinken Osterhasenkostüm und passender Bemalung im Gesicht steht die Chefin vom Klimm-Bamm-Borium an der Jacobäerstraße hinter der Kasse. Eine knappe halbe Stunde hat es gedauert, bis das Hasengesicht fertig war. „Man muss sich passend zum Osterzauber natürlich etwas einfallen lassen“, sagt die Unternehmerin und schließt die Ladentür auf. Zusammen mit knapp 100 weiteren Geschäften hat sie sich am verkaufsoffenen Sonntag in der Pirnaer Innenstadt beteiligt. „Osterzauber“ hieß das Motto, mit dem die Händler zusammen mit ihren Kunden den Start in den Frühling gefeiert haben. Nach der erfolgreichen Premiere im letzten Jahr legten der Verein PIA (Pirna in Aktion) und das Citymanagement nach. Und das war überall zu spüren. Ein Eierlikörchen hier, Hasenohren da, ganz Pirna schien in Osterlaune zu sein.

Auf der Dohnaischen Straße verkaufte Jana Sapotocka handbemalte Ostereier. Der tschechischen Künstlerin konnte man beim Verzieren sogar über die Schulter schauen. Von den recht frischen Temperaturen ließ sie sich nicht abhalten. Mit ruhiger Hand verwandelte die Seniorin weiße Eierschalen in bunte Hingucker und lockte damit duzende Schaulustige an. Gleich nebenan, in der Spielaxie, war ebenfalls Geduld gefragt. Kinder konnten hier wie in viele anderen Geschäften auf Ostereiersuche gehen. Irgendwo zwischen Barbiepuppen und Lego-Spielzeug wurden kleine Osternester versteckt. Nur wer genau hinschaute, entdeckte die Nester und durfte sich über eine Überraschung freuen.

Handfester ging es auf der Schuhgasse zu. Hier sorgte ein Schmied ein. mit Hammer und Amboss für ordentlich Lärm. Auch entlang der Breite Straße und Gartenstraße tummelten sich die Einkäufer. Viele nutzten den Sonntag nur zum Schauen, andere besorgten letzte Ostergeschenke.

„Pirna braucht diese Events“

„Vor allem für die Textilhändler ist der Pirnaer Osterzauber ein lohnendes Geschäft“, sagt Organisator Ronny Kürschner. Die Modeläden haben gerade ihre Frühlingskollektionen reinbekommen samt kurzer T-Shirts und Röcke. Dicke Daunenjacken und gefütterte Stiefel können Kunden inzwischen ohnehin nicht mehr sehen. Jeder sehnt sich nach dem Frühling, auch beim Shoppen.

Neben der Pirnaer Einkaufsnacht, die im September stattfindet, soll sich der Osterzauber zu einer festen Größe im Veranstaltungskalender etablieren. Der Auftakt im letzten Jahr sei sehr erfolgreich gewesen, freut sich Ronny Kürschner. Mancher Einzelhändler hätte hier sogar mehr Umsatz gemacht als zur Einkaufsnacht. „Eine Kleinstadt wie Pirna braucht diese Events“, weiß Kürschner. Denn die Konkurrenz zu Internethändlern und zu den Einkaufszentren in Dresden sei groß. Kleinere Geschäfte, wie sie typisch für Pirna sind, müssten sich davon abheben. Zum Beispiel mit einem besseren Service und kompetenter Beratung: „Hier ist der Kunde tatsächlich noch König.“

Und das sollen die Kunden nicht nur beim verkaufsoffenen Sonntag spüren. Kürschner ärgert es deshalb umso mehr, wenn Trittbrettfahrer auf den Zug mit aufspringen – ohne Gegenleistung. Normalerweise zahlen alle Einzelhändler, die ihre Geschäfte zu Shopping-Events wie Osterzauber und Einkaufsnacht öffnen, eine Marketing-Pauschale. Die Vorbereitung und die Werbung kosten schließlich Geld. Doch nicht jeder will das mittragen. „Bonita und Bijou Brigitte zum Beispiel“, zählt Ronny Kürschner auf. Eine rechtliche Handhabe dagegen gäbe es nicht. Er habe schon einige Gespräche geführt, sagt Kürschner. Bislang ohne Erfolg. Er hofft jedoch weiter.

Sollte der Osterzauber dieses Mal wieder ankommen, will der Verein PIA das Event im kommenden Jahr auf zwei Tage verteilen, den Sonnabend und Sonntag vor dem Osterwochenende. Ronny Kürschner jedenfalls hatte am Sonntag ein gutes Gefühl.