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Hängepartie beim Straßenausbau 2018

Immer häufiger müssen Projekte im Landkreis verschoben werden. Dafür gibt es gleich mehrere Gründe.

© André Schulze

Von Jens Fritzsche und Christian Köhler

Landkreis. Eigentlich hatten sich die Autofahrer schon auf die Umleitungsfahrten in Neusalza-Spremberg eingestellt. „Die Brücke an der S 151 sollte in diesem Jahr saniert werden“, sagt Andreas Biesold, der Bautzener Niederlassungsleiter des Landesamtes für Straßenbau und Verkehr. Aber die Bagger werden hier vorerst nicht anrollen, der Bau startet jetzt erst im April 2019. Grund: „Es hat sich einfach keine Firma gefunden, die freie Kapazitäten hatte, um zu bauen“, schiebt er kopfschüttelnd hinterher. Ein Fakt, an den er sich langsam gewöhnen muss, sagt der Niederlassungschef am runden Tisch in den frisch bezogenen Räumen seines Amtes in Bautzen.

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Er hat Medienvertreter eingeladen, um über die Bauplanungen fürs laufende Jahr zu berichten; immerhin fast 26 Millionen Euro werden in den Straßenbau in den Landkreisen Bautzen und Görlitz fließen. Aber am aus seiner Sicht Dilemma voller Auftragsbücher in der Baubranche kommt er trotzdem nicht vorbei. Denn die Brücke in Neusalza-Spremberg ist nicht der einzige Problemfall, den Andreas Biesold und seine Mitarbeiter aus diesem Grund ins kommende Jahr verschieben müssen. Auch eine Brücke in Cunewalde wird wohl erst im nächsten Jahr gebaut; und der Hochwasserschaden an der Brücke über die Pulsnitz in Königsbrück wird ebenfalls erst nächstes Jahr in Angriff genommen. An der B 97 in Ottendorf-Okrilla wird gebaut, hier laufen jetzt die Abrissarbeiten an Häusern. Ab Juli soll hier dann eine nervige Engstelle – die sogenannte Hirschkurve – breiter werden. „Auch das sollte ja eigentlich schon im vergangenen Jahr passieren, aber auch hier fand sich keine Firma mit freien Kapazitäten.“

Dabei stellt der Freistaat in diesem Jahr so viel Geld für den kommunalen Straßenbau zur Verfügung, wie seit Jahren nicht, klingt Andreas Biesold dann sogar ein wenig enttäuscht, dieses Geld nicht komplett ausgeben zu können. Mehr als 259 Millionen Euro sind es, die Sachsen investieren will. „Aber derzeit gibt es meist nur noch maximal drei Baufirmen, die sich überhaupt die Ausschreibungsunterlagen für die Aufträge zuschicken lassen; noch vor einigen Jahren waren es meist über zehn Firmen“, nennt er kopfschüttelnd Zahlen. Von diesen drei Interessenten meldet sich dann meist nur einer mit einem Angebot zurück. Wenn überhaupt …

„Und natürlich müssen wir dann auch darauf achten, dass wir mit dem Geld der Steuerzahler vernünftig umgehen“, umschreibt der Niederlassungsleiter den Fakt, dass natürlich auch die Baufirmen um den Engpass wissen. Das lässt die Preise durchaus in die Höhe schnellen. Aber darauf wolle und könne sich seine Behörde einfach nicht einlassen, unterstreicht Andreas Biesold. Also wird zum Beispiel der Brückenneubau in Cunewalde nun noch einmal im Herbst neu ausgeschrieben; „in der Hoffnung, einen Anbieter zu finden, der auch finanziell im Rahmen bleibt“. Im Herbst sinken die Preise in der Regel wieder.

Wobei die Tendenz nicht wirklich auf eine Änderung der Lage hindeutet. „Noch dazu, weil uns die Baufirmen signalisieren, ein echtes Nachwuchsproblem zu haben“, legt dann Amtssprecherin Isabel Siebert einen weiteren Fakt auf die ohnehin schon problembeladene Waage. „Das Berufsbild des Straßenbauers ist derzeit immer weniger attraktiv“, weiß sie aus Gesprächen. Und auch deshalb hätten Firmen Probleme, Aufträge annehmen zu können. Eine Sicht, die auch die jüngsten Zahlen der Arbeitsagentur bestätigen: Allein im Bereich Bautzen waren Ende März noch 180 Ausbildungsplätze in Bau-Berufen unbesetzt. „Hinzu kommt, dass auch die Städte und Gemeinden aktuell kräftig bauen lassen – das führt natürlich zur Konkurrenz um Firmen“, fügt Amtschef Biesold an.

Gebaut wird aber natürlich trotzdem. Auf der Autobahn zwischen Bautzen-Ost und Weißenberg zum Beispiel, aber auch auf zahlreichen Bundesstraßen und Staatsstraßen. „Wir haben wirklich gut zu tun, werden wie gesagt rund 26 Millionen investieren“, freut sich Andreas Biesold, dass dabei auch etliche Knackpunkte vom Tisch kommen. Wie der dringend notwendige Fahrbahnbau vom Jägerwäldchen bis Waltersdorf bei Zittau, wofür eine halbe Million Euro fließen wird. Oder auch die Fahrbahnerneuerung auf der B 96 zwischen Niederoderwitz und dem Ortseingang Oderwitz. Beginn wird am 13. August sein. „Gebaut wird auf rund 2,7 Kilometer Länge“, so Andreas Biesold.

Die Arbeiten in der Region um Weißwasser im Einzelnen:

Kreisverkehr zur Grenze:

Die Verlegung der Straße nördlich von Weißkeißel in Richtung Sagar und der polnischen Grenze wird ebenfalls in diesem Jahr realisiert. Noch im Winter hatten Rodungsarbeiten am Abzweig zur Republik Polen begonnen. Im Mai soll dort mit der Errichtung eines Kreisverkehrs begonnen werden. Ein Jahr später soll das etwa vier Millionen Euro teure Bauvorhaben abgeschlossen sein.

Rietschen:

Auch die Straße zwischen Rietschen und dessen Ortsteil Hammerstadt soll in diesem Jahr ertüchtigt werden. Insgesamt sind dafür laut Thomas Baum (SPD) etwa 255 000 Euro eingeplant.

Niesky:

Der Ersatzneubau der Bahnbrücke bei Niesky wird in diesem Jahr für etwa eine Million Euro realisiert. Die Maßnahme erfolgt im Zuge der Bahntrassenerneuerung zwischen Knappenrode und Horka. Weil diese zweigleisig ausgebaut und elektrifiziert wird, reicht die Brücke nicht mehr aus. Darüber hinaus gibt es in Niesky selbst Einschränkungen am Bahnübergang an der Muskauer Straße. Auch hier wird das Gleisbett erweitert.