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Hängepartie um Glossen geht weiter

Landrat Lange bezeichnet die Situation der Reha-Klinik als „unbefriedigend“. Dabei gibt es einen Investor.

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© Matthias Weber

Von S. Beutler und G. Wandt

Es ist eine vertrackte Situation, in der sich die geschlossene Reha-Klinik in Glossen befindet. Da gibt es einen Investor, der sich für das Gebäude und dessen Nutzung interessiert, doch das Projekt kommt auch nach mehreren Monaten nicht wirklich voran. Das zeigte sich jetzt beim Kreistag. Die gute Nachricht für die frühere Reha-Klinik lautet dabei: Der Investor hält an seinem Interesse an dem Gebäude fest. Die schlechte aber eben ist die: Es geht trotzdem nicht voran. Landrat Bernd Lange (CDU) musste vor dem Kreistag am Mittwoch eingestehen, dass die Situation „unbefriedigend“ ist. Es sei jedoch nicht ganz einfach, ein Reha-Zentrum frei zu vermarkten, da die Gemeinnützigkeit des Klinikums zu beachten sei.

Deswegen solle nun zunächst einmal der Marktwert des Gebäudes ermittelt werden. Zugleich will der Kreis die Klinik zum Verkauf ausschreiben. Das hätte längst geschehen sollen. Warum das noch nicht passiert ist, bleibt unklar. Am Montag rechnet Lange nun damit. Geht alles gut, will er im März dem Kreistag Details vorstellen.

Damit muss sich der Kreistag bereits das zweite Mal vertrösten lassen. Im Oktober hatte Sozialbeigeordnete Martina Weber von einem Investor gesprochen, dessen Absichten mit dem Gebäude wurden aber derart vage beschrieben, dass im Grunde die Öffentlichkeit nichts Genaues über seine Pläne weiß. Auch jetzt vermied es der Landrat, auf Details der Pläne des Investors einzugehen. Dabei war im Oktober noch ein Grundsatzbeschluss zur Zukunft des Klinikgebäudes für Dezember in Aussicht gestellt worden. Auch zu diesem konnte es nun nicht kommen.

Dabei war die Nachricht von der Schließung, die nun bald ein Jahr alt wird, damals ein Schock für Löbau und die Umgebung. Das gilt umso mehr, als sie für Nicht-Eingeweihte sehr überraschend kam. Das Hin und Her zwischen dem Klinikum Oberlausitzer Bergland als Betreiber und den Rentenversicherungen als wichtigen Zuweisern von Reha-Patienten hatte kaum jemand mitbekommen. Die Versicherungen hatten im Winter vor einem Jahr dann einen Schlussstrich gezogen und keine Patienten mehr nach Glossen überwiesen. Sie sahen nach dem Rausschmiss von Chefarzt Holger Kloß und seinen häufig wechselnden Nachfolgern keine fachliche Perspektive mehr für den Standort. Das hatten sie der Klinikleitung mehrfach klar gemacht, ohne, dass sich aus ihrer Sicht etwas an der Lage gebessert hatte. Nachdem die Patienten wegblieben, gab es nur noch eine Möglichkeit: Das Aus für die Reha-Klinik. Das betrifft seither aber nicht nur Kinder und Jugendliche, die dort vor allem therapiert wurden, sondern auch verschiedene Gruppen, die in der dortigen Schwimmhalle Kurse durchgeführt hatten.

Klinik-Aus wirkt vielfach nach

Babyschwimmen oder auch Kurse für Ältere hatten hier stattgefunden. Auch deren Kursteilnehmer wurden über das Aus nicht informiert – und standen irgendwann überrascht vor verschlossenen Türen. Eine Unterschriftenaktion im Sommer, bei der die weitere öffentliche Nutzung der Schwimmhalle gefordert wird, blieb bislang ohne sichtbaren Erfolg. Beim Landkreis nahm man die Listen zwar entgegen, vermied es aber, sich auf eine Zusage einer solchen Möglichkeit festzulegen.

Dass der Klinikbetrieb beendet ist, haben dieses Jahr auch die Touristiker in Löbau gemerkt: Die durchschnittliche Übernachtungszahl von Gästen lag zuletzt bei vier Nächten und ist jüngst auf zwei geschrumpft. Das ist klar darauf zurückzuführen, dass keine Angehörigen mit ihren Kindern für einen Reha-Aufenthalt mehr ins Stadtgebiet kommen.