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Hätte man den Zündler früher festnehmen können?

Der 24-Jährige ist einschlägig vorbestraft. Viele fragen sich, warum er nicht früher ins Visier der Ermittler geriet.

Von Peggy Zill

Sven Herrmann, Geschäftsführer des Coswiger WHG Holzhandels, sollte eigentlich als Zeuge vor Gericht aussagen. Dann erhielt er einen Anruf, dass dies nicht nötig sein wird, weil der Angeklagte überraschend gestanden hat. Für sechs Jahre muss der Schlosser ins Gefängnis, weil er den Holzhandel im Februar angezündet hat. Für den Geschäftsführer spielt die Länge der Haftdauer keine Rolle. „Ich habe einen fairen Prozess erwartet. Ob er nun fünf oder sechs Jahre ins Gefängnis muss, ändert an unserer Situation nichts.“ Er schaue nicht mehr zurück, sondern habe das Unternehmen im Blick, wo der Wiederaufbau läuft. Voraussichtlich Ende des Jahres können die neuen Hallen in Betrieb gehen.

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Insgesamt sind bei dem Feuer 7,5 Millionen Euro Schaden entstanden. Einen Zivilprozess gegen Fabian S. strebt die WHG laut Geschäftsführer Herrmann nicht an. „Für uns ist das Thema abgeschlossen.“ Allerdings könnte sich die Versicherung Geld vom Täter zurückholen, jetzt da das Urteil gefallen ist. Dabei sei vieles pfändbar. Für die Versicherungen sei erfahrungsgemäß auf diesem Wege nur ein Bruchteil der Schadensumme rückholbar, sagt ein Sprecher des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft.

Bisher konnte dem Neusörnewitzer nur die Schuld an diesem einen Großfeuer nachgewiesen werden. Bei fünf weiteren gab es zwar Hinweise, die zu S. führten, aber für eine Anklage hat es nicht gereicht. Viele Coswiger fragen sich, ob die Ermittler nicht früher auf ihn hätten kommen können. Denn der 24-Jährige ist einschlägig vorbestraft. Er hat 2010 mit einem Kumpel das große Feuer in der EWS-Halle in Neusörnewitz gelegt. Damals wurde er zu einer Jugendstrafe auf Bewährung verurteilt. „Nach den ersten zwei, drei Bränden haben wir uns zugeflüstert: ‘Hoffentlich ist es nicht wieder der‘“, sagte zum Beispiel Stadtrat Bernhard Kroemer (CBL) zur jüngsten Sitzung, als der Meißner Revierleiter Hanjo Protze zur Sicherheit in der Stadt sprach. „Warum hat die Polizei nicht zwei Wochen früher reagiert? Dann hätte man zwei Großbrände verhindern können“, fragte Kroemer. Protze erklärte, dass solche Gerüchte auch erst mal die Polizei erreichen müssten. Natürlich würden die Ermittler auch bekannte Brandstifter unter die Lupe nehmen. „Aber am Ende muss ihnen die Tat nachgewiesen werden“, so Protze. Die Spurensuche sei nach einem Feuer immer schwer und die Beweise müssen gerichtsfest sein. Abgesehen von seinen Vorstrafen tauchte S. auch häufig als Zeuge oder Brandentdecker in den Ermittlungsakten auf. Auch den Brand bei Landmaxx im November 2017 meldete S. der Polizei und wurde als Zeuge vernommen. Stadtrat Jürgen Splettstößer (DSU) wollte vom Revierleiter wissen, weshalb die Ermittlungsgruppe erst so spät gegründet worden ist. Das, so erklärte es Hanjo Protze, sei eine Entscheidung der Kriminalpolizei. Nachdem zwischen den Bränden stets ein paar Wochen lagen, brannte es im Februar 2018 in sehr kurzen Abständen. S. fühlte sich offenbar durch die Aussagen der Polizei herausgefordert. So berichtete die SZ am 13. Februar, dass die Ermittler nicht von einer Serie ausgehen. Fabian S. beantragte spontan Urlaub bei seinem Arbeitgeber. In den beiden Nächten danach brannte es zunächst im Dehner Gartencenter in Brockwitz und dann im Holzhandel. Danach bildete die Polizei eine Ermittlungsgruppe. Vier Beamte arbeiteten seitdem an den Fällen. Schon wenige Wochen später konnte der gelernte Metallbauer festgenommen werden.