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„Häuslebauer ziehen nicht nur der Arbeit nach“

Mit dem Frühjahr starten neue Bauvorhaben. Die SZ sprach mit Makler Maik Lehmann über Schwarmverhalten von Bauherren und Gebühren für Straßencafés.

© Kristin Richter

Herr Lehmann, Großenhain schaut gespannt auf das Wohngebiet „Heideblick“ am Exer in Kleinraschütz. Wann geht´s los mit dem Bauen?

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Wir sind Meister. Wir können das. 

33 Frauen und 242 Männer sind unter den frisch gebackenen Meisterabsolventen der Handwerkskammer Dresden und damit Aushängeschild der „Wirtschaftsmacht von nebenan“.

April, Mai. So ist der Plan. Das war noch mal anstrengend, weil es einige Überraschungen gab, aber jetzt ist alles gut.

Überraschungen?

Ja, zunächst war der Plan, die Hauptwasserdruckleitung in die Straße zu verlegen. Das wurde dann von der Wasserversorgung anders gewünscht, und so führt die neue Hauptleitung jetzt über den früheren Exer. Das heißt, wir mussten alles noch einmal umplanen. Ich bin aber heute damit ganz zufrieden, denn das hat auch Vorteile. Vieles kann jetzt parallel passieren, was vorher nicht möglich gewesen wäre.

Mancher fragte sich, ob hier vielleicht noch Munition lauert. Ist das abgeklärt?

Es gab eine Baugrunduntersuchung und eine Gefahreneinschätzung. Wenn überhaupt, ist laut Experten schlimmstenfalls mit alter Munition für Handfeuerwaffen zu rechnen. Das steht wie in solchen Fällen üblich in den Verträgen.

Ist denn die Nachfrage groß? Preislich haben Sie schließlich mit 98 Euro pro Quadratmeter ordentlich vorgelegt für Großenhainer Verhältnisse.

Wir sind jetzt sogar bei 118 Euro, provisionsfrei natürlich. Die 98 Euro galten bis zum 31. Oktober letzten Jahres. Solche Angebote als Preisbindung machen wir immer. Am Anfang hat man uns belächelt für diese Zahl, ich weiß. Als könnten wir nicht rechnen. Aber Großenhain kommt jetzt einfach nur auf einem Niveau an, wo es endlich hingehört. Es geht doch nicht nur um den Verkaufspreis, den die Stadt für das Gebiet bekommen hat. Solche Baupreise ziehen andere Investoren nach, die Großenhain plötzlich für sich entdecken und animieren hiesige Eigentümer von Wohnungen, selbst zu investieren. So verbessert sich die Wohnsubstanz insgesamt. Ich finde das Schwarmverhalten von Bauherren und Mietern nämlich interessant. Wo wollen Menschen wohnen und warum? Da hat uns ein Professor bei einem Immobiliensymposium in Meißen ziemlich geerdet. Der meinte ganz klar, die Städte sollten aufhören, zum Beispiel Gebühren für Straßencafés zu erheben. Denn die Leute suchen sich heutzutage schon eine Gemeinde oder Stadt aus, in der sie leben wollen – frei nach Motto, Arbeit finde ich überall. Man zieht nicht mehr bedingungslos der Arbeit hinterher und wohnt dann irgendwie. Deshalb ist das Flair einer Stadt so wichtig. Kultur-Angebote, Kitas, besondere Schulen, Vereine – das alles wird immer wichtiger. Für Rückkehrer, die älter sind genauso wie für junge Familien, die ein bestimmtes Stadtklima suchen. Die Innenstadt wird da ganz wichtig. Deshalb finde ich auch das Herangehen von Jörg Heller, Stadtlücken mit neuen Wohnkonzepten zu beleben, einen richtigen Gedanken.

Haben Sie persönlich eine Bindung zu Großenhain?

Meine Großeltern stammen von hier. Abgesehen davon hat es die Stadt einfach verdient, nach vorn zu kommen. Sie wurde vielleicht sogar viele Jahre unterschätzt. Doch das ändert sich gerade. Das merke ich in vielen Gesprächen.

Sie wollen auch am Fuchsbau Radeburger Straße Eigenheimstandorte anbieten, wie im Amtsblatt zu lesen war?

Ja, das ist ein sehr spannendes Areal. Herrlich gelegen und unmittelbar in der Stadt, das, was alle suchen, im Zentrum seine Ruhe haben. Die neun Eigenheime sind erst mal eine Visualisierung, das werden die Bauherren mit ihren konkreten Wünschen noch gestalten. Und da ist die alte Villa, die komplett saniert werden soll. Da sind wir erst am Anfang. Für mich ist es interessant, dass dieses zweite Wohngebiet sozusagen auf der anderen Seite liegt.

„Auf der anderen Seite“ – wie meinen Sie das denn?

Ich sag es mal so: In Meißen wollen die Leute entweder linkselbisch oder rechtselbisch wohnen. In Großenhain auf der Seite der Bahnlinie oder auf der anderen. Das ist jedenfalls meine Beobachtung. Insofern ist es interessant, Wohnstandorte auf beiden Seiten anbieten zu können und dann noch so individuelle. In Großenhain tut sich wirklich einiges.

Das Gespräch führte Birgit Ulbricht.