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Hafenbetreiber wirbt in eigener Sache

er SBO-Chef stellt Anwohnern persönlich die Ausbaupläne vor. Kritiker finden das gut – bleiben aber skeptisch.

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© Sebastian Schultz

Von Stefan Lehmann

Riesa. Ein wenig überrascht ist Heiko Loroff selbst angesichts der vollen Halle. Die Stühle sind allesamt belegt, nur auf den Bierbänken in den letzten Reihen ist noch Platz. Mehr als 80 Zuhörer dürften es sein, die in der neuen Containerservicehalle des Riesaer Hafens Platz genommen haben, um sich Loroffs Ausführungen anzuhören. „Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll“, sind seine ersten Worte. Es mache ihn stolz, dass sich so viele Menschen für sein Unternehmen interessieren, sagt der Geschäftsführer der Sächsischen Binnnehäfen Oberelbe (SBO). „Auch, wenn sicher einige Kritiker hier sind.“

Die SBO möchte auf dem Gelände südlich des Hafenbeckens ein neues Terminal errichten, um künftig noch mehr Container verladen zu können. Anwohner in Gröba machen sich deshalb Sorgen: über nächtlichen Lärm, steigendes Lkw-Aufkommen, den Flutschutz. Die Einladung in den Hafen sei kein politisches Kalkül, beteuert der SBO-Chef. Aber: „Wenn man merkt, dass Probleme und Fragen auftauchen, dann musst du den Weg gehen und reden.“ Deshalb hat der Hafenbetreiber gemeinsam mit dem Verein Sprungbrett zu der Veranstaltung geladen. In der 2016 errichteten Halle will er nun die Skeptiker überzeugen, bei Wiener und Brötchen. Der Geschäftsführer gibt sich auch sonst betont locker, erzählt zuerst davon, wie es ihn von der Ostsee nach Sachsen verschlagen hat und er dann über verschiedene Unternehmen schließlich bei der SBO gelandet ist. Und er sagt auch, dass der Hafen schon seit vielen Jahrzehnten Teil von Riesa ist. „Wir wollen im kommenden Jahr unser 130-jähriges Bestehen feiern.“

Einer der Kritiker, die Loroff richtigerweise im Publikum vermutet, ist Toralf Schadewitz. Der Gröbaer hat im vergangenen Jahr eine Unterschriftenliste gegen das Bauprojekt gesammelt. Dass es die Veranstaltung überhaupt gibt, findet Schadewitz grundsätzlich gut. „Ein Unternehmen will etwas bauen und die Bevölkerung mit einbeziehen. Genau der richtige Weg.“ Schade sei allerdings, dass das erst jetzt passiere, nach dem Planfeststellungsverfahren. „Den Schritt auf die Anwohner hätte man viel früher machen sollen.“ So bleibe ein schaler Beigeschmack.

Fast eine Stunde dauert Heiko Loroffs Vortrag. Graphen zeigen, dass der Hafen aktuell über seiner Leistungsfähigkeit arbeitet, ein animiertes Video stellt dar, wie die Südseite des Beckens aussehen soll, wenn die großen, automatischen Portalkräne dort stehen. Das Publikum, eine Mischung aus Politikern, Unternehmern, Anwohnern und SBO-Mitarbeitern, hört aufmerksam zu. Selbst in der Fragerunde geht es viel sachlicher zu als im September, als sich Loroff erstmals den Einwendungen von Anwohnern und Naturschützern stellen musste. Eine Frau möchte wissen, wie weit die Gleise eigentlich Richtung Elbe reichen werden. Eine andere Anwohnerin fragt, wann denn das neue Terminal überhaupt gebaut werden soll. „Wir wollen Ende 2018 fertig sein“, sagt Heiko Loroff. Im Grunde müssten ja nur sechs Gleise und zwei Kräne gebaut werden, „der Rest ist ja da“. Toralf Schadewitz fragt nach dem nächtlichen Lkw-Verkehr. „Unsere Kunden erwarten auch Nachtschichten“, räumt der SBO-Chef ein. An sechs Wochentagen sollen die Lastwagen auch nachts rollen, bis zu vier Stück in der Stunde. Sonntags allerdings nicht. „Na, immerhin“, flüstert eine Zuhörerin.

Eine andere Frau möchte ganz zum Schluss noch wissen, ob man denn den fertigen Hafen auch besichtigen könne. Natürlich sei das möglich, antwortet Loroff. „Und wenn der Wunsch nach einem Hafenfest besteht, dann bin ich der Letzte, der dem im Weg steht.“

Toralf Schadewitz ist am Ende ein wenig enttäuscht. Viel Neues hat er nicht erfahren, die Sorge vor dem erhöhten Verkehrsaufkommen hat ihm auch der Vortrag in Halle nicht nehmen können. Ein bisschen viel PR in eigener Sache sei es gewesen, bemängelt er. „Aber man muss sich das anhören, wenn man mitreden will.“ Nicht jeder Gröbaer sieht das Vorhaben so kritisch wie er. Eine ältere Frau gibt sich am Ende der Vorstellung relativ locker und bemerkt amüsiert, das geplante Terminal habe in der Präsentation ein bisschen ausgesehen „wie in einer Großstadt, wie am Hamburger Hafen“.