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Haft für Hitlergrüße

Ein Freitaler soll mehrmals den Hitlergruß gezeigt haben. Er hat ein langes Vorstrafenregister.

© Symbolbild: dpa

Von Andrea Schawe

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Eine Frage der Ehre

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Gerichtsbericht. Der Staatsanwalt findet klare Worte: Weder „Polizisten, Juden oder Kanaken“ seien schuld am Leben des Angeklagten, sagte er. „Das sind nur Sie.“ Bisher habe Lars K., der keinen Beruf gelernt hat und von Hartz IV lebt, allerdings keinerlei Bereitschaft gezeigt, sein Leben zu ändern. Der 37-jährige Freitaler musste sich vor dem Amtsgericht Dippoldiswalde wegen Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen verantworten. Er soll im Februar 2015 vor der Aral-Tankstelle den Hitlergruß gezeigt und mehrmals „Sieg heil“ und „Kanaken raus! Das ist unser Land“ gebrüllt haben. Eine Anwohnerin hatte das vom Balkon beobachtet und die Polizei verständigt. Die Staatsanwaltschaft wirft Lars K. auch vor, im März erneut den Hitlergruß gezeigt zu haben, als ihm auf der Dresdner Straße ein Streifenwagen entgegenkam. Außerdem habe er bei der Demonstration vor dem Leonardo-Hotel am 26. Juni einen Polizisten mit „ACAB“ beleidigt. Nach einer anderen Anklage, die gleich mit verhandelt wurde, soll Lars K. im Penny-Markt an der Bahnhofstraße Schinken- und Zwiebelmettwurst im Wert von 2,88 Euro geklaut haben. Bei allen Taten war der Freitaler angetrunken. Tests ergaben Werte zwischen 1,4 und 1,8 Promille.

„Was soll ich dazu sagen, es ist mit mir durchgegangen“, sagte der Angeklagte, der ohne Verteidiger vor Gericht erschien und desinteressiert wirkte. Er könne sich nicht wirklich erinnern. Mehrere Zeugen bestätigten allerdings die Anklage. Den Vorfall im März gab Lars K. zu. „Ich wollte grüßen“, sagte er. „Das lag bestimmt am Alkohol.“ Er trinke fast jeden Tag, hauptsächlich Bier. Auch den Diebstahl im Penny gestand er. Er sei hungrig gewesen und hätte kein Geld mehr gehabt. Den Polizisten habe er aber nicht beleidigt. „Alle haben das gebrüllt“, sagt Lars K. „Das war eine Demo.“ Er habe bis vor Kurzem gar nicht gewusst, was „ACAB“ bedeute. Die Abkürzung steht für „all cops are bastards“, auf Deutsch „alle Polizisten sind Bastarde“. „Das können Sie mir nicht erzählen“, sagte Richter Christian Mansch. Auch der Staatsanwalt bezeichnete die Aussage als „lachhaft“ und „gelogen“. „Er hat mich direkt angeguckt und es gesagt“, sagte ein Polizist als Zeuge, der an dem Abend am Leonardo im Einsatz war.

Lars K. hat ein langes Vorstrafenregister. 16 Eintragungen zählt der Richter auf – von 1996 bis 2013 wurde der Freitaler wegen Diebstahls, Körperverletzung, Sachbeschädigung, Hehlerei und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte angezeigt. „Manche sind absolut unbelehrbar“, sagte der Staatsanwalt. „Sie gehören dazu.“ Der Richter verurteilte Lars K. zu einer Freiheitsstrafe von vier Monaten. Der 37-Jährige habe mehrfach gezeigt, dass er eine Bewährung nicht straffrei durchsteht. „Sie müssen in den Knast“, sagte Richter Christian Mansch. „Aber das scheint Ihnen ja nichts auszumachen.“ Lars K. kündigte an, in Berufung gehen zu wollen und dann einen Verteidiger mitzubringen.