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Haft für wütenden Nachbarn

Ein Freitaler hat es erneut auf seine Nachbarn abgesehen. Deren Transporter war danach nicht mehr fahrbereit.

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© Symbolbild: dpa

Von Yvonne Popp

Gerichtsbericht. Daran, dass er keine große Lust hat, sich schon wieder vor Gericht verantworten zu müssen, lässt Steffen M. keinen Zweifel. Er lümmelt auf der Anklagebank, als ginge ihn das alles nichts an. Weder die Richterin noch die Zeugen sieht er an. Auf Nachfragen reagiert er unwirsch. Einmal fragt er sogar, wann das Verfahren vorbei sei, damit er endlich eine rauchen könne. Angeklagt ist der 64-jährige Deutsche wegen Sachbeschädigung. Am 2. April dieses Jahres, so der Vorwurf, soll er die Reifen am Dienstwagen seines Nachbarn zerstochen haben.

Vor Gericht schimpft der Beschuldigte über jenen deutsch-russischen Mann und dessen Familie. Nur Unsinn würden diese Leute über ihn erzählen. Dass der Rentner sie in der Vergangenheit schon mehrfach auf das Übelste beleidigt, ihre Autos demoliert und in aller Öffentlichkeit, vor ihren Kindern, an seinem Penis herumgespielt habe, sei schlichtweg gelogen. Das Gericht sah das damals anders und verurteilte ihn zuletzt zu einer Bewährungsstrafe.

Den neuerlichen Tatvorwurf bestreitet Steffen M. ebenfalls. „Ich bin das nicht gewesen“, schimpft er. Er behauptet, dass an seinem Auto auch Reifen zerstochen worden sind. Das habe er bei der Polizei angezeigt.

Hafttauglich oder nicht?

Ein Zeuge, der im Nachbarhaus wohnt, berichtet, dass sich der Angeklagte schon länger überall unbeliebt macht. „Wenn er betrunken ist, motzt er immer die Leute voll“, sagt der Taxifahrer. Auch er weiß von dem angespannten Verhältnis zwischen M. und der deutsch-russischen Familie aus dem Nachbarhaus. Zu den Ursachen kann er nichts sagen, zur aktuellen Anklage dagegen schon. Der 54-Jährige hatte nämlich zufällig von seinem Küchenfenster aus beobachtet, wie der Angeklagte am Tattag um die Autos auf den Stellplätzen vor dem Potschappler Mietshaus gewankt war. „Er war mal wieder so angetrunken, dass er kaum laufen konnte“, sagt der Mann. Dann habe er gesehen, wie M. mit einem 40 Zentimeter langen Gegenstand – was genau das war, hatte er nicht erkennen können – hintereinander auf alle Reifen des Transporters einstach. „Ich hörte es zischen und rief die Polizei.“

Aber nur zwei Reifen hatte der Angeklagte komplett zerstört. Die beiden anderen waren zerkratzt. Einer davon aber so stark, dass man ihn nicht weiter nutzen konnte. Ein Kostenvoranschlag über einen Satz neue Pneus ergab eine Summe von rund 660 Euro.

„Wir haben aber keine gekauft, weil wir damals das Geld dafür nicht hatten“, sagt die Ehefrau des Geschädigten. Sie erklärt, dass die kaputten Winterreifen durch die Sommerreifen ersetzt worden sind. Für den kommenden Winter müsse der Wagen nun aber neu bereift werden. Sie selbst war zum Zeitpunkt der Tat mit ihrer ältesten Tochter in Dresden unterwegs. Von dort hatte sie ihr Mann mit dem privaten Pkw abgeholt. „Als wir zu Hause ankamen, warteten unsere Nachbarn schon am Transporter. Sie erzählten uns dann, was passiert war“, berichtet die gelernte Disponentin. Sie befürchtet nun, dass Steffen M. sich für das erneute Gerichtsverfahren rächen wird. Das habe er bis jetzt auch immer gemacht, sagt sie resigniert.

Zum Verhängnis wird dem Angeklagten, dass er zum Zeitpunkt der Tat unter Bewährung stand. „Wer während dieser Zeit neue Straftaten begeht, muss mit einer Haftstrafe rechnen“, sagt Richterin Daniela Höllrich-Wirth und verurteilt Steffen M. zu zwei Monaten Gefängnis. Ob der Angeklagte überhaupt hafttauglich ist, muss sich erst zeigen. Zum Verhandlungstermin machte der stark abgemagerte Mann nicht nur von seinem Verhalten her, sondern auch gesundheitlich keinen guten Eindruck.