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Haftstrafe für Neonazi-Anwältin

Eine 44-jährige Juristin leugnet den Massenmord an den Juden und bedroht Schöffen vor Gericht mit der Todesstrafe.

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Von Tanja Wolter, Mannheim

Das Landgericht Mannheim hat die 44-jährige Rechtsanwältin Sylvia Stolz gestern zu einer Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren verurteilt und gegen sie zugleich ein fünfjähriges Berufsverbot verhängt. Die rechtsextreme Juristin wurde daraufhin noch im Gerichtssaal festgenommen.

Die Anwältin hatte in der Hauptverhandlung gegen den bundesweit bekannten Holocaust-Leugner Ernst Zündel wiederholt den Massenmord an den Juden durch die Nationalsozialisten bestritten und mit zahlreichen Provokationen immer wieder den Verfahrensablauf gestört. So hatte sie das Mannheimer Landgericht unter anderem als „Organ der Fremdherrschaft“ bezeichnet, von einem „Fortbestand des Deutschen Reiches“ gesprochen und den Schöffen wegen „Feindbegünstigung“ die „Todesstrafe“ angedroht. Darüber hinaus wurde die Juristin schuldig gesprochen, den Rechtsextremisten Horst Mahler trotz eines gegen ihn verhängten Berufsverbots an Verfahren gegen Neonazis beteiligt zu haben.

Hitler-Gruß im Gerichtssaal

Das Urteil lautet auf Volksverhetzung in mehreren Fällen, versuchte Nötigung, Beleidigung, versuchte Strafvereitelung und Beihilfe zum Verstoß gegen ein Berufsverbot. Der Vorsitzende Richter warf der Angeklagten ein „unhaltbares Menschen- und Geschichtsbild“ und eine „rechtsfeindliche Gesinnung“ vor. Sie habe zunehmend einen „Hass gegen alles Jüdische“ entwickelt. Als Anwältin habe sie schließlich den Holocaust als „bloße Erfindung der Juden“ in Abrede gestellt. Dabei habe sie „die Grenzen einer zulässigen Verteidigung weit überschritten“. Von einer psychischen Erkrankung ging das Gericht aber nicht aus. Wer Adolf Hitler als seinen Erlöser bezeichne, möge zwar für „nicht zurechnungsfähig“ gehalten werden. Bei Sylvia Stolz gebe es aber keine Hinweise auf eine schwere psychische Störung.

Die Anwältin war wegen ihres Verhaltens letztlich von dem Zündel-Verfahren ausgeschlossen worden. Damals musste sie aus dem Gerichtssaal getragen werden, weil sie sich weigerte, den Beschluss zu akzeptieren.

Auch diesmal sorgte die 44-Jährige für Wirbel. Zunächst unterbrach sie zu Beginn der Urteilsverkündung mehrmals den Richter. Als sie festgenommen wurde, rief sie den Zuschauern „Heil Hitler“ zu und zeigte dabei den Hitler-Gruß. Dies könnte ihr eine neue Anklage einbringen. Sylvia Stolz befand sich bislang auf freiem Fuß. Das Gericht ordnete mit Blick auf das noch nicht rechtskräftige Urteil Untersuchungshaft an und begründete dies mit Fluchtgefahr. (ddp/AP)