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Haftstrafe für Personalvermittlerin

Sie hatte gegen einen Strafbefehl Einspruch eingelegt. Nun erhielt sie noch sechs Monate mehr.

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Von Jürgen Müller

Die Inhaberin einer Personalvermittlung in der Gemeinde Klipphausen wurde jetzt wegen Betrugs vom Amtsgericht Meißen zu einer Haftstrafe von einem Jahr und sechs Monaten verurteilt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die Frau hoch dotierte Scheinarbeitsverträge mit guten Bekannten und Familienangehörigen abschloss. Kurz darauf meldeten sich die Angestellten krank und kassierten Krankengeld in beträchtlicher Höhe. Tatsächlich arbeiteten sie in dieser Zeit in der Personalvermittlung, die sich auf das Vermitteln von Ärzten spezialisiert hatte.

Auch die Tochter der Angeklagten wurde bereits vor einigen Wochen wegen Betrugs zu einer Haftstrafe von einem Jahr verurteilt. Sie hatte die Firma ihrer Mutter übernommen und mit dieser ebenfalls einen Scheinarbeitsvertrag über 5.000 Euro monatlich abgeschlossen. Einen Tag nach Arbeitsaufnahme wurde die Mutter krank. Allerdings erhielt sie kein Krankengeld, weil die Krankenkasse den Betrug witterte. Kurz zuvor war die Frau noch aus der privaten in die gesetzliche Krankenversicherung gewechselt.

Eine dritte Angeklagte wurde ebenfalls vor einigen Wochen wegen gemeinschaftlichen Betruges zu sieben Monaten Haft verurteilt. Die heute 49 Jahre alte Frau hatte, obwohl sie wegen einer Krankheit dazu gar nicht in der Lage war und zuvor Arbeitslosengeld II bezog, nach Überzeugung des Gerichtes einen Scheinarbeitsvertrag über monatlich 3.000 Euro mit der Personalvermittlung abgeschlossen, der nur dem Zweck diente, viel Krankengeld zu beziehen. Wenig später meldete sie sich krank und bekam insgesamt rund 24.000 Euro Krankengeld. Alle Haftstrafen wurden zur Bewährung ausgesetzt.

Das Verfahren gegen die jetzt angeklagte Geschäftsführerin war damals abgetrennt worden, weil der Anwalt der Angeklagten entschuldigt fehlte. Das Gericht erließ einen Strafbefehl, in dem die Frau zu einer Haftstrafe von einem Jahr verurteilt wurde. Gegen diesen Strafbefehl legte sie Einspruch ein, so dass vorige Woche verhandelt wurde. Dabei stellten sich weitere Betrügereien heraus. Ein Zeuge hatte berichtet, dass er auch einen Scheinumzug bewerkstelligt hatte. Tatsächlich war er nie von Bautzen nach Klipphausen umgezogen, kassierte aber als Hartz-IV-Empfänger Umzugskosten vom Amt. Die jetzt Angeklagte soll auch mit ihm zu einem Arzt gegangen sein, von dem sie wusste, dass er den Mann krankschreibt.

Nach Informationen der SZ führt die Frau mittlerweile die Firma alleine. Sie vermittelt jetzt ausländische Ärzte.