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Sachsen

Halbe Zeit von Dresden nach Prag

Bevor schnelle Züge auf der neuen Bahnstrecke von Dresden nach Prag unterwegs sind, wird noch viel Zeit vergehen. Der Anfang ist jedoch gemacht.

Im Elbtal wird in Bürgerversammlungen über das Bauvorhaben der Bahn sowie die Vor- und Nachteile der einzelnen Varianten informiert.
Im Elbtal wird in Bürgerversammlungen über das Bauvorhaben der Bahn sowie die Vor- und Nachteile der einzelnen Varianten informiert. © Daniel Förster

Dresden. Eine neue Bahnstrecke zwischen Deutschland und Tschechien soll die Fahrtzeiten zwischen Metropolen beider Länder drastisch verkürzen. Dazu ist perspektivisch eine Verbindung abseits des Elbtals mit einem 26 Kilometer langen Grenztunnel geplant. Es wäre der längste Zugtunnel in Deutschland. Am Montag unterzeichneten Vertreter Tschechiens und Deutschlands dazu in Dresden eine Erklärung. Von Dresden nach Prag soll die Fahrzeit später einmal bei einer Stunde liegen, derzeit sind es noch knapp eineinhalb Stunden mehr. Zwischen Berlin und Prag würde sich die Fahrtdauer von derzeit viereinhalb Stunden um zwei Stunden verkürzen.

"Europa wächst zusammen", betonte der für Infrastruktur zuständige Deutsche-Bahn-Vorstand Ronald Pofalla in seinem Statement. Mit dem Projekt werde ein weiteres Zeichen für die Stärkung der Schiene gesetzt. "Die Bahnen beider Länder und der Freistaat Sachsen haben ein ambitioniertes Projekt auf den Weg gebracht." Es biete eine weitere Alternative zur Verlagerung des Verkehrs von der Straße auf die Schiene. Damit sorge man zugleich für eine Entlastung des Elbtals und eine hochwassersichere Schienenverbindung. Das Vorhaben sei ein aktiver Beitrag zum Klimaschutz.

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Derzeit läuft das Raumordnungsverfahren für das Projekt, es werden verschiedene Streckenführungen abgewogen. Zu Kosten gibt es bislang keine Angaben. Beide Länder wollen dafür auch EU-Mittel akquirieren und das Vorhaben mit einem Staatsvertrag regeln. Experten gehen davon aus, dass die Strecke frühestens Ende der 2030er Jahre fertiggestellt werden kann. Bis kommenden Freitag können Bürger und Verbände noch Einwände vorbringen. Im Elbtal stößt das Vorhaben überwiegend auf Zustimmung, weil gerade der Güterverkehr dort für eine hohe Lärmbelastung sorgt.

Das sind die aktuell diskutierten Strecken für die neue Bahnstrecke Dresden-Prag.
Das sind die aktuell diskutierten Strecken für die neue Bahnstrecke Dresden-Prag. © Grafik: SZ

Darauf ging auch der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) am Montag ein. Es gebe hier eine Bürgerbeteiligung in einer positiven Art und Weise - "nicht gegen, sondern für ein Projekt". Die Bürger hätten Vorschläge entwickelt, die nun bewertet würden: "Es ist kein Geheimnis, die Menschen wünschen sich einen Volltunnel von Heidenau bis in die tschechische Republik. Das ist auch mein Wunsch. Ob er sich am Ende realisiert, das werden die Planungen zeigen". Kretschmer wertete das Engagement der Bürger als Beleg dafür, dass Bürgerbeteiligungen Konflikte verhindern können. Die Strecke sei ein "Jahrhundertprojekt".

Das Bundesverkehrsministerium verwies auf die europäische Brisanz der Strecke als Teil eines Hochgeschwindigkeitskorridors von der Ostsee bis in die Balkanstaaten. Die Stärkung des Schienengüterverkehrs zwischen den Häfen im Norden und Südosteuropa sei ein wichtiges Anliegen der Verkehrspolitik. Gleiches gelte für den Personenverkehr.

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Jirí Svoboda, bei der tschechischen Bahn zuständig für die Infrastruktur, berichtete von Plänen seines Unternehmens auch in andere Himmelsrichtungen. So soll 2025 mit dem Bau einer Hochgeschwindigkeitsstrecke nach Brno begonnen werden, die dann ab 2028 bis nach Wien fortgesetzt werden soll. Wenn die eines Tages vollendet ist, wird man von Dresden bis Wien nur noch knapp drei Stunden benötigen.

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