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Halloren-König übernimmt Hotel

Die Zeit der Insolvenz war eine harte Zeit voller Sorgen für die Mitarbeiter im Grand Hotel Heiligendamm. Doch mit dem neuen Investor scheint Aufbruchstimmung in das Luxushotel einzukehren.

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Joachim Mangler, dpa

Heiligendamm. Als Insolvenzverwalter Jörg Zumbaum am Donnerstag im Grand Hotel Heiligendamm vor die Presse trat, wirkte er entspannt wie seit Monaten nicht mehr. Zuvor hatte er der Belegschaft den neuen Investor, den Aufsichtsratschef der Halloren Schokoladenfabrik AG in Halle an der Saale, Paul Morzynski, vorgestellt. Die Mitarbeiter müssen sehr positiv auf ihren neuen Chef reagiert haben. „Es war sicherlich heute die befreiendste und offenste Versammlung, die wir hatten“, sagt Zumbaum. Der hannoversche Wirtschaftsprüfer Morzynski ist bereits an dem Kühlungsborner Hotel Upstalsboom beteiligt.

Ist das Grand Hotel Heiligendamm nun gerettet?
Ist das Grand Hotel Heiligendamm nun gerettet? © dpa
Ein vorheriger Verkauf an eine Berliner Investorengruppe war in der Nacht zum 30. Juli endgültig geplatzt.
Ein vorheriger Verkauf an eine Berliner Investorengruppe war in der Nacht zum 30. Juli endgültig geplatzt. © dpa

Dabei dürfte das Gefühl, von einer seit der Insolvenz Anfang 2012 dauernden Last befreit zu sein, nur ein Teil der Zumbaumschen Wahrheit sein. Denn die nun fehlenden Sorgen um die Zukunft des schwächelnden Luxushotels an der Ostseeküste werden durch juristische Probleme ersetzt. Der Streit mit der Berliner Investorengruppe, deren Kaufvertrag nach Ablauf der Zahlungsfrist in der Nacht zum Dienstag aufgelöst wurde, dürfte ihn noch lange Zeit beschäftigen.

Zumbaum sieht sich wegen der abgelaufenen Frist und eines notariellen Vertrags, der laut Staatsanwaltschaft mit einer falschen Finanzierungsbestätigung unterlegt ist, im Recht. Doch die Berliner scheinen nicht zum Einlenken bereit. Der Notar sage, dass die Vertragsauflösung nicht rechtens war, betont Sprecher Ernst Bär. „Ich will jetzt nur noch Gerechtigkeit und werde dazu alles unternehmen.“

Diese Auseinandersetzung dürfte Morzynski nicht egal sein, sind Schlagzeilen aus Gerichtssälen sicher nicht die, die sich ein Hotel für die Gästewerbung wünscht. Aber der Vertrag zwischen ihm und Zumbaum scheint so gestaltet zu sein, dass die Konsequenzen im Falle eines juristischen Sieges der Berliner nicht sein Problem sind. Immerhin sagt Zumbaum dazu: „Das aber ist dann mein Bier.“

Retter der Halloren-Kugel

So kann Morzynski Pläne schmieden. Er wolle in saisonverlängernde Maßnahmen oder einen Wellnessbereich investieren. Erfahrungen mit Sanierungsfällen hat er. Nach dem Mauerfall rettete er die DDR-Firma Halloren in Halle an der Saale, berühmt für ihre Schokokugeln, vor der Liquidation und machte sie zu einer profitablen Firma.

Der heutige Hotelmanager Tim Hansen sieht nun das Hotel und seine 240 Mitarbeiter im Aufbruch. Zeitnah würden Renovierungen beginnen, kündigt er an. Das ist dringend nötig: In den vergangenen Jahren wurde wenig in den Erhalt des Ensembles investiert.

Morzynski löste gleich ein Dauerproblem. Die leidige Frage, ob ein Weg vom Bahnhof zum Strand durch das Hotelgelände gelegt wird, ist beantwortet. „Der Stichweg ist Teil des Vertrags“, sagt er, zur Freude von Bad Doberans parteilosem Bürgermeister Thorsten Semrau, der damit eine Sorge mit seinen Stadtvertretern weniger hat.

„Es wird Zeit, dass konstruktive Ruhe einkehrt“, betont auch der Geschäftsführer des Landestourismusverbandes, Bernd Fischer. Immerhin ist das Grand Hotel das Flaggschiff der Branche in Mecklenburg- Vorpommern und Morzynski hat klar gemacht, dass er es auch weiter an der Spitze im Land sehen will. „Es ist erstaunlich, wie ein so rationaler Typ, der immer nur mit Zahlen und Bilanzen umgeht, sein Ansinnen mit so viel Emotionen rüberbringt“, wundert sich Fischer.

Unklar bleibt noch die Rolle von Anno August Jagdfeld, der mit der Investorengruppe Fundus 1996 einen Großteil der zu Heiligendamm gehörenden Immobilien erwarb. Die meisten waren in sehr schlechtem Zustand. Seither wurden rund 220 Millionen Euro investiert. Das Grand Hotel nahm 2003 den Betrieb auf, kam aber wegen zu geringer Gästezahlén nie auf einen grünen Zweig. Rund 1900 Anleger hatten in den geschlossenen Immobilienfonds „Fundus 34“ 127 Millionen Euro eingebracht, 2011 erfolgte ein 90-prozentiger Kapitalschnitt. Das Geld sei nun definitiv verloren, sagte Jagdfeld im März.

Mit seinen Immobilien hätte Jagdfeld die Möglichkeit, Morzynskis Tatendrang zu bremsen. Morzynski und Jagdfelds Sprecher reichten sich am Donnerstag aber verbal die Hände, um sich gegenseitige Unterstützung zuzusagen. Nach Ansicht von Beobachtern hätte es Heiligendamm verdient, dass es nach Jahren der Stagnation weitergeht. Ohne den Hotelbetrieb wäre das teilweise denkmalgeschützte Ensemble kaum überlebensfähig. Die Zahl der künftigen Gäste ist dabei die entscheidende Größe. (dpa)