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Hamas ruft Waffenruhe mit Israel aus

Der Tod eines israelischen Soldaten führt zur Eskalation im Gaza-Streifen. Die vereinbarte Ruhe ist fragil.

© dpa/Ilia Yefimovich

Von Saud Abu Ramadan und Sara Lemel, Gaza/Tel Aviv

Nach einer neuen gefährlichen Eskalation der Gewalt hat die im Gazastreifen herrschende Hamas eine Feuerpause verkündet. Israels Luftwaffe hatte rund 60 Ziele in dem Küstenstreifen bombardiert, nachdem ein palästinensischer Scharfschütze an der Gaza-Grenze einen israelischen Kampfsoldaten erschossen hatte. Der Soldat ist der erste Israeli, der seit Beginn der Proteste im Gazastreifen Ende März getötet wurde.

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Militante Palästinenser feuerten am Freitag erneut mehrere Raketen und Mörsergranaten auf israelisches Gebiet. Augenzeugen berichteten auch von brennenden Drachen, die als Brandherd über den Grenzzaun geschickt wurden. Israelische Kampfjets und Panzer beschossen daraufhin Ziele der herrschenden Hamas im gesamten Gebiet des Küstenstreifens. Im Süden seien mindestens vier Palästinenser getötet worden, teilte das Gesundheitsministerium in Gaza mit. Nach Angaben des militärischen Arms der Hamas waren drei der Getöteten Mitglieder der Organisation.

Die Eskalation nährte die Sorge, es handele sich um den Beginn des vierten Gaza-Kriegs binnen eines Jahrzehnts. Zuletzt hatten sich Israel und die Hamas im Sommer 2014 genau 50 Tage lang Kämpfe geliefert. 2 250 Palästinenser wurden getötet oder starben später an ihren Verletzungen, auf der israelischen Seite gab es 74 Tote. Hamas-Sprecher Fausi Barhum teilte jedoch in der Nacht zum Sonnabend mit, mit Hilfe Ägyptens und der UN sei eine Waffenruhe zwischen beiden Seiten vereinbart worden.

Am Sonnabend kam es jedoch zu einem neuen Zwischenfall. Eine Gruppe Palästinenser durchbrach den Grenzzaun nach Israel und die Armee beschoss daraufhin erneut einen Militärposten der Hamas. Die Gruppe sei wenig später in den Gazastreifen zurückgekehrt, teilte die Armee mit. Der UN-Nahostgesandte Nickolaj Mladenow, der sich gemeinsam mit Ägypten intensiv um eine Beruhigung der Lage bemüht hatte, schrieb in einem dramatischen Appell auf Twitter: „Alle in Gaza müssen einen Schritt zurück vom Abgrund gehen. Nicht nächste Woche. Nicht morgen. Jetzt sofort!“ Bereits eine vor einer Woche vereinbarte Waffenruhe war nur von kurzer Dauer.

UN-Generalsekretär António Guterres hat sich „zutiefst besorgt“ über die Gewalteskalation im Gazastreifen gezeigt. „Es ist zwingend notwendig, dass alle Seiten von der Kante eines verheerenden Konflikts zurücktreten“, sagte Guterres in New York. Er forderte alle Beteiligten auf, gemeinsam mit den Vereinten Nationen einen Weg aus dieser „gefährlichen Situation“ zu finden. „Jede weitere Eskalation wird die Leben von Palästinensern und Israelis gefährden und die humanitäre Katastrophe in Gaza weiter vertiefen.“

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu beraumte Freitagabend eine Dringlichkeitssitzung in Tel Aviv mit der Militärführung über das weitere Vorgehen an. Verteidigungsminister Avigdor Lieberman hatte zuvor gesagt, die Hamas dränge Israel mit aller Macht zu einer „breiten und schmerzhaften Militäroffensive“.

Israel kündigte auch an, den einzigen Warenübergang in den Gazastreifen wieder öffnen zu wollen, sollte die fragile Waffenruhe Bestand haben. Man werde den Übergang Kerem Schalom am Dienstag wieder für den Warenhandel öffnen, sollte weiter Ruhe herrschen, teilte Verteidigungsminister Lieberman am Sonntag mit. Auch die Fischereizone solle wieder von sechs auf neun Seemeilen – knapp 17 Kilometer – ausgeweitet werden.

Israel hatte den Warenübergang am 9. Juli wegen andauernder Attacken mit brennenden Drachen aus dem Gazastreifen geschlossen. Palästinenser lenken seit Monaten regelmäßig Drachen mit brennenden Stofffetzen und nach Angaben der Armee auch mit Sprengsätzen nach Israel. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums zerstörten durch Branddrachen ausgelöste Feuer rund 30 Quadratkilometer Land im Süden Israels.

Seit Ende März wurden bei teilweise gewaltsamen Protesten nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Gaza 147 Palästinenser von israelischen Soldaten getötet und Tausende verletzt. Die Palästinenser fordern ein Ende der vor mehr als zehn Jahren verhängten Gaza-Blockade und ein Rückkehrrecht in das israelische Staatsgebiet. Sie beziehen sich auf Flucht und Vertreibung Hunderttausender im Zuge der israelischen Staatsgründung 1948. (dpa)