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Hamburg, Dresden eine Städtepartnerschaft

Es war die Perestroika, die Dresden mit Hamburg zu einer langjährigen Städtepartner-schaft zusammenführte.

Die Elbe als Band zwischen beiden Partnerstädten
Die Elbe als Band zwischen beiden Partnerstädten © Till Voigt

Mit dem Jahr 2019 geht der 70. Geburtstag der Bundesrepublik zu Ende. 70 Jahre liegt auch die deutsche Teilung zurück, was ursprünglich der eigentliche Grund für den Städte-Partnerschaftsvertrag zwischen Dresden und Hamburg. War, Zeit für einen kleinen Rückblick.

Heimliche Mittler und die Hamburger Hartnäckigkeit

Obwohl das Bemühen um eine Städtepartnerschaft früh begann, dauerte die Realisie-rung bis in die 1980er-Jahre. 1985 wies Dresdner Oberbürgermeister Schill die Hambur-ger Partnerschaftsbemühungen noch zurück. Als allererste innerdeutsche Partnerschaft ebnete der Partnerschaftsvertrag Saarlouis-Eisenhüttenstadt 1986 weiteren Ost-West-Partnerschaften den Weg. Ein Jahr später besiegelte Erich Honecker die Verpartnerung zwischen Hamburg und Dresden. Hamburgs Hartnäckigkeit und die Zuhilfenahme halb-amtlicher Kontakte ermöglichte den Zusammenschluss. Den damaligen Demokratiezent-ralismus der DDR-Verwaltung umging die Hansestadt, indem sie einen heimlichen Mittler nach Ostberlin schickte. Eben dort kam es 1987 zum entscheidenden Partnerschaftsge-spräch mit Honecker. Wenig später fanden erste offizielle Verhandlungen statt, die 1987 Einigung erreichten.

Zwei Städte mit vielen Gemeinsamkeiten

Nicht nur die Städtepartnerschaft verbindet Dresden mit der Hansestadt. Wenn Besu-cher aus Dresden zentrale Hotelzimmer in Hamburg buchen, können sie es bei einem Blick aus dem Fenster kaum verleugnen: Gemeinsamkeiten gibt es viele. Beide Städte liegen an der Elbe und standen schon im 19. Jahrhundert in Handelsaustausch. Beide ha-ben eine mehr als 1000-jährige Geschichte und wurden im Zweiten Weltkrieg stark zerstört. Heutzutage ziehen sie jährlich Tausende von Touristen an – Dresden mit Sehenswürdigkeiten wie der Semperoper, Hamburg mit Attraktionen wie der Speicherstadt. Die Städtepartnerschaft scheint bei diesen Gemeinsamkeiten fast vorbestimmt. Alles begann im Kontext der Wiedervereinigung – einer einzigartigen Umbruchsphase. In den Jahren nach der Wende trug die Partnerschaft zur Stärkung der innerdeutschen Zusam-mengehörigkeit bei.

Besucheransturm zur Wende

Ab 1989 sollten Austauschprogramme den Bewohnern beider Städte die Möglichkeit geben, freie Kontakte in der jeweils anderen herzustellen. Zu Hamburgs 800. Hafenge-burtstag erlaubte Honecker dem Dresdner Raddampfer als erstem DDR-Schiff, über den Grenzverlauf nach Hamburg einzufahren. Daraufhin stieg das Interesse an Austausch-programmen auf beiden Seiten. Die friedliche Revolution im Sommer 1989 veränderte die damals zweijährige Städtepartnerschaft zwischen Hamburg und Dresden. Nach der Öffnung der innerdeutschen Grenzen und dem Niedergang sämtlicher Reise- sowie Be-suchsbeschränkungen erreichte Hamburg ein Besucheransturm. Nicht nur auf politischer und wirtschaftlicher, sondern auch bürgergesellschaftlicher Ebene vertieften sich die partnerschaftlichen Beziehungen.

Kooperationen zur Förderung

Neben Verwaltungshilfe erhielt Dresden Seitens Hamburg intensive Finanz- und Sachmit-telhilfe, die der Dresdner Bevölkerung eine bessere Lebensqualität geben sollte. Unter-stützungs- und Förderprojekte wurden aus dem Hamburger Kooperationsfonds finan-ziert. Zeitgleich wuchs die Kooperation im Wirtschafts- und Wissenschaftsbereich: So beispielsweise in Form einer Zusammenarbeit zwischen Dresdner und Hamburger Unter-nehmen. Es waren Ereignisse wie diese, die den historischen Tiefstand der sächsischen Arbeitslosigkeit im vergangenen Jahr vorbereiteten.

Eine krisenfeste Freundschaft

Eine Krisenzeit für die Partnerstädte stellte 2002 das Elbhochwasser dar. Hamburger Ein-satzkräfte rückten damals zu Großeinsätzen nach Dresden aus und auch Finanzmittel zur Krisenbewältigung stellte die Hansestadt zur Verfügung. Mittlerweile ist der Partner-schaftsvertrag über 30 Jahre alt. Krisen wie das Elbhochwasser haben bewiesen, dass aus der Städtepartnerschaft zwischen Dresden und Hamburg längst eine krisenfeste Freundschaft entstanden ist.

Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit mit dem externen Redakteur L. Ahlborn.