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Hamburg entscheidet über Schulreform

Hamburg. Hamburgs Bürger haben am Sonntag in einem Volksentscheid über die umstrittene Schulreform abgestimmt. Die Wahlbeteiligung war zunächst eher gering. Zweieinhalb Stunden vor Schließung der rund 200 Wahllokale hatten nach Angaben des Landeswahlamtes rund 44000 Menschen ihre Stimme abgegeben.

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Hamburg. Hamburgs Bürger haben am Sonntag in einem Volksentscheid über die umstrittene Schulreform abgestimmt. Die Wahlbeteiligung war zunächst eher gering. Zweieinhalb Stunden vor Schließung der rund 200 Wahllokale hatten nach Angaben des Landeswahlamtes rund 44000 Menschen ihre Stimme abgegeben.

Abstimmungsleiter Willi Beiß war von einem Andrang von insgesamt etwa 90000 Hamburgern ausgegangen. Rund 426000 der insgesamt knapp 1,3 Millionen Wahlberechtigten hatten bereits per Briefwahl über die Einführung einer sechsjährigen Primarschule abgestimmt.

Bei dem ersten verbindlichen Volksentscheid in der Stadt wurde mit einem äußerst knappen Ergebnis gerechnet. Ein vorläufiges Endergebnis sollte gegen 23 Uhr vorliegen. Das Referendum war vom erwarteten Rücktritt des Hamburger Bürgermeisters Ole von Beust (CDU) überlagert. Der Sprecher der Reformgegner-Initiative „Wir wollen lernen“, Walter Scheuerl, sagte im Anschluss an seine Stimmabgabe, er gehe nicht davon aus, dass ein Rücktritt Auswirkungen auf den Volksentscheid selbst habe.

Die grüne Schulsenatorin Christa Goetsch (GAL) sprach bei ihrer Stimmabgabe in Hamburg-Altona von einem wichtigen Tag für Hamburg. Die Bürger entscheiden, ob es künftig statt vierjährigen Grundschulen nur noch sechsjährige Primarschulen geben soll. Während alle Fraktionen der Bürgerschaft der Auffassung sind, dass durch ein längeres gemeinsames Lernen mehr Gerechtigkeit in das Schulsystem einzieht, meinen die Reformgegner, dass Primarschulen kontraproduktiv sind: Sie gefährdeten die Gymnasien, behinderten leistungsstarke Schüler und benachteiligten schwächere Schüler.

Um bei dem Volksentscheid erfolgreich zu sein, mussten die Reformgegner mindestens 247335 Hamburger auf ihre Seite ziehen. Das sind 20 Prozent aller Wahlberechtigten. Außerdem durften die Befürworter sechsjähriger Primarschulen nicht mehr Stimmen haben als die Gegner.

Die Primarschulen sind nur ein kleiner, wenn auch wichtiger Teil der Hamburger Schulreform. Insgesamt geht der bildungspolitische Strukturwandel in der Hansestadt deutlich weiter. So soll es vom kommenden Schuljahr an nur noch drei allgemeine Schulformen geben: sechsjährige Primarschulen, Stadtteilschulen und Gymnasien. In den Primarschulen erhalten die Kinder ihr Rüstzeug auch von Lehrern aus weiterführenden Schulen.

Im Anschluss an die Primarschule entscheiden die Eltern, ob ihr Kind auf eine Stadtteilschule oder auf ein sechsstufiges Gymnasium wechselt. Beide bieten alle Abschlüsse bis zum Abitur an, wobei die Hochschulreife an den Gymnasien nach insgesamt 12 Schuljahren, an den Stadtteilschulen nach 13 Jahren erreicht wird. Die Klassengrößen werden begrenzt, Sitzenbleiben ist weitgehend abgeschafft, und es werden mehr Lehrer eingestellt. Die Kosten der Reform summieren sich nach Angaben der Schulbehörde bis einschließlich 2016 auf rund 427 Millionen Euro. (dpa)