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Handarbeit im Knast

In ganz Sachsen fertigen Häftlinge Produkte für den „Gitterladen“. Die Fäden laufen in der JVA Zeithain zusammen.

© Sebastian Schultz

Von Antje Steglich

Zeithain. Knast-Artikel sind gefragt: Vor allem Holzkohlegrills und Feuerkörbe hat der Vollzugsbedienstete Heiko Friedrich in den vergangenen Wochen deutschlandweit verschickt. Sie gehören im Sommer zu den Verkaufsschlagern des Gitterladens – einem Online-Shop, über den seit 2005 in sächsischen Gefängnissen hergestellte Produkte vertrieben werden. Etwa 200 Artikel sind derzeit im Angebot, sagt Heiko Friedrich. Handtücher, Kinderspielzeug, Holzbänke oder auch Küchenutensilien gehören dazu. Die Palette könne je nach Saison variieren. Bestellung und Versand laufen allein über Heiko Friedrich in der JVA Zeithain, „weil es dabei ja auch um sensible Kundendaten geht“. Hergestellt werden aber alle Produkte von den Gefangenen selbst. In Zeithain zum Beispiel vom Kunstarbeitsbetrieb.

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Schöne Dinge aus dem Knast

Behälter fürs Bier Der sogenannte Bierträger aus Holz fasst sieben 0,5-Liter-Flaschen und wird gern als Geschenk gekauft. Er kostet acht Euro und wird in der JVA Zeithain im Kunstarbeitsbetrieb hergestellt. Dort überlegt man nun übrigens, ob es künftig nicht auch einen Weinträger geben könnte.
Behälter fürs Bier Der sogenannte Bierträger aus Holz fasst sieben 0,5-Liter-Flaschen und wird gern als Geschenk gekauft. Er kostet acht Euro und wird in der JVA Zeithain im Kunstarbeitsbetrieb hergestellt. Dort überlegt man nun übrigens, ob es künftig nicht auch einen Weinträger geben könnte.
b>Grill für den Garten Die Holzkohle-Grills aus Edelstahl, die in der JVA Waldheim hergestellt werden, gibt es in verschiedenen Größen und zählen zu den Bestsellern des Gitterladens. Sie kosten zwischen 128,50 und 200,50 Euro. Beliebt sind zudem die Feuerkörbe, die in der JVA Torgau gefertigt werden.
b>Grill für den Garten Die Holzkohle-Grills aus Edelstahl, die in der JVA Waldheim hergestellt werden, gibt es in verschiedenen Größen und zählen zu den Bestsellern des Gitterladens. Sie kosten zwischen 128,50 und 200,50 Euro. Beliebt sind zudem die Feuerkörbe, die in der JVA Torgau gefertigt werden.
Handwerkskunst fürs Fest Der räuchernde Gefangene wird in Handarbeit in der JVA Zwickau aus Holz gefertigt. Die Bettwäsche wird aus Original-Bezügen ebenfalls per Hand genäht. Der Preis für die Volkskunst: 28,95 Euro. Räuchermännel gibt es übrigens auch in Gestalt von Polizisten oder Justizvollzugsbeamten.
Handwerkskunst fürs Fest Der räuchernde Gefangene wird in Handarbeit in der JVA Zwickau aus Holz gefertigt. Die Bettwäsche wird aus Original-Bezügen ebenfalls per Hand genäht. Der Preis für die Volkskunst: 28,95 Euro. Räuchermännel gibt es übrigens auch in Gestalt von Polizisten oder Justizvollzugsbeamten.
Buch für Kinder Das Buch „Wir treffen uns im Traum – Eine Geschichte über Papa im Gefängnis“ führte in den vergangenen Jahren die Bestseller-Liste an. Das Buch kostet 3,40 Euro und soll Angehörige von inhaftierten Vätern unterstützen, es entstand in der JVA Leipzig, wird in der JVA Waldheim gedruckt.
Buch für Kinder Das Buch „Wir treffen uns im Traum – Eine Geschichte über Papa im Gefängnis“ führte in den vergangenen Jahren die Bestseller-Liste an. Das Buch kostet 3,40 Euro und soll Angehörige von inhaftierten Vätern unterstützen, es entstand in der JVA Leipzig, wird in der JVA Waldheim gedruckt.

Acht Häftlinge sind dort zurzeit beschäftigt, sagt Leiter Jens Schäfer. Das seien vor allem Männer, die bereits eine handwerkliche Vorbildung haben. „Wir machen hier Auftragsarbeiten, und die Kunden sollen gute Qualität bekommen.“ Da bleibe keine Zeit für eine Ausbildung. Denn es ist viel zu tun, durch Mund-zu-Mund-Propaganda habe man guten Zulauf. Privatleute, Ämter und Behörden geben vor allem Dinge aus Holz zum Aufarbeiten in die JVA Zeithain. Aktuell arbeiten die Gefangenen zum Beispiel an alten Scheunentoren, die ausgebessert werden und einen neuen, blauen Farbanstrich erhalten sollen. Die Sachen für den Gitterladen, wie den hölzernen Bierträger oder Schlüsselkästen, fertigen die Männer eher zwischendurch, wenn es die Auftragslage mal zulässt, erklärt Jens Schäfer.

Grundsätzlich haben die Häftlinge der JVA bei ihm einen geregelten Arbeitstag, der sieben Uhr beginnt und 15 Uhr endet. Für die Mittagspause geht es zurück in die Zelle, und freitags geht es immer nur bis zwölf. Die Jobs bei Jens Schäfer sind bei den Häftlingen gefragt, es gibt sogar Wartelisten. „Es ist eine sinnvolle Beschäftigung, die Anerkennung bringt und die Gefangenen stolz macht“, erklärt JVA-Sprecher Benno Kretzschmar das große Interesse der Häftlinge am Kunstarbeitsbetrieb. Außerdem können sich die Männer nicht nur etwas dazuverdienen, sondern bekommen auch einen geregelten Arbeitsablauf – wie „draußen“ in Freiheit. Die JVA ist deshalb durchaus daran interessiert, viele solcher Jobs anzubieten.

Verschenken würde man die Dienstleistungen und Produkte aber nicht, so Benno Kretzschmar. Die Preise im Gitterladen zum Beispiel seien ganz normal mit den Kosten für Arbeitszeit und Material kalkuliert, die Einnahmen fließen dann an die jeweiligen JVAs zurück. Die stecken mittlerweile schon mitten im Weihnachtsgeschäft. Heiko Friedrich: „Wir haben jetzt auch wieder viele Schwibbögen aus Torgau im Angebot.“