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Der Neue bekommt keine Schonfrist

Alfred Gislason geht seine Aufgabe als Handball-Bundestrainer hochmotiviert an. Der Verband steht aufgrund des Rauswurfs von Christian Prokop in der Kritik.

Jetzt hat Alfred Gislason seine Hand am Ball.
Jetzt hat Alfred Gislason seine Hand am Ball. © dpa/Julian Stratenschulte

Hannover. Einen Tag nach der Kehrtwende gerieten die Bosse des Deutschen Handballbundes (DHB) ins Schwitzen. In Mannschaftsstärke stellten sie sich den bohrenden Fragen zum Trainerbeben und mussten wortreich die plötzliche Entlassung Christian Prokops verteidigen. Der prominente Neue ging dabei fast unter. Doch Alfred Gislason gab sich alle Mühe, seine Entschlossenheit zu demonstrieren.

"Nach vier Monaten hatte ich von meiner Auszeit die Schnauze voll. Meine Pause war nötig, aber irgendwann auch lang genug", sagte der Isländer, sprach von seinem "Traumjob", und seine Augen blitzten kämpferisch.

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Der glücklose Prokop ist dagegen Geschichte beim DHB - keine zwei Wochen nach der EM und trotz aller Treueschwüre aus der Verbandsspitze. Dass diese Schaukelpolitik der Chefs hinterfragt wird, konnte sogar Vizepräsident Bob Hanning verstehen: "Wir haben das definitiv nicht so gelöst, wie es einem solchen Verband gerecht werden sollte."

Ab 9. März muss es nun also Gislason richten. Dann lernt der 60-Jährige seine neue Mannschaft bei einem Lehrgang in Aschersleben kennen. Am 13. März steht bereits in Magdeburg ein Länderspiel gegen die Niederlande auf dem Programm.

Ein Ex-Weltmeister fordert persönliche Konsequenzen

Noch zu Wochenbeginn hatte Gislason Pläne, ein anderes Nationalteam zu übernehmen. Dann rief der DHB an. Mit den Worten "Wir müssen reden", meldete sich Ligachef Uwe Schwenker bei seinem langjährigen Weggefährten aus gemeinsamen Tagen beim deutschen Rekordmeister THW Kiel. Und mit dem Gefühl, jetzt schnell handeln zu müssen, gab das DHB-Präsidium Prokop am Donnerstag den Laufpass.

"Christian darüber zu informieren, war eines meiner beschissensten Telefonate der vergangenen Jahre. Aber es war notwendig", erklärte Hanning. Der umtriebige Funktionär hatte sich noch nach der EM hinter den Leipziger gestellt, obwohl die DHB-Auswahl das als Ziel ausgegebene Halbfinale verpasst hatte.

Hanning rückte ins Zentrum der Kritik. Der ehemalige Weltmeister Christian Schwarzer sieht ihn gescheitert und forderte den Rücktritt des 51-Jährigen. Hanning habe an persönliche Konsequenzen anders als 2018 nicht gedacht, sagte er am Freitag. Doch er kandidiere nach dem Ende der aktuellen Wahlperiode 2021 nicht wieder: "Auch meine Zeit ist endlich. Ich freue mich, wenn es andere danach besser machen."

Isländer muss gleich liefern - es geht ums Olympia-Ticket

Ungeachtet seiner unbestrittenen Erfolge muss der Gislason Vorbehalte aus den Reihen seiner neuen Schützlinge ausräumen. Mannschaftskapitän Uwe Gensheimer formulierte deutliche Worte: "Ich hatte niemals mit dieser Entscheidung gerechnet und habe es aufgrund der Ergebnisse auch nicht für nötig gehalten. Wir hatten ein sehr gutes Verhältnis zu Christian und haben seine Arbeit sehr geschätzt."

Eine solche Wertschätzung genoss Prokop verbandsintern offenbar nicht mehr. "Es ging auch um einen Philosophie-Wechsel. Alfred ist eine erfahrene, souveräne und charismatische Persönlichkeit", sagte Schwenker. So wurde Prokop wohl nie gesehen.

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Doch Gislasons olympische Mission "Tokio 2020" könnte schon im April enden, wenn sein neues Team vom 17. bis zum 19. April in Berlin die letzte Qualifikationschance verpassen sollte. In der Max-Schmeling-Halle kämpfen die Gastgeber gegen Schweden, Slowenien und Algerien um eines von noch zwei zu vergebenden Tickets - mit dem Heimvorteil im Rücken eine sportlich machbare Aufgabe, aber kein Selbstläufer. (sid)