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Sport

Handballer erreichen Hauptrunde

Für die deutschen Männer geht die EM nach dem Zittersieg gegen Lettland zwar weiter, aber Hoffnungen auf das Halbfinale wecken sie nicht.

Julius Kühn (links) setzt sich gegen Lettlands 2,15-Meter-Mann Dainis Kristopans durch und ist mit acht Toren der Mann des Tages.
Julius Kühn (links) setzt sich gegen Lettlands 2,15-Meter-Mann Dainis Kristopans durch und ist mit acht Toren der Mann des Tages. © dpa/Robert Michael

Trondheim. Christian Prokop konnte sich nach dem glanzlosen Einzug der deutschen Handballer in die Hauptrunde nicht mal ein zartes Lächeln abringen. Mit versteinerter Miene verfolgte der Bundestrainer nach dem knappen 28:27 im Gruppenfinale gegen den Außenseiter und Debütanten Lettland, mit dem der WM-Vierte das drohende Vorrunden-Aus bei der EM mühevoll abwendete, den verhaltenen Jubel seiner Schützlinge.

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"Hauptsache, wir haben gewonnen. Wichtig ist nur, dass wir weiter sind. Das war der Auftrag", sagte Prokop über die am Ende dürftige Vorstellung seiner Mannschaft. In der wusste bloß der gut aufgelegte Julius Kühn am Montagabend vor 3.540 Zuschauern in Trondheim mit acht Toren zu überzeugen. Große Freude kam aber auch bei ihm nicht auf. "Wir müssen ehrlich zu uns sein und die Fehler aufarbeiten", sagte er.

Nach dem 26:33 gegen Titelverteidiger Spanien geht das Team dennoch mit 0:2 Punkten in die Hauptrunde, wo es zum Auftakt am Donnerstag in Wien zum Duell mit Weißrussland kommt. "Das wollen wir erfolgreich bestreiten", sagte der Bundestrainer.

Zwei Tage später steht gegen Kroatien das nächste Schlüsselspiel im Kampf um den Einzug ins Halbfinale an. Die anderen beiden Hauptrundengegner stehen erst am Dienstag fest. "Wir müssen uns in vielen Bereichen steigern und selbstsicherer werden", sagte Tobias Reichmann.

Das gilt in erster Linie für die Torhüter, die auch gegen Lettland kein Faktor waren. Erstmals im Turnierverlauf begann Deutschland zwischen den Pfosten mit dem 37-jährigen Johannes Bitter, der schon 2007 beim WM-Triumph dabei war. Er parierte in der ersten Halbzeit zwar einen wichtigen Siebenmeter, fand aber erneut nicht zur erhofften Bestform. "Ich habe es nicht geschafft, die Situation wegzuschieben", sagte Bitter.

Auch Andreas Wolff war in der engen Schlussphase nicht der erhoffte Rückhalt. "In der zweiten Halbzeit haben wir nicht viel Hilfe von den Torleuten bekommen", sagte Prokop. Dabei schien die Partie nach einigen Anlaufproblemen beim 24:17 in der 43. Minute bereits entschieden zu sein.

Doch die Letten, die zuvor jeweils deutlich gegen Spanien und die Niederlande verloren hatten, brachten das deutsche Team noch mal ins Schwitzen. Wie in den Spielen zuvor leistete sich der WM-Vierte etliche leichte Fehler im Angriff. Außerdem stand die Abwehr nicht mehr stabil, was den Vorsprung zehn Minuten vor Schluss beim 25:22 auf drei Tore schmelzen ließ.

Prokop reagierte mit einer Auszeit und schwor seine Schützlinge mit ruhiger Stimme noch mal für den Schlussspurt ein. Doch sechs Minuten vor Ultimo wurde es in doppelter Unterzahl richtig brenzlig. Der Außenseiter nutzte seine numerische Überlegenheit und verkürzte auf zwei Tore.

40 Sekunden vor Schluss drohte die aus dem Tritt geratene deutsche Auswahl das Spiel beim 28:27 sogar aus der Hand zu geben, brachte den knappen Vorsprung aber mit Mühe ins Ziel. "Mir ist ein großer Stein vom Herzen gefallen, weil es noch mal richtig eng wurde", sagte Prokop. "Ich bin trotzdem sehr zufrieden, dass wir dieses psychologisch schwierige Spiel gewonnen haben. Ich hoffe, dass wir uns jetzt peu à peu steigern."

Die deutschen Handballer treffen zum Auftakt der Hauptrunde am Donnerstag auf Weißrussland. Am Samstag geht es gegen Kroatien, die beiden weiteren Gruppengegner am Montag und am Mittwoch ermitteln in der Gruppe B am Dienstag Österreich, Tschechien und Nordmazedonien.

Allerdings startet Deutschland mit null Punkten in die zweite Turnierphase. Da Titelverteidiger Spanien sein abschließendes Vorrundenspiel gegen die Niederlande mit 36:25 (17:13) gewann, kommen die Iberer als Gruppenerster weiter. Alle Mannschaften nehmen nur die Punkte aus dem direkten Vergleich mit in die Hauptrunde, Deutschland hatte gegen Spanien mit 26:33 verloren. (dpa/sid)