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Wirtschaft

Handel bittet Verbraucher um Disziplin

Die Virus-Krise hat viele Einzelhändler hart getroffen. Nun fürchtet der Handel ein erneutes Aufflammen der Pandemie - und weist auf die Corona-Regeln hin.

Zahlreiche Menschen mit Masken sind auf der Schildergasse in Köln unterwegs.
Zahlreiche Menschen mit Masken sind auf der Schildergasse in Köln unterwegs. © Marius Becker/dpa

Berlin/Wiesbaden. Angesichts wieder steigender Infektionen hat der deutsche Einzelhandel Verbraucher aufgefordert, die Corona-Regeln wieder disziplinierter einzuhalten. Bei einem zweiten Lockdown seien viele Handelsunternehmen nicht mehr zu retten, warnte der Präsident des Handelsverbandes Deutschland (HDE), Josef Sanktjohanser. Unterdessen legten die Umsätze im Einzelhandel im Juni zu.

"Es erfüllt mich mit großer Unruhe, dass es viele offenbar nicht mehr so genau mit der Einhaltung der Regeln nehmen und die Zahl der Infizierten wieder steigt", sagte Sanktjohanser am Freitag. Er appellierte an das Verantwortungsgefühl der Menschen: "Lassen Sie uns das Erreichte nicht kaputt machen."

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Die Corona-Krise werde den Handelsunternehmen abseits des Lebensmittelhandels voraussichtlich Umsatzeinbußen von 40 Milliarden Euro bescheren, fürchtet der HDE. Dies könne 50 000 Handelsstandorte in Deutschland die Existenz kosten, sagte Sanktjohanser. "Für viele Händler gäbe es bei erneuten Einschränkungen oder gar einer zweiten Phase des Lockdowns keine Chance mehr, der Insolvenz zu entgehen."

Im Juni haben die Umsätze im Einzelhandel das Vorkrisenniveau wieder übertroffen. Gemessen am Februar, dem Monat vor Ausbruch der Pandemie in Deutschland, lagen die Erlöse kalender- und saisonbereinigt 1,4 Prozent höher, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Im Vergleich zum Vorjahresmonat wuchsen die Umsätze preisbereinigt um 5,9 Prozent.

Allerdings entwickelte sich die Branche sehr unterschiedlich. Während der Umsatz im Online- und Versandhandel in der Corona-Krise einen Schub bekam und im Jahresvergleich um fast ein Drittel (30,7 Prozent) hochschoss, litten die Geschäfte mit Textilien, Bekleidung, Schuhen und Lederwaren (minus 16 Prozent Umsatz). Auch der Einzelhandel mit Waren verschiedener Art, worunter Waren- und Kaufhäuser fallen, hatte mit Einbußen von gut 11 Prozent zu kämpfen.

Da in der Corona-Krise zeitweise viele Geschäfte schließen mussten und Verbraucher Infektionen fürchteten, bestellten noch mehr Menschen Waren im Netz. Das Wachstum im Online- und Versandhandel sei selbst für diese sehr dynamische Branche ungewöhnlich und "zu einem erheblichen Teil auf einen Sondereinfluss der Pandemie zurückzuführen", erklärten die Wiesbaden Statistiker am Freitag.

Kräftig wuchsen im Juni auch die Erlöse mit Einrichtung, Haushaltsgeräten und Baubedarf (plus 14,6 Prozent) sowie mit Lebensmitteln, Getränken und Tabakwaren (plus 2,3 Prozent).

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Der Einzelhandel sieht sich aber nicht über den Berg: "Die Lage verbessert sich, bleibt aber für viele Händler kritisch", erklärte der HDE. Die Kundenfrequenzen stiegen langsam wieder. Viele Bekleidungshändler durchlebten aber weiter schwere Zeiten, sagte Präsident Sanktjohanser. (dpa) 

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