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Handel-Wandel auf der Berliner Straße in Görlitz

Die Renovierung bei Ernstings Family hat sich ausgezahlt. Andere Geschäfte hingegen schließen – oder vielleicht.

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© Pawel Sosnowski/80studio.net

Von Matthias Klaus

Nein, keine Zeit für lange Plaudereien mit den Zeitungsleuten. „Der Kunde geht vor“, sagt Katy Konietzny und enteilt mitten im Gespräch Richtung Kasse. Dort hat sich inzwischen schon eine kleine Warteschlange gebildet. Es ist Mittwoch kurz nach Mittag und der Laden läuft bei Ernstings Family an der Berliner Straße. „Dabei ist es für diese Zeit noch relativ ruhig“, sagt Mitarbeiterin Frau Konietzny. Sie hat nach dem Abkassieren doch noch mal ein paar Minuten Luft. Das Geschäft war umgebaut worden, drei Wochen geschlossen. Es wurde renoviert, unter anderem Fußboden, Decke erneuert. „Das Lager ist ein wenig kleiner geworden, dafür die Verkaufsfläche größer“, schildert Ernstings-Family-Mitarbeiterin Laura Pietsch. Und, ergänzt Katy Konietzny, es wurde eine neue Klimaanlage eingebaut. 240 Quadratmeter groß ist der Laden an der Berliner Straße.

Das Sortiment in Görlitz hat sich nach dem Umbau, der Renovierung nicht verändert. Derzeit sind vier Kolleginnen hier beschäftigt, ein weiterer Mitarbeiter wird gerade auf Minijob-Basis gesucht, verkündet ein Plakat im Schaufenster. Ernsting’s Family betreibt rund 1 800 Filialen. Im Geschäftsjahr 2016/17 erwirtschafteten sie einen Umsatz von 1,1 Milliarden Euro.

Ein Plakat oder besser ein Aufsteller steht auch einige Meter weiter aufwärts an der Berliner Straße vor dem Schuhhof. Allerdings verheißt dessen Inhalt weniger Gutes. Denn der Schuhhof in Görlitz schließt. Warum, dazu äußerte sich die Zentrale in Augsburg auf eine SZ-Nachfrage bisher nicht. Das Geschäft in Görlitz macht voraussichtlich Ende Oktober dicht. Schuhhof war zunächst bei Marktkauf angesiedelt, zog dann auf die Berliner. „In diesem Jahr haben wir fünfjähriges Jubiläum“, sagt Mitarbeiterin Ilona Hentschel. Zwei fest Angestellte, zwei Minjobber und eine Praktikantin sind derzeit noch bei Schuhhof beschäftigt.

Immerhin, für die beiden Angestellten soll es weitergehen. „Ich wechsele in die Filiale nach Zittau“, sagt Ilona Hentschel. Ihre Kollegin werde nach Dresden gehen. Noch etwas weiter aufwärts der Berliner Straße, gegenüber dem Cafe Central, befindet sich das Geschäft Maried & Manson. Erst Mitte Juni vergangenen Jahres hat es Betreiber Thomas Frister eröffnet. Auch hier ein großer Werbeaufsteller vor der Tür, der satte Rabatte verkündet. Ein Hinweis auf ein baldiges Ende des Ladens in Görlitz? „Nicht unbedingt“, sagt Thomas Frister. Er überlege noch. Exklusive Damenmode gibt es im Geschäft des Bautzeners zu erstehen, zu niedrigen Preisen, Markenklamotten wohlgemerkt. Thomas Frister betreibt zwei Geschäfte, neben dem Görlitzer eins in Bautzen. „Dort läuft es sehr gut“, schildert er. Görlitz mache ihm derweil Sorgen. Eigentlich wollte er den Laden schließen. „Im Moment haben wir aber doch ganz gut Kundschaft“, sagt er.

Das war auch bis Ende vergangenen Jahres so. Anfang dieses Jahres sei es plötzlich zu einem Knick gekommen. „Warum? Ich weiß es einfach nicht“, sagt Thomas Frister. Vielleicht, so sinniert er, ist es die Außenwirkung des Geschäftes. Sie sieht edel aus, teuer. Das könnte manche Kundin von einem Besuch abschrecken, vermutet Thomas Frister. Dabei setzt er ja gerade auf kleine Preise bei Designerbekleidung. In Bautzen will er nun ein neues Außenkonzept umsetzen. Für Görlitz soll die Entscheidung nächste Woche fallen, ob das Geschäft geschlossen wird oder nicht.