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Handtaschen kaufen und Kindern Essen finanzieren

In Liberec können Frauen am 10. November für einen guten Zweck shoppen gehen.

Von Petra Laurinova

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Die Liberecerinnen freuen sich schon auf den 10. November. An diesem Tag findet im Handelszentrum Forum im böhmischen Liberec (Reichenberg) von 9 bis 14 Uhr die traditionelle Taschenbörse statt. Man kann dort zum Schnäppchenpreis besondere Stücke ergattern. Mit dem Gewinn aus der Aktion wird für Kinder aus armen Familien das Mittagessen in der Schule finanziert. „Im vergangenen Jahr nahmen wir auf diese Weise circa 50 000 Kronen (rund 2 000 Euro) ein. „Praktisch bedeutet das 2 000 Portionen Mittagessen für Schulkinder“, sagt Hauptorganisatorin Jana Švecová, eine Journalistin, die vor fünf Jahren auf den Gedanken kam und von Mal zu Mal neue Impulse für das Projekt findet.

„Dieses Mal planen wir eine Modenschau, an der sich die Schauspielerin Jana Hejret Vojtková aus dem F.-X.-Šalda-Theater und ihre Amateur-Schauspielgruppe aus Chrastava (Kratzau) aktiv beteiligen“, kündigt sie an. Die Handtaschen werden, so sagt sie, seit Monaten an mehreren Orten intensiv gesammelt. Einbezogen sind Ärztinnen und Krankenschwestern des Bezirkskrankenhauses in Liberec, Mitarbeiterinnen der Wissenschaftlichen Kreisbibliothek oder der Technischen Universität. Alle sammeln, alle kaufen, alle helfen. Die Vorbereitung übernahm das Team der Liberecer Redaktion der Zeitung „Deník“. „Viele unserer Freundinnen helfen uns freiwillig und ehrenamtlich“, sagte Švecová.

Man wolle mit der Taschenbörse darauf aufmerksam machen, dass es immer mehr Familien gibt, die für ihre Kinder nicht einmal das Nötigste bezahlen können. Und dies, obwohl die tschechische Wirtschaftslage gut aussieht und die Arbeitslosigkeit auf dem niedrigsten Niveau seit Jahren liegt. „Offiziell geht es im ganzen Land um rund 100 000 Kinder, die durch Armut bedroht sind. Bei den Schulkindern könnte es sich um bis zu zehn Prozent handeln“, meint Jana Skopová, Managerin des Projekts. In der Region Liberec half die Aktion bislang genau 383 Kindern an 49 Schulen.

Die Taschenpreise sind symbolisch. Sie liegen zwischen 25 und 100 Kronen (ein bis vier Euro). „Jeder Euro bedeutet ein Mittagessen. Die erste Verkaufsstunde ist ein Gewimmel. Dann folgen die Modenschau und eine Versteigerung“, erklärt Švecová. Bei der Börse sind vor allem die Stücke von bekannten Persönlichkeiten gefragt, zum Beispiel die von tschechischen Schauspielerinnen wie Chantal Poullain oder Tatiana Vilhelmová. Schnell weg sind auch Herren- und Reisetaschen oder historische Perlenmodelle.

Wer mag, kann unbeschädigte Handtaschen bis zum 8. November in der Garderobe des Handelszentrums Forum abgeben. „Wir unterstützen sehr gern die Initiative“, sagt der Direktor des Warenhauses, Miroslav Habel. Weitere Sammelstellen befinden sich in den Redaktionen des Tageblattes in Liberec, Jablonec nad Nisou (Gablonz) und Ceská Lípa (Böhmisch Leipa) sowie in Nová Ves (Neudorf) und in der Bibliothek in Vratislavice nad Nisou (Maffersdorf). Dort profitiert die Grundschule vom Essensfonds. Das Geld gehe immer direkt an die Schulen, sagt Eliška Šídová vom Gablonzer Café „La Kavárna“. Sie ist ebenfalls eine Mitorganisatorin des Taschenverkaufs. Und sie fürchtet, dass beim Thema „arme Kinder“ die Dunkelziffer viel größer ist, als es die offiziellen Zahlen aussagen. Zum Taschenspenden und zum Börsentag sind Kunden aus den Nachbarländern willkommen.

www.forumliberec.cz