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Handwerk hat wieder goldenen Boden

Die Handwerkskammer überreicht mehr als 200 Jungmeistern ihren Meisterbrief. Trotzdem reicht der Nachwuchs nicht.

© Dietmar Thomas

Von Verena Toth

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Ulrich Tukur, Chefdirigent Juri Gilbo und die Russische Kammerphilharmonie St. Petersburg mit ihrem unvergesslichen Beethoven-Programm.

Döbeln. Sie sind die Meister ihres Faches und bekommen das nun auch schriftlich. Am Sonnabend erhalten 212 Jungmeisterinnen und Jungmeister aus dem Handwerksbezirk Chemnitz in der Stadthalle Chemnitz ihren Meisterbrief. Als Gast der Meisterfeier wird Skiflug-Weltmeister und Olympiasieger Sven Hannawald sprechen. „Die jungen Meister treten in die Generationenfolge des Handwerks ein. Mit ihrem Meisterbrief sichern sie nicht nur die Qualität handwerklicher Arbeit, sondern garantieren auch, dass beim größten Arbeitgeber der Region, dem Handwerk, auch in Zukunft auf hohem Niveau ausgebildet wird“, sagt Frank Wagner, Präsident der Handwerkskammer Chemnitz. “

Genau das macht der Döbelner Andreas Wehnert bereits, der zudem als bester Jungmeister seines Gewerks eine besondere Auszeichnung erhält. Gegründet hat der Kälteanlagenbauer sein Unternehmen bereits 2015. „Mit einer Sondergenehmigung war es möglich, mich selbstständig zu machen und gleichzeitig den Meisterlehrgang zu absolvieren“, berichtet der 41-Jährige. Das was dann folgte, forderte dem Handwerker jede Menge Energie, Zeit und Fleiß ab. „Zwei Jahre lang habe ich von Montag bis Donnerstag gearbeitet und die Firma aufgebaut. Freitags und sonnabends saß ich den ganzen Tag auf der Schulbank“, berichtet er. Vier Thementeile musste der Handwerker absolvieren und beweisen, dass er sich in Fachtheorie und Fachpraxis genauso gut auskennt wie in der Betriebswirtschaft. „Der Höhepunkt einer Meisterprüfung ist dann aber natürlich immer das Meisterstück. Ich habe dafür einen Döbelner Blumenladen mit einer anspruchsvollen Kühlanlage ausgestattet.“

Zwar fällt das Handwerk mittlerweile wieder sprichwörtlich auf goldenen Boden, die Baubranche boomt. Doch zu kämpfen haben die Meister und Unternehmensgründer nun im Bereich der Nachwuchsgewinnung und der Verstärkung durch Fachkräfte. „Deshalb ist es für mich besonders wichtig, das Fachpersonal für meine Firma von Grund auf selbst anzulernen und aufzubauen“, macht der Döbelner deutlich. Sein bislang einziger Mitarbeiter ist deshalb auch ein Auszubildender. Ihm will der frisch gebackene Jungmeister nicht nur die fachlichen Kompetenzen, sondern auch das Bewusstsein für Qualitätsarbeit im Handwerk weitergeben. „Ich habe meinen Beruf Anfang der 2000er-Jahre gelernt. Ich wollte mich fortbilden und fachlich weiterkommen, auch deshalb habe ich mich noch einmal auf die Schulbank gesetzt“, begründet er die Entscheidung. Dass es letztlich sogar zu Bestnoten gereicht hat, freue ihn ganz besonders.

Auch für Anja Naumann aus Striegistal ist der Schritt zur Meisterin ein besonders wichtiger. „Ich habe 1990 den Beruf der Friseurin gelernt und war danach immer angestellt. Nun wollte ich mich selbstständig machen“, berichtet die 44-Jährige. Im vergangenen Jahr konnte sie nun ihren eigenen Friseursalon eröffnen. Der Meisterbrief war eine Voraussetzung dafür.

Der Harthaer Maurer und Betonbauer Jens Kluge hat bereits mehrere Schritte unternommen, um sich beruflich weiterzuentwickeln. Nach einem begonnenen Studium wechselte er auf den Bau, wo er seine Lehre absolvierte. „Ich wollte aber weiterkommen und habe deshalb nebenberuflich meinen technischen Betriebswirt gemacht und gleichzeitig den Meisterlehrgang in Vollzeit absolviert“, erzählt er. Alles in Eigeninitiative, denn einen Meisterbrief bräuchte der angestellte Mitarbeiter eigentlich nicht.

Für Steve Engelmann aus Roßwein hat sich mit dem Meisterbrief und der Gründung seiner eignen Firma ein Traum erfüllt. „Ich wollte selbst etwas schaffen und auch die Freiheit eines eigenständigen Unternehmers haben“, sagt der 27-jährige Metallbaumeister. Mit seiner Freiberger Firma, die Aufzüge montiert und wartet, gibt er nicht nur sich selbst einen Job. Vier Mitarbeiter hat der Jungunternehmer angestellt. Dass er dafür den Meisterbrief machen musste, findet er vollkommen richtig. „Als besonders wichtig empfinde ich, dass man dabei lernt, wie eine Firma richtig zu führen ist, wie mit Steuern und Finanzen umzugehen ist. Wer das als Firmengründer nicht gelernt hat, riskiert von vornherein den Misserfolg“, so Engelmann.

Mit der Meisterfeier ehrt die Handwerkskammer Chemnitz einmal jährlich ihre Jungmeister. Trotzdem hat besonders diese Branche mit Nachwuchsproblemem zu kämpfen, immer weniger Handwerker absolvieren den Meisterbrief. In diesem Jahrgang haben 212 Absolventen aus Deutschland sowie der Schweiz in 23 Gewerken ihre Meisterprüfung abgelegt. Ein Jahr zuvor waren es 257. Die zahlenmäßig größten Handwerke des diesjährigen Abschlussjahrgangs sind die Kraftfahrzeugtechniker (44 Jungmeister), Friseure (24) sowie der Maler und Lackierer (18). In diesem Jahr erhalten 35 Frauen den Meisterbrief. Der jüngste Meisterabsolvent ist 20 Jahre, der älteste 56 Jahre alt.