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„Handwerker“ täuschen Seniorin

Zwei Männer geben raffiniert vor, dass das Hausdach einer 83-jährigen Großenhainerin ein Loch hat. Am Ende verschwinden sie mit 770 Euro Bargeld.

Von Kathrin Krüger-Mlaouhia

Großenhain. Die „Handwerker“ kommen zu ungewöhnlicher Stunde. Es ist Freitagabend und schon dunkel, als es bei einer 83-jährigen Großenhainerin klingelt. Als die Eigentümerin des Mehrfamilienhauses aus dem Fenster schaut, läutet es bereits an der Wohnungstür. „Meine Untermieterin hatte den jungen Mann hereingelassen.“ Dieser ist laut der Rentnerin erst 17 oder 18 Jahre alt und stellt sich als Dachdecker vor. Er habe auf dem Nachbardach gearbeitet und gesehen, dass es auch bei ihr einen Schaden gibt – vermutlich durch den letzten Sturm.

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Er bietet an, das Loch im Dach zu reparieren, und ruft seinen „Meister“, einen kräftigen, etwa 45-jährigen Mann. Der ist schnell zur Stelle. In der Küche täuschen die beiden der besorgten Hausbesitzerin einen Wasserschaden vor. „Es lief wirklich die Wand hinunter, dass ich Lappen holen musste, um das Linoleum zu schützen“, erzählt die Seniorin. Der Schaden könnte mit einem Schwamm oder einer Düse unter dem Arm vorgetäuscht worden sein.

Um der alten Frau einen noch größeren Schrecken einzujagen, wiederholen die Männer den Wassertrick auch noch an anderen Stellen in der Wohnung. Die alleinstehende Großenhainerin ist so geschockt über den Schaden und besorgt um ihr Haus, dass sie keine Zweifel hegt. „Ich bin nicht stutzig geworden, dass das Wasser ja gar nicht aus der Wand kommen kann, sonst hätte ich das schon bemerkt“, sagt die Rentnerin im Nachhinein. Durch das Fernsehen hatte sie schon von derart üblen Maschen gehört, doch dass es sie selbst treffen könnte, vermutete die alte Frau nicht.

Der junge Mann zeigt der Frau einen großen, nassen Dachziegel – so einen, wie sie tatsächlich noch auf ihrem Dachboden lagern. „Er wusste auch, dass ich oben eine Steckdose habe“, erzählt die 83-Jährige. Sie vermutet, dass sich der Mann zuvor irgendwie auf den Dachboden geschlichen hatte.

Rentnerin hatte Angst um ihr Haus

Als es um die Reparatur geht, versucht die Rentnerin, darauf zu bestehen, dass sie per Rechnung bezahlen kann. Sie fragt die Männer, von welcher Firma sie seien. Die beiden geben sich als Meißner aus. Auch ihre Namen nuscheln sie. Dann sagt einer von ihnen, er könne gleich Material kaufen, müsse das aber bar bezahlen. Die Rentnerin schaut daraufhin in ihre Geldkassette und gibt den beiden 770 Euro. Innerhalb von einer halben Stunde wollen die vermeintlichen Handwerker wieder da sein – natürlich kommen sie nie zurück.

„Das Wasser kam aus der Tapete raus – was denkt man denn da?“, versucht sich die Großenhainerin im Nachhinein zu rechtfertigen. „Das klang alles sehr vernünftig. Ich wollte doch mein Haus in Ordnung haben.“ Als sie den beiden Möchtegern-Dachdeckern aus dem Fenster nachschaute, fiel ihr bereits auf, dass auf der Straße kein Firmenfahrzeug zu sehen war. Womöglich kamen die beiden zu Fuß zu ihrem Haus.

Die Rentnerin hat mittlerweile Anzeige bei der Polizei erstattet. Ein Phantomzeichner hilft nun bei der Fahndung nach den Männern.

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