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Hanfpflanzen sind ein linkes Ding

Jetzt scheint klar, woher die Pflänzchen vor dem Görlitzer Kino kamen: Im Internet brüstet sich eine Gruppe damit, dass ihre Saat aufgegangen sei. Auch an anderen Stellen der Stadt.

© Danilo Dittrich

Von Laura Ziegler

Görlitz. Ist das Rätsel um den Görlitzer Hanf gelöst? Am Mittwoch hatte die Polizei auf dem Kreisverkehr vor dem Görlitzer Kino 100 Hanfpflanzen beschlagnahmt. Völlig unklar war, wie diese dorthin gelangt sind. Jetzt kommt Bewegung in den Fall.

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Im Internet meldet sich ein Nutzer anonym zu Wort. Unter dem Titel „Görlitz – die Saat ging auf!“ erklärt er: „Wir haben in Görlitz im Laufe des Sommers 2015 an rund einem Dutzend Orten in der Innenstadt Seedbombs mit Cannabissamen explodieren lassen.“ Auf Deutsch: Unbekannte haben in Görlitz viele Hanfsamen verteilt. Wann genau und wie das unbemerkt passieren konnte, bleibt bislang ihr Geheimnis.

Neuer Trend: wildes Gärtnern

Die Polizei erfuhr von dem „Bekennerschreiben“ im Internet am Mittwoch – nachdem sie die Pflanzen vor dem Kino-Rondell entfernt hatte. „Die Internetseite ist inzwischen Bestandteil der Ermittlungen“, teilt Michael Günzel mit. Gleichzeitig warnt der Polizeisprecher davor, voreilige Schlüsse zu ziehen: „Zunächst wird der Eintrag auf seinen Wahrheitsgehalt geprüft.“ Sollte er sich als stimmig erweisen, hat der Anbau offenbar einen politisch motivierten Hintergrund.

Mit der Aktion wollen die vermeintlichen Täter die Politik der Landesregierung kritisieren. Es ist ein weites Themenfeld, das mit dem Hanf abgedeckt werden soll: „Egal ob die restriktive Drogenpolitik, der widerliche Umgang mit Flüchtlingen oder das Hofieren von rassistisch gesinnten Besorgtbürgern“, heißt es.

Hauptsächlich richtet sich das Guerilla Gardening – so wird das wilde Gärtnern an öffentlichen Plätzen genannt – gegen die strengen Drogengesetze. Außerdem meint der Nutzer mit dem Namen „Pflanzer statt Landser“, dass „gegen die außerparlamentarische linke Opposition in Sachsen“ zu hart vorgegangen werde.

Die Stadt Görlitz, die für die Pflege der Grünflächen zuständig ist, möchte sich zu dem digitalen Bekennerschreiben erst äußern, wenn die Seriosität der Quelle geklärt ist. Dabei findet auch das Rathaus in dem Internetbeitrag Erwähnung. „Widerstand ist machbar – egal ob im Blumenkasten am Rathaus oder beim Blockieren von Pegida und Legida“, ist dort zu lesen. Am Freitagvormittag wirkten die Blumenkästen des Rathauses jedoch Hanf-frei.

Unterdessen machen die beschlagnahmten Pflanzen auf dem Görlitzer Revier weiter das, was sie schon seit Mittwoch tun: Sie trocknen. Denn erst, wenn dieser Prozess abgeschlossen ist, kann geprüft werden, ob der Hanf für den Drogenhandel geeignet gewesen wäre oder ob es sich um Nutzpflanzen handelt.

Bis dahin bleibt die Polizei nicht untätig. Sollten die Aussagen der Unbekannten stimmen, wären noch zahlreiche Grünflächen in Görlitz von der wilden Pflanzaktion betroffen. „Wenn unsere Polizisten auf Streife sind, halten sie deshalb in der gesamten Stadt die Augen offen“, sagt Michael Günzel.

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Auch andere Städte könnten übrigens betroffen sein: In einem der Kommentare zu dem Online-Beitrag wird angedeutet, dass auch in der Zittauer Innenstadt an mehreren Stellen Cannabis-Pflanzen zu finden seien. Bislang ist von dort aber nichts zu hören. Die Suche nach der ganzen Wahrheit nimmt also kein Ende.