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Harthaer wollen starke Schule werden

Eine Jury prüft, wie die Berufsvorbereitung in der Oberschule funktioniert. Dabei sieht sie auch Unangenehmes.

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© André Braun

Von Cathrin Reichelt

Hartha. Obwohl sich Carola Rieger und Petra Meißner von der Hertie-Stiftung die Pestalozzi-Oberschule genau ansehen, weigern sie sich, ein Zimmer in der zweiten Etage zu betreten. Die beiden Frauen können nur all zu gut verstehen, weshalb auch einige Schüler lieber vor der Tür warten. Diejenigen, die drinnen an den Tischen sitzen, haben Gummihandschuhe übergezogen und Pinzetten in der Hand. Mit denen sezieren sie Schweine- und Rinderaugen. Die Zehntklässler sind mitten in der Prüfungsvorbereitung für Biologie. Das Auge sei ein Schwerpunktthema bei den Prüfungen. Und bei dem praktischen Versuch verstehe mancher den Aufbau und die Funktionsweise besser, als bei den Erklärungen im Lehrbuch, meint der Lehrer.

Der Biologiekurs ist ein Angebot des Wochenbandes an der Schule. Zu dem gehören unter anderem auch die individuelle Musikförderung, ein Theater-Pantomime- und ein Zeichenkurs sowie Tischtennis. Über all das informieren sich Carola Rieger und Petra Meißner. Sie gehören zur Jury der Hertie-Stiftung. Die zeichnet starke Schulen aus, die die Ausbildung der Schüler nicht mit der zehnten Klasse als abgeschlossen betrachten, sondern auch schauen, welchen Anschluss die jungen Leute im Berufsleben finden, erklärt Carola Rieger. Deshalb sieht sie sich mit ihrer Kollegin auch sehr intensiv den Berufswahlpass an. „Der soll den Schülern helfen herauszufinden, welche Stärken sie haben und welcher Beruf dazu passt, der ihnen auch noch Freude macht“, erklärt Schulleiterin Kerstin Wilde.

Die beiden Jury-Mitglieder der Stiftung lassen sich außerdem von den Schülern die Schule zeigen. Sie sprechen mit den Lehrern, den Schülerräten, Eltern und Vertretern von Firmen, die regelmäßig mit der Schule zusammenarbeiten. Einmal im Monat stellt sich ein Unternehmen an der Oberschule vor oder die Schüler können den Betrieb direkt besuchen. Die beiden Frauen sehen sich auch den Epochenunterricht an. Dabei kann der Lehrer einem Fach mehr Zeit einräumen, als einem anderen, um ein bestimmtes Projekt intensiver bearbeiten zu können.

Bei allem, was Carola Rieger und Petra Meißner sehen und hören, haben sie eine unterschiedliche Sicht auf die Dinge. Als ehemalige Schulleiterin sieht Carola Rieger eher die schulischen Belange. Petra Meißner ist Personalleiterin eines Großkonzerns. Sie hat die berufliche Seite im Blick. Welchen Eindruck sie von der Pestalozzi-Oberschule haben, lassen sie sich aber nicht entlocken. Das Schild für die Schule mit Idee und das Qualitätssiegel für Berufs- und Studienorientierung hängen bereits am Tor der Schule. Vielleicht kommt in den nächsten Wochen noch die „Starke Schule“ dazu. Die Entscheidung fällt Anfang Dezember.