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Hartmann fällt verletzt aus

© Robert Michael

Dynamos Kapitän Marco Hartmann hat sich einen Muskelfaserriss im Oberschenkel zugezogen. Damit fällt der 30-Jährige bis auf Weiteres aus.

Von Sven Geisler

Dresden. Es ist ein stechender Schmerz, abrupt stoppt Marco Hartmann seinen Sprint. Er weiß sofort, dass dieses Spiel gegen Duisburg für ihn vorbei ist in der 43. Minute, sein Gesicht schmerzverzerrt, er klopft auf den Rasen. Wütend, verzweifelt. Das darf doch wohl nicht wahr sein. Dynamos Kapitän fällt mal wieder aus. Bis auf Weiteres, heißt es nach der MRT-Untersuchung am Dienstagnachmittag. Den Muskelfaserriss hatte der Trainer schon am Abend zuvor diagnostiziert. „Wie die Bewegung aussah, ist es relativ eindeutig“, sagt Uwe Neuhaus.

Hartmann und seine Verletzungen: Seit er 2013 aus Halle nach Dresden wechselte, ist das seine unendliche Geschichte. Es gibt kaum ein Körperteil, das noch nicht betroffen war. Diesmal ist es der rechte Oberschenkel. Zum Trainingsauftakt hatte er noch geflachst, er habe sich eine Zeit für die tägliche Massage geblockt. „Ich bin mittlerweile alt genug, um zu wissen, was wichtig ist für meinen Körper.“ An der professionellen Einstellung mangelt es dem 30-Jährigen sicher nicht. Die häufigen Blessuren sind eher seinem außergewöhnlich hohen Einsatz geschuldet wie bei dem Antritt am Montagabend in der gegnerischen Hälfte. Rücksichtslos gegen sich selbst. Deshalb ist er besonders wertvoll.

Hartmann hatte es selbst kaum für möglich gehalten, Profi-Fußballer zu werden. Im Nachwuchs spielte er bei seinem Thüringer Heimatverein SC Leinefelde 1912 in der Verbandsliga, nur in der B-Jugend ging er für ein Jahr nach Mühlhausen. Erst nach dem Abitur wechselte er zum Halleschen FC und stand plötzlich vor der Frage, ob er studieren oder sich auf den Fußball konzentrieren soll. HFC-Trainer Detlef Schößler, in der Bundesliga einst Dynamo-Kapitän, nahm ihm die Entscheidung ab: „Junge, wir spielen vierte Liga! Natürlich fängst du an zu studieren. Wenn du frei brauchst, kriegen wir das hin.“

Doch dann war Hartmann so oft verletzt, dass er genug Zeit für die Uni hatte. „Ich dachte manchmal schon: Das wird nichts mehr mit der Fußballkarriere“, erzählte er im Gespräch mit der SZ vor fünf Jahren. Er hat beides geschafft: das Studium als Gymnasiallehrer für Mathe und Sport genauso wie den Aufstieg zum Zweitliga-Profi. Allerdings scheint es fast so, als würde sich der Körper gegen die Belastung wehren. Bei Dynamo blieb Hartmann nur in einer Saison nahezu verletzungsfrei: im Aufstiegsjahr 2015/16. In der vorigen Spielzeit verpasste er wegen zweier Muskelfaserrisse und einer Innenbanddehnung insgesamt 16 Partien – ein Grund für das Zittern um den Klassenerhalt.

Diesmal sah sich Hartmann gut gerüstet, in der Vorbereitung musste er nach einer Knieprellung zwar das Trainingslager vorzeitig abbrechen, aber das könne man vernachlässigen, hatte Hartmann am Freitag noch gesagt. „Ich bin körperlich auf einem guten Stand, und ich gehe auch davon aus, dass ich gut vorbereitet bin auf die Belastungen, die in den nächsten Spielen auf mich zukommen.“

Und nun der erneute Rückschlag gleich zum Auftakt. Seinen Platz im defensiven Mittelfeld können andere einnehmen wie Neuzugang Jannis Nikolaou, der sich gegen Duisburg mit einer soliden Leistung eingefügt hat. Trotzdem ist Hartmann für Dynamo kaum zu ersetzen. „Marco hat mit seiner Art und Weise zu spielen eine unglaubliche Präsenz“, erklärt Neuhaus. „Er ist derjenige, der unser Spiel ordnet und organisiert.“ Der Ausfall ist bitter, meint der Trainer auch am Tag danach, blickt aber berufsoptimistisch nach vorn. „Ich bin mir sicher, dass wir diesen Verlust als Mannschaft auffangen werden.“ (mit SZ/yer)