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Harzverbot in der Rödertalhalle

Handballer müssen auf die klebende Spielhilfe verzichten. Doch nicht alle halten sich daran – zum Ärger des Hallenwarts.

© Klaus-Dieter Brühl

Von Thomas Riemer

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Großenhain. Die Handballer von Verbandsligist ESV Dresden verspürten jüngst wenig Lust auf die Reise zum Punktspiel in die Großenhainer Rödertalhalle. Nach Vereinsangaben sei schon während der Fahrt das Gejammer groß gewesen. Sätze wie „ohne Harz kann/will/spiel ich nicht“, „dass es sowas auf Verbandsebene überhaupt gibt – unfassbar“ sollen gefallen sein.

In der Tat: In Großenhains größter Sporthalle ist die Nutzung von Haftmitteln verboten. Das besagt eine gemeinsame Verordnung von Stadtverwaltung und dem Handballclub Großenhain. „Der Verein ... sichert die Einhaltung dieser Vereinbarung gegenüber dem Halleneigentümer zu. Er verpflichtet sich, die Gastmannschaft und die Schiedsrichter darüber zu informieren und für die Einhaltung der Vereinbarung zu sorgen“, heißt es darin. Und wer nicht hören will, muss zahlen: 10,50 Euro Reinigungsgebühr pro Sportfreund.

Hallenwart Andreas Kotte und sein Team versuchen, so gut wie möglich die Einhaltung des Wachs-Verbotes zu kontrollieren. Doch komme es immer wieder vor, dass sich Spieler Tricks einfallen lassen, um das Verbot zu umgehen. An der Unterseite der Trinkflasche zum Beispiel, um sich in Spielpausen kurz die Hände zu präparieren. „Wir kennen da schon unsere Pappenheimer“, sagt Andreas Kotte. Sie kommen zuweilen auch aus dem eigenen Verein. Manche Gastmannschaften würden zur Erwärmung ihre eigenen klebenden Bälle mitbringen. Wird das bemerkt, werden sie eingesammelt und durch haftmittelfreie Spielgeräte ersetzt. Ausnahmen habe es bislang lediglich gegeben, wenn zum Beispiel die Profis des SC DHfK Leipzig ein Großenhainer Gastspiel gaben. Die anfallenden Reinigungskosten für die Halle wurden stets von der Stadt getragen.

Die harz-freie Zone begrüßt Andreas Kotte natürlich. Denn die Spuren, die die Haft- und Klebehilfe hinterlässt, sind nicht ohne. Nicht nur auf dem Parkett, sondern insbesondere in den Umkleidekabinen und an Türklinken seien sie zu finden. „Da müssen wir dann manchmal auf allen vieren kriechen, um das Zeug wegzukriegen“, so Kotte. Wenn jemand erwischt wird, gibt es prinzipiell erstmal eine Verwarnung. Die Reinigungsgebühr musste indes bislang so gut wie noch nie erhoben werden. Ärgerlich ist jeder Verstoß trotzdem.

Das bestätigt auch Jens Gärtig, Mitarbeiter im Kotte-Team sowie ehemaliger Handballer und Trainer. „Ich bin ein genereller Gegner von Wachs“, sagt er energisch. „Denn es soll schließlich Handball bleiben.“ Jegliche Hilfsmittel seien gerade beim Nachwuchs nicht förderlich. „Wer einen Ball nicht ohne Wachs an den Händen fangen kann, der muss es eben lernen“, so Jens Gärtig.

Eine Ausnahme, so wie es die Handballer vom ESV Dresden behaupten, ist die Großenhainer Halle auf Verbandsliga-Ebene aber nicht. So gilt beispielsweise auch in den Spielstätten des Radebeuler Handballvereins ein absolutes Verbot für die Verwendung von Klebemitteln. Gleiches gilt für Reisen zu den Liga-Kontrahenten in Waldheim und Neugersdorf. In der Nassauhalle beim Nachbarn in Weinböhla besteht ebenfalls prinzipiell Harz-Verbot – allerdings ist Con-Sport-Klebebalsam zugelassen. Rathaus und der HSV Weinböhla haben einen Spagat gefunden, der in beiderseitigem Interesse ist. „Wir dürfen mit Harz spielen, müssen dafür aber die Halle reinigen“, so HSV-Sprecher Erik Rosenkranz. Spiele ohne Klebehilfe sind aus seiner Sicht „erschwerte Bedingungen“. Die Spieler müssten sich mehr aufs Fangen und Werfen konzentrieren. Ob darunter der Spielgedanke leidet? Da gehen die Meinungen wohl auseinander.

Dass die SG Zabeltitz/Großenhain vom Wachsverbot in der eigenen Halle sportlich profitiert, ist statistisch übrigens nicht zu beweisen. Gegen die „Eisenbahner“ aus Dresden klappte es mit einem recht deutlichen Sieg. In deren Halle herrscht – am Rande bemerkt – ebenfalls ein eingeschränktes Nutzungsverbot. „Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass im Spielbetrieb des ESV Dresden nur Trimona Spray Wachs erlaubt ist“, heißt es in der entsprechenden Mitteilung, die dem Handballverband stets zu Saisonbeginn vorgelegt werden muss. Und weiter: „Dieses Haftmittel ist vor der Erwärmung dem Mannschaftsverantwortlichen der Heimmannschaft vorzuweisen. Kann das Spray nicht vorgezeigt werden, besteht Haft- und Klebemittel-Verbot. Bei Zuwiderhandlungen (Benutzung anderer Haftmittel) werden die Reinigungskosten in Rechnung gestellt.“