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Hasenhüttls zweiter Versuch

Eigentlich geht es für RB Leipzig gegen Bayern München um nichts mehr, trotzdem läuft der Emporkömmling vor dem Duell mit dem Branchenprimus heiß.

© dpa

Von Jörg Soldwisch

RB Leipzig kann Bayern München in dieser Saison nicht mehr gefährlich werden, und trotzdem meint Uli Hoeneß, gegen den finanzstarken Herausforderer sticheln zu müssen. Vor dem Auswärtsspiel des Meisters am Samstag beim Tabellenzweiten spricht der Bayern-Präsident dem Emporkömmling die Erfolgsaussichten seiner Jugend-forscht-Strategie ab.

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Er könne sich „nicht vorstellen, dass man es nur mit jungen Leuten schaffen kann, wenn man dreimal die Woche spielt“, sagte Hoeneß. „Ich bin ziemlich sicher, dass die Sachsen den Weg so nicht weitergehen, wenn sie bald in der Champions League spielen.“

Er ließ es sich nicht nehmen, diese Ansicht auch Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz in einem persönlichen Gespräch mitzuteilen. „Ich habe ihm gesagt: Lieber Herr Mateschitz, wenn Sie jetzt auch noch ältere Spieler verpflichten, werden sie ein ganz ernst zu nehmender Gegner für uns“, sagte Hoeneß – aber nur dann.

Die Leipziger wollen sich von ihm nicht erklären lassen, welche Philosophie für sie die richtige ist. „Wir gehen den Weg so weiter“, sagte RB-Trainer Ralph Hasenhüttl. „Es liegt an uns, zu beweisen, dass es doch funktioniert.“

Von ihrem Projekt mit hochtalentierten Fußballern rücken sie auch in der nächsten Saison nicht ab. Die etwa 40 Millionen Euro in der Transferkasse geben die Sachsen erneut für Rohdiamanten aus. Interesse soll beispielsweise am ehemaligen U21-Nationalspieler Amin Younes von Ajax Amsterdam bestehen.

Sie verpflichten auch für die Königsklasse lieber junge Spieler wie Naby Keita als etwa Sami Khedira – also hungrige Profis, die ein überdurchschnittliches Potenzial besitzen, das sie aber noch nicht auf großer Bühne abgerufen haben. An Keita zeigen nach dessen herausragender Saison einige europäische Spitzenklubs Interesse, angeblich auch der FC Bayern.

Im direkten Duell gegen den Rekordmeister wollen die jungen Wilden aus Leipzig beweisen, dass sie schon jetzt auf Augenhöhe mit den Routiniers aus München sind – zumindest in einem Spiel. „Wir wollen sie natürlich schon gern kitzeln“, sagte Kapitän Dominik Kaiser. Hasenhüttl ergänzte: „Das wird ein traumhaftes Spiel. Wir haben nichts mehr zu verlieren und können noch mal ein richtig geiles Spiel machen.“

Auch unter den Fans ist die Euphorie groß. Das erste Spiel der Bayern in Leipzig seit der Saison 1993/1994 – damals beim VfB – ist ausverkauft. Auf dem Schwarzmarkt kosten Einzelkarten bis zu 1 000 Euro. Im Hinspiel kurz vor Weihnachten war RB ähnlich motiviert, doch das 0:3 bereits das Ende aller Meisterträume des Aufsteigers – sehr zur Freude von Hoeneß. (sid)