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Döbeln

Hat das Zukunftsforum eine Zukunft?

Es bleibt mehr auf der Strecke, als erreicht wird. Das macht die Beteiligten unzufrieden. Damit hielten sie beim Treffen in dieser Woche nicht hinterm Berg.

Das haben Astrid Sommer (links) und Franziska Riedel, die Bürgerhaus-Mitarbeiterinnen, schon länger erkannt. Eine Vision würde auch den Ehrenamtlichen im Zukunftsforum helfen, zielgerichteter als bisher kleine Projekte anzugehen.
Das haben Astrid Sommer (links) und Franziska Riedel, die Bürgerhaus-Mitarbeiterinnen, schon länger erkannt. Eine Vision würde auch den Ehrenamtlichen im Zukunftsforum helfen, zielgerichteter als bisher kleine Projekte anzugehen. © Dietmar Thomas

Roßwein. Die Sommerpause der Zukunftswerkstatt hat nicht dazu beigetragen, mit Elan und neuen Ideen die nächsten Aufgaben anzupacken. Denn diese bleiben vage – einfach auch deshalb, weil für Roßwein ein entsprechendes Konzept fehlt.

Zum Beispiel ein Marketingkonzept. „Das gibt es für unsere Stadt nicht“, sagte Hubert Paßehr, der als Vize-Bürgermeister die Zusammenkunft Ehrenamtlicher leitete. Das sind Vertreter von Vereinen, Stadträte und Bürger, denen das Vorwärtskommen Roßweins am Herzen liegt.

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Doch von diesem Blick nach vorn war am Mittwochabend wenig übrig geblieben. Denn in der Sitzung ging es eine geschlagene Stunde lang darum, zu schauen, was von den Aufgaben und Zielen der zurückliegenden Sitzungen erreicht worden ist, wer seine Hausaufgaben erledigt hat. Dabei begann Reinhard Bär mit den Aufzeichnungen vom November 2018 – also von vor fast einem Jahr. Weil es zu beinahe jedem Punkt wieder Wortmeldungen gab, zog sich die Formalie derart in die Länge, dass der eine oder andere sich bereits in der aktuellen Diskussion wähnte – und vielmehr darauf verwies, dass das Thema schon lange behandelt worden ist.

Zu manchem konnte Hubert Paßehr einfach nichts sagen, weil er den Sachstand als Vertretung nicht wissen kann. Anderes ist noch genauso andiskutiert worden, wie vor Monaten und Jahren. Dazu gehört die Start-up-Idee von Friedrich Brixi oder der Gedanke, Jugendliche zu einer Mitarbeit zu bewegen oder für sie eine ähnliche Plattform zu schaffen. Denn eines ist den bisherigen Akteuren bewusst: Um für die Zukunft zu planen, ist das Gremium im Durchschnitt zu alt. Die meisten Mitglieder haben das Rentenalter längst erreicht. Katrin Stenker ist mit Mitte Dreißig die jüngste ständige Mitstreiterin.

Manche Idee aus dem Forum sind offenbar auch bei der Verwaltung „hängengeblieben“. Einfach, weil behördliche Fragen zu klären waren oder vielleicht niemand Zeit hatte, sich damit zu beschäftigen. Hier und da scheiterte die Umsetzung wohl auch am Geld, So fasste es Jörn Hünerbein zusammen. Der Musiker und Songschreiber gehört nahezu sei Anfang an zu den Teilnehmern der Zukunftswerkstatt. Trotzdem sagte er: „Die Arbeit hier befriedigt mich nicht.“ Für ihn fühle sie sich eher wie Alibi-Demokratie an.

Ähnlich offen spricht Bürgerhaus-Mitarbeiterin Franziska Riedel, die die Arbeit des Forums seit mehr als einem Jahr beobachtet und teilsweise einbezogen ist. Sie habe den Eindruck, dass hier so richtig nichts funktioniere. Aus diesem Grund staune sie, dass „noch so viele Leute hierherkommen und ihre Zeit investieren“. Ihre wäre ihr angesichts so wenig greifbarer Ergebnisse zu schade.

In diese Kerbe schlägt auch Uwe Hachmann. Das Fazit des SPD-Stadtrates nach mehreren Jahren ist ernüchternd: „Wir reden zu viel im Konjunktiv – sagen wir müssten, wöllten, könnten. Nein, wir müssen mal losgehen und etwas tun.“

Das passiert mit großer Wahrscheinlichkeit beim nächsten Subbotnik. Der ist für Sonnabend, 26. Oktober, angesetzt. Dann sollen weitere Frühblüher-Zwiebeln in die Erde kommen. Bei der Aktion im Vorjahr halfen zum Beispiel auch die Jugendfeuerwehrleute mit. Dabei soll es aber in drei Wochen nicht bleiben. Geplant ist außerdem ein Einsatz auf einem Spielplatz, um Geräte dort mit einer neuen Schutzlasur zu versehen.

Die Idee, in Roßwein ein Zukunftsforum zu etablieren, stammt aus dem Jahr 2001 und kommt von Veit Lindner. Nachfolgend hat sich die AG Stadtgestaltung gegründet. Seit 2013 gibt es mehrmals im Jahr Zukunftsworkshops mit Ehrenamtlichen. Bei den ersten waren Mitarbeiter der LBS als Moderatoren vor Ort.

Nächstes Zukunftsforum: Mittwoch, 5. Februar, voraussichtlich im kleinen Sitzungssaal des Roßweiner Rathauses.