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Geld und Recht

Hat die ESMA überreguliert?

Für CFD Trader, war das Jahr 2018 voller Überraschungen, denn die europäische Regulierungsbehörde ESMA hatte am 01.06.2018 viele neue Vorgaben vorgestellt.

© skeeze

Dabei war angesetzt, dass alle CFD Broker die Vorgaben bis spätestens zum 1. August 2018 umgesetzt haben. Dabei ist es egal, ob Deutschland, Zypern, Großbritannien oder ein anderes EU-Land als Heimatregulierung dient. Ziel der ESMA mit den neuen CFD-Handelsregulierungen war, die Kleinanleger zu schützen, denn in der Vergangenheit haben zu viele Trader Geld verloren, da sie zu große Hebel eingesetzt haben. 

Zum Üben wird zunächst immer erst einmal ein Demokonto empfohlen. Mit diesem können Sie sich bezüglich der Märkte ausgiebig vertraut machen. Erst dann ist es sinnvoll, mit echtem Geld zu traden. Besonders 2 große Gruppen wurden seit dem Inkrafttreten der ESMA Vorgaben im Jahr 2018 enorm reguliert, es handelt sich hierbei um die Retail Clients und die Professional Clients.

Unterschied zwischen Retail Clients und Professional Clients

Kunden die von der EU reguliert wurden, werden in 2 verschiedene Gruppen eingeteilt. Es gibt zum Beispiel die Standardeinstellung, welche als „Retail Client“ bezeichnet wird. 

Diese genießen nun seit dem Inkrafttreten der Regulierungen, einen unlimitierten Schutz vor Nachschusspflichten (CFD Handel), das geschieht einheitlich und europaweit. 

Die Retail Clients müssen reguliert werden und benötigen laut der ESMA dringend einen maximalen Hebel, denn viele Kunden verlieren mit diesen Hebeln einfach zu viel Geld. Andere Trader hingegen, werden nicht so stark reguliert, beziehungsweise sind vollkommen aus der Regulierung ausgeschlossen. Diese Gruppe nennt man auch Professional Clients. Die ESMA stuft diese Kunden als sehr erfahren ein. Daher dürfen diese einen besonders hohen CFD Hebel nutzen. Je nach Broker kann dieser bis zu 1:500 betragen. Gleichzeitig wird auf den Schutz vor Nachschusspflichten allerdings verzichtet! 

Bei manchen Brokern gibt es hier allerdings noch weitere Schutzmaßnahmen um vor einem zu hohen negativen Saldo zu schützen. Ein Kunde der mit in die Gruppe der Professional Clients aufgenommen werden möchte, muss einen entsprechenden Antrag stellen um neu eingestuft zu werden. Man kann bei einer neuen Eröffnung eines Kontos allerdings auch einfach angeben, dass man zu den Konditionen eines Professional Clients traden möchte. Allerdings muss der Kunde einige wichtige Kriterien erfüllen und es müssen Nachweise dafür existieren, dass dieser als Professional Client überhaupt geeignet ist. Retails haben außerdem auch keinen Zugang zu Bonus-Programmen. Dafür gilt ein regulatorisches Verbot. Bonus-Programme beim CFD-Trading könnten zum Beispiel Cashbacks, Sachpreise oder Rabatte sein. Natürlich sind die erhöhten Marginanforderungen vielen Retails oder Neulingen im CFD Trading ein gewaltiger Dorn im Auge. 

Beispielsweise gilt für die Forex-Majors ein Hebel von 1:30, für Haupt-Indizes 1:20. Der Retail Client Kunde muss also 15 bis 25-mal so viel investieren um die gleichen Gewinne wie früher zu erzielen. CFD-Trader benötigen also viel mehr Startkapital als sonst. Beim Forex Handel auf nextmarkets beispielsweise, bemerkt man dies sofort als privater Trader. 

Vorbei sind die Tage, an denen man hundertfache Hebel zur Verfügung hatte. Das deutsche Start-Up musste sich, wie alle in der EU sitzenden CFD-Broker, nach Inkrafttreten an diese neuen Richtlinien halten. Möchte man auf die hohen Hebel nicht verzichten, muss man sich also unbedingt an seriöse Broker außerhalb der EU wenden. Doch Vorsicht! Hier gilt dann in aller Regel wieder die Nachschusspflicht, weshalb man ganz besonders darauf aufpassen sollte, Positionen nicht zu überhebeln. Was die Bemessungen der einzelnen Hebel betrifft, so ist hier die Volatilität ausschlaggebend, daran hat sich die ESMA grundlegend orientiert. In der Zukunft muss auch eine entsprechende Marge geboten werden, damit solche Positionen für viele überhaupt noch interessant sind. 

Die Märkte werden sich nun etwas verändern und die limitierten Hebel, werden auch massive Auswirkungen auf einige Werte haben. Es wird immer welche geben, wo sich eine Investition bei guter Rendite lohnt, wobei das Risiko für das eingesetzte Kapital gleichzeitig als gering einzuschätzen ist. Der Schutz für private Trader ist wichtig, im Besonderen, wenn sich diese noch am Anfang befinden und noch nicht so viel Erfahrung gesammelt haben. Sie müssen unbedingt Know-How und viele Erfahrungswerte mitbringen und diese auch immer weiter ausbauen! 

Eine weitere Sache, welche die ESMA dieses Jahr angeht, ist die Tatsache, dass Anleger nicht mehr so viel Geld durch hochriskante Wetten verlieren können. Hiermit sind fixe Wettquoten gemeint, welche nur 2 Zustände kennen. Es geht bei diesen Wetten darum, ob ein Marktereignis stattfindet oder eben nicht. Der Anleger kann das eingesetzte Kapital vollständig verlieren und wenn er gewinnt erhält er sowieso nur 90% des Gewinns. Mit dem Verbot von binären Optionen europaweit, geht die ESMA einen sehr wichtigen Schritt Richtung Zukunft. In Deutschland war ein Negativsaldo schon zuvor verboten, das bedeutet ein Trader kann nicht mehr Kapital verlieren als er eingesetzt hat. Diese Schutzmaßnahme wird nun EU-weit durchgesetzt. Jeder der mit CFDs arbeitet, kann nun definitiv nicht mehr verlieren als er einsetzt. Das ist eine gute Sache und definitiv ein großer Vorteil der ESMA Regulierungen. 

Mit den neuen ESMA Regeln, werden auch die Plattformanbieter in die Pflicht genommen. So wird für deutlich mehr Transparenz gesorgt. Zum Beispiel soll eine Standardisierte Risikowarnung den prozentualen Anteil der Kunden zeigen, welche im letzten Quartal Geld verloren haben. In den USA wird dies bereits angewandt, in Deutschland und der EU möchte man diese Richtlinie nun ebenfalls umsetzen. In Zukunft werden Sie seriöse Handelsplattformen genau daran erkennen: Sie sorgen für Transparenz und setzen das neue Regelwerk der ESMA aktiv um. Natürlich benötigen Sie mehr Kapital, da die Hebel reguliert worden sind. Allerdings dient dies auch zum Eigenschutz und wird viele Leute vor einer Insolvenz retten.

Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit mit dem externen Redakteur Steffen Hennig.