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Hat einer meine Boa gesehen?

Seit Sonntag ist eine zwei Meter lange Würgeschlange verschwunden. Die Behörden schieben den Fall hin und her.

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© dpa

Von Gesine Schröter

In Ostsachsen wird nach einer Boa Constrictor gefahndet. Zwei Meter lang und beige mit schwarzer bis olivgrüner Musterung ist die Würgeschlange, die ihr Besitzer vermisst. Am späten Sonntag Nachmittag meldete der Mann aus Bertsdorf im Kreis Görlitz den Verlust der Polizei. Auch den Bürgermeister hat er informiert. Inzwischen wissen alle relevanten Stellen bis zum Ordnungsamt und dem Veterinäramt des Landkreises Bescheid. Doch auch an Tag drei fehlt von dem Tier jede Spur.

Das Beruhigende: Die Schlange sei nicht giftig, beteuert der Tierhalter. Allerdings, sie könne schon beißen – wenn sie sich bedroht fühle. Der Mann, der seinen Namen nicht öffentlich gemacht haben möchte, sagt auch, dass sie längere Zeit ohne Futter auskäme. Am Freitag wurde sie letztmalig gefüttert.

Die Polizei rät dennoch zur Vorsicht. Wer die Schlange entdeckt, solle möglichst Abstand von ihr halten – und eben die Polizei informieren. Von den informierten Behörden ist keine wirklich aktiv der Schlange auf der Spur. Das Veterinäramt hält die zuständige Gemeinde zuständig für die Suche. Diese Auffassung wird dort aber zunächst nicht geteilt.

Gestern ließen Polizei, Bürgermeister Volker Müller und Ralph Bürger vom zuständigen Ordnungsamt in Olbersdorf wissen, ihre Arbeit konzentriere sich derzeit darauf, ihre besorgten Bürger zu beruhigen. Nach der objektiven Betrachtung der Lage gehe von der Schlange keine akute Gefahr für Menschen aus, sagt Thomas Knaup, Pressesprecher der Polizeidirektion Görlitz. „Der Vorfall klingt zwar dramatisch, ist er aber nicht“, sagt er und vergleicht die ausgebüxte Schlange mit einem entlaufenen Hund. Das Tier sei von sich aus nicht angriffslustig und nehme nur alle vier bis sechs Wochen Nahrung zu sich.

Auch Jochen Schmidt, der in Zittau Wasserpflanzen und einige Reptilien verkauft, kann bestätigen: „Vergleiche mit der gesuchten Alligator-Schildkröte in Süddeutschland sind völlig unangemessen.“ Zunehmend müsse man sich Sorgen um das Tier selbst machen, sagt der Reptilienhändler. Weil es in diesen Tagen vor allem nachts so kühl ist, sei die Schlange womöglich sehr eingeschränkt in ihrer Bewegung. Das könnten größere Tiere wie Füchse oder Marder ausnutzen, indem sie die Schlange an- oder sogar ganz fressen.

Daran will der Halter der Schlange lieber nicht denken. Er weiß, dass er in erster Linie Verantwortung trägt, das Tier zu finden. Seit Tagen sucht er sein Grundstück in großem Umkreis ab. Gleichzeitig hofft er auf Mithilfe aus der Bevölkerung. „Jeden Moment warte ich auf einen Anruf mit dem entscheidenden Hinweis“, sagt er. Dabei sollten die Leute nicht nur auf dem Boden, sondern auch in kleineren Bäumen und auf Holzstapeln nachsehen. Sobald es dunkel wird, verkrieche sich das für gewöhnlich recht träge Tier wieder in eine wärmere Umgebung, berichtet der Schlangenliebhaber.

Ob eine öffentliche Stelle dem Besitzer bei der Suche behilflich sein sollte, darüber herrscht weiterhin Uneinigkeit. Weder die Gemeinde Olbersdorf noch der Landkreis Görlitz sehen sich hier in der Pflicht. „Wenn eine Schlange aus dem Käfig ausbüxt, gilt dieses Tier als Fundtier“, sagt Marina Michel, Pressesprecherin des Landratsamtes. „Und für Fundtiere ist die Gemeinde zuständig.“ Dazu verweist sie auf die entsprechenden Empfehlungen im Freistaat, die gemeinsam mit der Sächsischen Landestierärztekammer verfasst wurden.

Ungeachtet solcher Diskussionen gilt: Je länger die Suche dauert, desto schwieriger wird sie. Das beunruhigt nicht nur den Boa-Besitzer, sondern auch die Bewohner von Bertsdorf-Hörnitz.