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Hauptsache Leben

Lieber Designermöbel oder selbstgebaute Sitzgelegenheiten mit künstlerischer Note? Ein ästhetischer Rückblick.

© SZ-Archiv/A. Schröter

Eine Kolumne von Kevin Schwarzbach

Mit der Kunst ist das immer eine heikle Sache, liebe Leserinnen und Leser. Was für den einen ein Meisterwerk ist, kann für den anderen Schrott sein. Und da wären wir jetzt auch schon beim Thema. Denn Riesa gehört zu den wenigen Städten, in denen Kunst beides sein kann: Meisterwerk und Schrott zugleich. Wieder eines dieser Herausstellungsmerkmale, die uns irgendwann weltweite Bekanntheit einbringen werden. Lutz Peschelt jedenfalls hat es zu seiner Passion gemacht, Skulpturen aus altem Metall zu fertigen.

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Kompetente Unterstützung zu Gesundheit und den passenden Produkten findet man in Riesa in der Domos-Apotheke in der Elbgalerie sowie in der Galeria-Apotheke.

Seine neusten Ideen widmeten sich der Umgestaltung unserer Einkaufsmeile. Die soll ja bekanntlich nicht nur schicker, sondern auch deutlich gemütlicher werden. Ziel der Aktion ist es vermutlich, die Leute daran zu erinnern, dass ein Boulevard dafür geschaffen ist, einen Teil seiner Lebenszeit dort zu verbringen. Womöglich sogar mehr als in Onlineshops. Vor allem aber schöner. Wegen der frischen Luft und so. Von dieser These haben Sie sicher schon einmal gehört. Falls sich manche doch noch uneinsichtig zeigen, könnte immerhin ein Kompromiss helfen: Wenn man schon im Internet einkaufen muss, dann wenigstens dabei auf der Hauptstraße rumhängen und für bisschen Leben sorgen, während man den Händlern vor Ort mit Amazon oder Zalando fremd geht.

Jetzt schweife ich wieder ab. Irgendwie verliere ich heute ständig den Faden. Die menschliche Psyche ist aber auch ein komplexes Thema. Jedenfalls erinnern Sie sich vielleicht, dass die ersten Entwürfe des mit der Planung beauftragten Architekturbüros im Stadtrat nicht gerade auf ungeteilte Begeisterung stießen. Also reichten Lutz Peschelt und Dieter Nötzoldt kurzerhand einen Entwurf für eine etwa sechs Meter lange „Kombibank“ ein. Neben anderen Ideen sieht das Konzept teilweise überdachte Sitzgelegenheiten sowie Begrünung, Anleinmöglichkeiten für Hunde, einen Papierkorb und Sicherungsmöglichkeiten für Fahrräder vor.

Zugegeben, das klingt abgefahren. Und ist gar nicht mal so uncool. Sieht in der Zeichnung sogar richtig fesch aus, diese Bank. In Zeiten von Facebook und Instagram sicher ein grandioses Fotomotiv, vielleicht sogar eine neue Sehenswürdigkeit oder gar ein neues Wahrzeichen.

Na, ja. Satz mit x, das wird wohl nix. Der Stadtrat hatte sich im Mai mehrheitlich für den Vorschlag des Architekturbüros entschieden, demnächst soll schon die Beleuchtung entlang der Straße aufgearbeitet werden. Vielleicht kam die regionale Kunst zu spät, womöglich scheute man sich vor den Zertifizierungskosten für die selbstgebauten Spielgeräte. Das Leben ist und bleibt ein Rätsel. Aber womöglich lässt sich die Bank doch irgendwo aufstellen. Vermutlich aber nicht von Sponsorengeldern, denn die sind in Riesa bezüglich Kunst gerade mächtig beliebt.

Diese Woche kann wohl kaum ästhetischer werden.