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Das Amtsblatt kassiert eine Rüge und Riesa wird Mittelpunkt eines Spiels. Ein bedeutungsvoller Rückblick.

© Archiv/Alexander Schröter

Von Kevin Schwarzbach

Wenn einer jubelt, ärgert sich meist ein anderer. Das ist in Hamburg oder Berlin nicht anders als im Landkreis Meißen. Das ist im Sport nicht anders als in der Wirtschaft oder der Politik. Denn wo es einen Gewinner gibt, muss es auch Verlierer geben. Keine Freude ohne Leid. Nun aber genug von diesen pseudophilosophischen Lebensweisheiten, kommen wir endlich zum eigentlichen Fall. Die Kreistagsfraktion von SPD/Grünen/Piraten hat derzeit offenbar Grund zur Freude. Vergangene Woche veröffentlichte Fraktionschef Thomas Gey (SPD) den Inhalt eines Schreibens vom 18. Mai des Präsidenten der Landesdirektion an den Landrat. Halt, halt, halt. Lassen Sie sich das mal auf der Zunge zergehen. Das klingt jetzt schon enorm wichtig, oder? Ist es natürlich auch. Wir hier im Landkreis geben uns doch nur mit der Crème de la Crème zufrieden. Aus unseren Reihen kommt der Sächsische Ausländerbeauftragte, ein Ex-Bundesminister, ehemalige und aktuelle Spieler der Fußball Bundesliga und wer weiß noch. Alles, was mit uns in Verbindung steht, ist wichtig. So natürlich auch jenes Schreiben. Darin heißt es, der Landrat möge seiner Pflicht zur unparteiischen Amtsführung nachkommen und bei der Berichterstattung im Amtsblatt des Kreises die notwendige Sorgfalt walten lassen. Uh, klingt nach einer saftigen Rüge. Ich wusste natürlich sofort, was gemeint ist: Die Landesdirektion will die Anzahl der Bilder von Landrat Arndt Steinbach (CDU) im Amtsblatt beschränken. Obergrenzen sind ja derzeit voll im Trend. Aber weit gefehlt: Es geht nicht um die Abbildungen des Landrats, sondern um den Beitrag „CDU sagt: Wir haben verstanden“ vom 6. April. Fraktion SPD/Grüne/Piraten und Landesdirektion sehen darin einen Verstoß gegen die unparteiische Amtsführung, Landrat Steinbach und Autorin Kerstin Thöns dagegen können diesen Ansatz nicht nachvollziehen. Tatsächlich: Thöns schreibt nicht unbedingt wie eine Hofberichterstatterin. Aber bevor wir uns jetzt auf diese Diskussion einlassen, führen wir doch lieber die Obergrenze für die Abbildungen des Landrats ein. Ist leichter zu kontrollieren und die Texte liest doch ohnehin keiner. Die Bilder dagegen bleiben im Gedächtnis hängen, das ist echte Werbung.

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Die könnte bald auch ein Gesellschaftsspiel für Riesa machen. Im Zuge des Projekts „Demografiewerkstatt Kommunen“ ist nämlich ein Brettspiel entstanden, das unsere Elbestadt abbildet. So richtig professionell mit Stadtteilen und Spielfiguren. Ist ja auch öde, immer nur durch die gleichen fiktiven Straßen und Städte zu ziehen, die man schon jahrelang aus den anderen typischen Gesellschaftsspielen kennt. Beim traditionellen Spieleabend im heimischen Wohnzimmer muss mal etwas Leben rein. Aber warum jetzt ausgerechnet Riesa? Wir sind ja jetzt nicht gerade bundesweit für unsere belebte Innenstadt bekannt.

Nun ja, es ist so: Manchmal kann das Leid ein Segen sein, liebe Leserinnen und Leser. Verzeihen Sie mir diesen Zynismus, aber Riesa hat das Glück, mit Abwanderung zu kämpfen. Deshalb wurde unsere Stadt Ende 2016 mit sieben weiteren deutschen Städten vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend als Modellkommune ausgewählt. Außerdem dabei sind beispielsweise die sächsische Kleinstadt Adorf an der tschechischen Grenze und die westdeutsche Großstadt Dortmund. Und das Stadtspiel ist Teil dieses Projekts. Alle acht Auserwählten sind in ähnlicher Weise mit Abwanderung und steigendem Durchschnittsalter konfrontiert und werden deshalb fünf Jahre lang von Experten begleitet. Im Rahmen des Projekts sollen sie sich untereinander austauschen können und vor Ort Wege finden, um den demografischen Wandel in Städten und Landkreisen gestalten zu können.

Wie kann man das besser tun, als auf spielerische Weise? Ein durchaus kluger Schachzug, mit dem die Stadtverwaltung herausfinden will, was sie gegen die Abwanderung tun kann. Jeder, der das Spiel spielt, soll dabei darüber nachdenken, an was es in Riesa fehlt. Mir sollte man das Spiel dann natürlich nicht geben, meine abstrusen Vorschläge würden nur Verwirrung stiften. Aber Sie, liebe Leserinnen und Leser, kommen vielleicht in den Genuss und erspielen unserer Stadt mit Ihren Ideen eine Zukunft. Wenn das klappt, haben wir nicht mehr nur ein Stadtspiel im Rathaus liegen, sondern gleich Hunderte, ja Tausende in den Regalen der Spielwarenläden stehen. Einmal die Werbewelle losgetreten, würde es unsere Stadt bei jedem bekannten Gesellschaftsspiel zu einer Sonderedition schaffen. Übertreibe ich jetzt schon wieder oder liefere ich Spielideen?