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Hauptstraßen-Möbel Marke Eigenbau

Ein Architekturbüro hat die Pläne für die Umgestaltung der Hauptstraße erstellt. Es wäre auch günstiger gegangen, sagt ein Riesaer Künstler.

© Zeichnung: D. Nötzoldt

Von Stefan Lehmann

Riesa. Auf der einen Seite führt eine Treppe in einen kleinen Tobe- und Kletterbereich, auf der anderen wachsen Pflanzen aus der Betonfassung. Dahinter steht die „Drahtesel-Station“. „Dort könnte man dann Fahrradstellplätze schaffen“, erklärt Lutz Peschelt. Den Riesaer Künstler kennt man bisher vor allem wegen seiner Metallskulpturen: Das Riesenmotorrad vor der Sachsenarena stammt beispielsweise von ihm, ebenso wie die Skulptur vor dem Rohrforschungszentrum.

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Der Entwurf für die etwa sechs Meter lange „Kombibank“, den Lutz Peschelt und der Künstler Dieter Nötzoldt gemeinsam erarbeitet haben, ist gegen diese Kunstwerke eher auf Funktion angelegt. Entstanden ist der Entwurf Anfang April. Nachdem die ersten Entwürfe nicht gerade auf ungeteilte Begeisterung trafen, entschlossen sich Nötzoldt und Peschelt dazu, selbst etwas zu entwerfen. Darunter eben jene Kombibank, die neben den teilweise überdachten Sitzgelegenheiten auch Begrünung, Anleinmöglichkeiten für Hunde, einen Papierkorb und Sicherungsmöglichkeiten für Fahrräder enthalten sollte.

Über Stadtrat Thomas Gallitzdorfer (CDU) gingen die Zeichnungen mitsamt einer zweiseitigen Beschreibung an die Stadt. Seitdem herrschte Funkstille, eine Rückmeldung habe er von der Stadt nicht bekommen, so Peschelt. Vermutlich sei es auch schon zu spät gewesen, sagt der Künstler und winkt ab. Thomas Gallitzdorfer bestätigt diesen Verdacht. Die Entwürfe und Ideen seien in der nichtöffentlichen Sitzung des Bauausschusses noch einmal zur Sprache gekommen und präsentiert worden. Zumindest die Stadträte hatten also Kenntnis davon. Außerdem hätte sich möglicherweise ein Problem ergeben, wenn die Stadt tatsächlich „selbstgebaute“ Spielgeräte und Sitzmöbel an der Hauptstraße aufgebaut hätte, deutet Gallitzdorfer an: Die müssen nämlich Tüv-zertifiziert sein, was bei Einzelstücken zusätzlichen Aufwand bedeutet hätte. Lutz Peschelt lässt das so nicht gelten. Die Sitzmöblierung hätte durchaus auch als begehbare Kunst gelten können – so wie etwa auch das Motorrad vor der Arena. „In anderen Städten geht so etwas auch – warum nicht in Riesa?“, fragt er sich.

Der Künstler selbst sagt, er hätte sich gerne eine etwas breitere Debatte darüber gewünscht. Mit gekränkter Eitelkeit habe sein Ärger nichts zu tun, betont er. Dass die Alternative öffentlich nicht einmal erwähnt wurde, finde er schade. „Die Stadt hat sicher viel Geld ausgegeben, um diese Sitzmöbel planen zu lassen. Das hätte man auch günstiger haben können, indem man den Kontakt zur Riesaer Kunstszene sucht.“ Das wäre doch eine gute Möglichkeit gewesen, um Kosten zu sparen.

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Zumindest in die Umgestaltung des Boulevards zwischen Niederlagstraße und Rathausplatz werden Peschelts Ideen nicht mehr einfließen. Der Stadtrat hatte sich im Mai mehrheitlich für den Vorschlag des Architekturbüros entschieden, demnächst soll bereits die Beleuchtung entlang der Straße aufgearbeitet werden. Einige Masten werden dann beispielsweise erneuert und bekommen LED-Leuchten. Die 47 400 Euro dafür hatte der Bauausschuss im Juni freigegeben. Wann die neuen Sitzmöbel kommen, steht noch nicht fest, sagt Stadtsprecher Uwe Päsler: „Das Ausschreibungsverfahren zur Möblierung ist noch nicht abgeschlossen. In der nächsten Woche kann man dann sicher Genaueres sagen.“