Teilen: merken

Hauptstraßen-Pläne fallen durch

Ohne Diskussion wurde das Thema abgesetzt. Warum? Die SZ hat nachgefragt.

© Visualisierung: Stadt Riesa/iproplan

Von Christoph Scharf

Riesa. Ein bunter Riesa-Schriftzug zum Draufsetzen, geschwungene Kunststoff-Elemente zum Liegen, Litfaßsäulen mit Verweis auf die Partnerstädte: Mit diesen Elementen sollte die Hauptstraße attraktiver für Passanten werden. Das Konzept dafür wurde allerdings kurzfristig von der Tagesordnung der Stadtratssitzung genommen. Die Pläne waren schon im Bauausschuss auf wenig Begeisterung gestoßen.

Symbolbild Anzeige
Anzeige

Auktion: Eine bischöfliche Sommerresidenz und renditestarke Objekte 

Interessante Immobilien aus Ostsachsen kommen in Dresden unter den Hammer. Am 1. und 5. März finden in Leipzig und Dresden ...

Auffällig: So könnten die neuen Litfaßsäulen auf der Hauptstraße aussehen. © Visualisierung: Stadt Riesa/iproplan
Farbenfroh: So hatten sich die Planer Sitz- und Liegebänke gedacht. © Visualisierung: Stadt Riesa/iproplan

„Grundsätzlich stehe ich einer Erneuerung der Hauptstraße positiv gegenüber“, sagt CDU-Stadtrat Thomas Gallitzdorfer. Und farbenfroh dürfe es dabei auch sehr gern zugehen. „Aber mir scheint der Pflegeaufwand für die Liegeflächen einfach viel zu groß“, sagt der Riesaer, der ein Geschäft für Raumausstattung führt.

Sein Fraktionskollege Kurt Hähnichen moniert, dass die an der Hauptstraße ansässigen Gewerbevereine WIR und HGV bei den Planungen offenbar nicht involviert waren. „Wir können uns die Hauptstraße nicht einfach zubauen: Was wird sonst bei der Automeile oder beim Stadtfest?“ Die Frage sei, wer die Objekte dann demontiert – und wer den Aufwand zahle. Auch der Pflegeaufwand sei zu beachten. „Wenn man eine Liegebank unter Bäumen aufstellt, muss man die täglich vom Vogeldreck reinigen lassen.“ Notwendig allerdings sei eine Umgestaltung, ohne Zweifel.

Uta Knebel (Linke) moniert, dass sich die Stadtverwaltung selbst nicht sicher sei, was sie in Sachen Hauptstraße genau will. „Wir sollten im Stadtrat beschließen, dass wir – wortwörtlich – der Umgestaltung grundsätzlich zustimmen. Das ist mir zu unkonkret.“ Stefan Schwager von den Freien Wählern sieht bei den Planungen zu wenig die junge Generation berücksichtigt. „Seniorengerechte Bänke sind wichtig. Aber es muss auch was für Familien mit Kindern und Jugendliche geben.“ Er schlägt vor, die Sitzgelegenheiten mit einem Solarmodul und einem USB-Anschluss auszustatten: Dann könnten Smartphone-Nutzer dort sitzen und gleichzeitig ihre Geräte aufladen. „Großstädte machen uns das vor“, sagt der Riesaer, der Ähnliches gerade erst in Burgas am Schwarzen Meer beobachtet hat. – Das Konzept sah unter anderem fünf große Buchstaben vor, die vor der Tourist-Information zum Sitzen einladen und den Schriftzug „Riesa“ bilden. Gleich daneben hatten die Planer eine Litfasssäule vorgesehen: Davon waren auf dem Abschnitt bis zum Rathausplatz gleich mehrere Exemplare vorgesehen. Sie sollten nicht nur Platz für aktuelle Informationen bieten, sondern auch die Logos von Riesas Partnerstädten samt einer Entfernungsangabe tragen. Außerdem schlugen die Planer diverse Senioren-Sitzbänke vor, die mit einer höheren Sitzhöhe und Armstützen Älteren das Aufstehen erleichtert. Offenbar wurde bei den Planungen auch berücksichtigt, dass Elberadweg-Nutzer über die Hauptstraße geführt werden: Die Pläne verzeichnen an etlichen Stellen Fahrradbügel, an denen sich Räder nicht nur anlehnen, sondern auch anschließen lassen.

Sehr markant sehen die geschwungenen bunten Hartschaum-Konstruktionen aus, die zum Sitzen und Liegen geeignet sein sollen. Da gibt es etwa wellenförmige Exemplare. Attraktiver sollte die Hauptstraße aber auch durch mehr Grün werden: Die Planer empfahlen dafür eine Begrünung mit Felsenbirnen-Großsträuchern. Die könnten in Metall-Pflanzkübeln aufgestellt werden und punkten mit ihren Blüten, einer schönen Herbstfärbung und essbaren Früchten.

Kleinere Kinder hätten sich wohl am meisten über fünf Wackelschafe gefreut: Die wurden in der Planung gegenüber der Postbank eingetragen – dort weitet sich die Hauptstraße auf einer Häuserbreite deutlich aus. Die Planer hatten den Stadträten dafür etwas abstrakte Schafe aus Pappelholz empfohlen, die zum Festhalten Ohren aus Seilen haben und wackeln.

Ob diese oder andere Tiere, Sitze, Bänke auf die Hauptstraße kommen, soll sich jetzt zeitnah entscheiden. „Das Planungsbüro wird jetzt die gesammelten Anregungen aus dem Bauausschuss zum Nachbessern nutzen“, sagt Manuela Langer von der Stadtverwaltung. Im April werde es eine neue Vorlage geben. „Wir müssen zeitnah zu einer Beschlussfassung kommen, da wir für das Vorhaben Fördermittel bekommen.“ Insgesamt sind für das Projekt rund 338 000 Euro vorgesehen, gut zwei Drittel der Summe könnte gefördert werden.