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Haus kaputt, Straße dicht

Seit mehr als einem Jahr ist die Friedrichstraße gesperrt. Weil ein Hauseigentümer seinen Pflichten nicht nachkommt.

© Gerhard Schlechte.

Von Jürgen Müller

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Lommatzsch. Manche Anwohner der Friedrichstraße sehen es mit einem gewissen Galgenhumor. „Ist doch schön, jetzt haben wir eine verkehrsberuhigte Zone“, sagt einer. Tatsächlich hat das Mehrfamilienhaus an der Friedrichstraße schon weit bessere Tage gesehen. Hier befand sich einst eine Kindereinrichtung. Doch seit Jahren steht das Haus leer, wurde verkauft. Der Putz an der Fassade bröckelt, Fenster sind eingeschlagen, an der großen Terrasse fehlt ein Geländer. Mehr noch: Schon des Öfteren haben sich Bauteile wie Fassadenverkleidung, Dach-Platten und Fensterglas gelöst, sind auf die Straße und auf den Fußweg gekracht. Zum Glück ist niemand verletzt worden.

Der bisherige Hauseigentümer kümmerte sich nicht um die Immobilie. Offenbar hat er sie zu Spekulationszwecken erworben, ließ das Haus verfallen. Schon 2013 hat die Bauaufsicht des Landratsamtes angeordnet, dass der Eigentümer das Gebäude sichern muss und auch Zwangsgelder verhängt. Doch Erfolg hatte das nicht. Weil Gefahr im Verzug ist, wie es im Behördendeutsch heißt, wurde seit Januar vorigen Jahres die Straße in diesem Bereich gesperrt. Ein Metallzaun verhindert, dass die Straße befahren werden kann.

„Die gesetzten Fristen zur Sicherung der Gebäudesubstanz verliefen ohne Ergebnis. Es sind Rechtsbehelfe gegen die Bescheide aus dem Kreisbauamt anhängig“, so Kerstin Thöns, die Sprecherin des Landratsamtes Meißen. Die Möglichkeit, die Bescheide mit Zwangsgeld durchzusetzen, sei mehrfach angeordnet worden. Daher sei jetzt als letzte mögliche Maßnahme die Anordnung der Arbeiten in Ersatzvornahme, das heißt im Auftrag der Bauaufsichtsbehörde geplant. Da ein neuer Eigentümer das Grundstück übernommen habe, sei diesem aber vorab nochmals die Gelegenheit zu geben, in eigener Regie Sicherungen durchzuführen, heißt es von der Bauaufsicht weiter. In der Vergangenheit seien im Landkreis Meißen aus ähnlichen Gründen bereits mehrfach Straßensperrungen veranlasst worden. Derzeit sei jedoch keine weitere Straßensperrung geplant.

Ärgerlich ist die Sache auch für die Stadt Lommatzsch, aber sie ist hier machtlos. Oft seien die Eigentümer nicht greifbar, hätten keine Mittel oder schlicht keine Lust zur Sicherung der Gebäude. „Das ist auch für die Mitarbeiter der Stadtverwaltung sehr ärgerlich“, so Bürgermeisterin Anita Maaß (FDP). Die Stadt stehe in ständigem Kontakt mit dem Landkreis Meißen, um zumindest Sicherungsmaßnahmen für den öffentlichen Bereich zu erzwingen. Leider sei die Stadt Lommatzsch hier nicht selbst zuständig. Die Bürgermeisterin bittet, die von Sperrungen betroffenen Nachbarn und Passanten, die Sperrmaßnahmen zu akzeptieren und nicht – wie schon des Öfteren geschehen – zu ignorieren, beiseite zu rücken oder zu beschädigen. „Sie gefährden damit sich und andere Passanten.“ Wenn Nachbarn oder Passanten gefährliche Zustände an Gebäuden bemerkten, sollte sie dies der Stadt melden, damit diese das Bauordnungsamt einschalten oder bei Gefahr im Verzug die erforderlichen Maßnahmen ergreifen könne, so die Bürgermeisterin.