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Mieten in Sachsen – zu hoch oder doch zu niedrig?

Sachsens Vermieter finden Preisbremsen unnötig: „Wir sind hier nicht in Berlin.“ Sie machen andere Vorschläge.

Von Georg Moeritz
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Bleibt eine Mietwohnung mit Balkon bezahlbar? Sächsische Vermieter halten ihre Preise für vergleichsweise niedrig und fürchten einen Wahlkampf mit Themen wie Mietpreisbremse.
Bleibt eine Mietwohnung mit Balkon bezahlbar? Sächsische Vermieter halten ihre Preise für vergleichsweise niedrig und fürchten einen Wahlkampf mit Themen wie Mietpreisbremse. © dpa-Zentralbild

Dresden. Für 7,70 Euro pro Quadratmeter ließ sich voriges Jahr in Dresden eine Wohnung finden. Das war der Durchschnittspreis. Noch zehn Jahre vorher genügten 5,92 Euro. Diese Statistik des Innenministeriums hat die Bundestagsabgeordnete Caren Lay (Linke) vorige Woche veröffentlicht.

Angesichts der starken Preissteigerung verlangte Lay eine Mietpreisbremse. Die ist im sächsischen Koalitionsvertrag für die Städte Dresden und Leipzig schon vorgesehen. Doch Sachsens Vermieter machen eine andere Rechnung auf. Gemeinsam setzten sich am Mittwoch die Chefs der drei großen Verbände der Immobilienwirtschaft vor eine Kamera und luden zum Pressegespräch über „Bezahlbarkeit des Wohnens in Sachsen heute und übermorgen“.

Wer nicht umzieht, spürt selten Miet-Erhöhung

Die Durchschnittsmiete in Sachsen liege bei 5,40 Euro pro Quadratmeter, sagte Rainer Seifert, Direktor des VDW Sachsen Verband der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft. Jedenfalls gelte das für die drei Verbände, darunter Haus & Grund sowie der Verband Sächsischer Wohnungsgenossenschaften (VSWG). Wenn von höheren Mieten die Rede sei, gehe es um Neuvermietungen und Wohnungsangebote.

Doch die meisten Mieter blieben rund 15 Jahre in einer Wohnung, sagte VSWG-Vorstand Mirjam Luserke. Solche Bestandsmieter hätten in den vergangenen zehn Jahren im Schnitt weniger als 1,5 Prozent Mieterhöhung zu spüren bekommen. „Das ist eigentlich nichts,“ sagte Luserke, „bei uns kann man bezahlbar wohnen.“ Sachsen sei nicht Berlin, Hamburg oder München.

Vermieter werfen der SPD Zwietracht vor

Haus-&-Grund-Präsident René Hobusch sagte, zwar gebe es auch „anonyme und fondsgetriebene“ Vermieter. Doch die meisten seien sozial und hätten auch corona-geschädigten Mietern Geld gestundet. Die Forderung nach einer Mietpreisbremse solle nach seinem Eindruck vor allem der SPD helfen, sich im Bundestagswahlkampf als sozial darzustellen. Luserke sagte, solche Versprechen führten zu übertrieben hohen Erwartungen und säten Zwietracht zwischen Mietern und Vermietern.

Im sächsischen Koalitionsvertrag für 2019–2024 haben die Parteien vereinbart: „Wir wollen es den Kommunen ermöglichen, bei Fehlentwicklungen auf dem Wohnungsmarkt geeignete Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Dazu zählen Möglichkeiten regionaler und temporärer Instrumente wie die Mietpreisbremse, Kappungsgrenzen sowie Zweckentfremdungs- und Umnutzungsverbote. Für Dresden und Leipzig werden wir die rechtlichen Voraussetzungen zur Einführung einer Mietpreisbremse noch im Jahr 2020 schaffen.“

Der SPD-Landtagsabgeordnete Albrecht Pallas entgegnete auf die Vorwürfe der Wohnungswirtschaft, Politiker wollten vermitteln. Mieter seien meistens schwächer als Vermieter. Er sehe aber auch die Sorgen der Vermieter, etwa bei Kosten für Klimaschutz und Abbau von Barrieren. Auch dazu haben die Verbände Forderungen erhoben.

Staat gibt 70 Euro Zuschuss für Abriss pro Quadratmeter

Seifert sagte, zwar gebe es schon bis zu 40 Prozent Zuschuss vom Bund, um Wohnungen für weniger CO2-Ausstoß zu renovieren. Doch es blieben Kosten, die zu einer Modernisierungsumlage von bis zu 1,50 Euro pro Quadratmeter führen könnten. Das könne man von Mietern auf dem Lande nicht verlangen, die Gemeinschaft müsse einspringen.

Aus Sicht der Vermieter sind manche Mieten im Erzgebirge „nicht angemessen“. Bei weniger als fünf Euro pro Quadratmeter müsse der Vermieter noch Geld zuschießen, um Wohnungen seniorengerecht zu gestalten und sie auch künftig noch zu vermieten. Im ländlichen Raum gebe es einen „Instandhaltungsrückstau“.

Trotz subventionierter Abrisse gebe es noch immer mehr als acht Prozent Leerstand, in Orten wie Johanngeorgenstadt deutlich mehr. Die 70 Euro Zuschuss vom Staat pro Quadratmeter für Abriss genügten nicht mehr, weil die Preise der Baubranche stiegen.

Inflation bei Baulandpreisen in Sachsens Großstädten

Selbst in Leipzig seien 3.500 sanierte Wohnungen zu bezahlbaren Mieten zu haben, in Dresden rund 1.000. Freilich gebe es den Leerstand „nicht immer in dem Viertel, das gewünscht wird“, sagte Luserke. Der Staat müsse außerdem kleinere Orte attraktiv machen, auch mit Busverkehr und Digitalisierung, damit dort weiterhin Mieten gezahlt würden.

Dass Immobilien in Sachsens Großstädten rasch teurer werden, belegte am Mittwoch der sächsische Oberste Gutachterausschuss mit neuen Zahlen: Der Quadratmeter Bauland in Dresden und Leipzig wurde voriges Jahr um 40 Euro teurer, eine Doppelhaushälfte um 40.000 Euro.

Demnach zahlten Käufer voriges Jahr für einen Quadratmeter Wohnungsbauland im Durchschnitt rund 300 Euro in Dresden, 275 Euro in Leipzig und 100 Euro in Chemnitz. Neue Statistiken für die Landkreise sollen im Herbst veröffentlicht werden.