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Hausarztpraxis in neuen Händen

Das Zittauer Ärztepaar Kuttner ist mit 68 Jahren in den Ruhestand gegangen. Nun kümmern sich zwei junge Frauen aus Liberec um die 2 000 Patienten.

© Rafael Sampedro

Von Grit Lobstein

Zittau. Mit einem fröhlichen Lachen auf den Lippen durchquert Diplom-Mediziner Dietmar Kutter seine wohlvertrauten Praxisräume an der Dornspachstraße in Zittau. Mit seiner Frau Gabriele, ebenfalls Diplom-Medizinerin, war er hier seit dem 1. April 1993 tätig. „Wir waren immer gern Ärzte“, sagt er. Dies sei auch schon vor der Zeit auf der Dornspachstraße so gewesen. Schließlich begannen Kuttners 1974 ihre Ärztelaufbahn in Zittau. Zuerst im Krankenhaus, wenige Jahre später, nach der Facharztausbildung, dann als Bereichsärzte und schließlich als Hausärzte mit eigener Praxis. Jetzt sind beide 68 Jahre und glücklich, ihre Praxis übergeben zu können.

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Seit 1. April haben MU Dr. Dominika Karaskova und MU Dr. Katerina Horn diese erworben und betreiben sie als Gemeinschaftspraxis. „Wir wollten beide gern selbstständig arbeiten“, sagt eine von ihnen. Als beide schließlich die Empfehlung der Ärztinnen MU Dr. Lukesova und MU Dr. Nyklova bekamen, die als angestellte Ärztinnen bei Kuttners arbeiteten, selber aber den Schritt noch nicht wagen wollten, war die Sache zügig beschlossen. „Schon der erste Eindruck war super, menschlich, nett und professionell“, heißt es vonseiten der Liberecinnen. Sie übernahmen das gesamte Praxisteam und über 2 000 Patienten. Derzeit nehmen sie auch noch neue auf.

Dominika Karaskova ist mit 33 Jahren die jüngere der beiden und hat ihre erste Arbeitswoche als niedergelassene Ärztin gut hinter sich gebracht. Denn während Katerina Horn schon seit Jahresbeginn in der Praxis tätig ist, war sie noch bis Gründonnerstag am Klinikum „Oberlausitzer Bergland“ tätig. Dort arbeitete Dominika Karaskova seit 2010, zuerst in Ebersbach später in Zittau. Im Krankenhaus absolvierte sie ihre Facharztausbildung für „Innere Medizin“ und erwarb einige Zusatzqualifikationen. Genauso wie Katerina Horn studierte die 33-Jährige einst in Prag. Ihre guten Deutschkenntnisse verdankt sie ihrer Zeit am Gymnasium, die durch die Jahre in Deutschland gefestigt wurden. Trotz allem wohnt die junge Frau weiter mit ihrem Mann und ihrer vierjährigen Tochter in Liberec und pendelt täglich von dort über Hirschfelde, wo Tochter Anna in den Kindergarten geht, nach Zittau.

Auch Katerina Horn lebt mit ihrer Familie in Liberec. Ihren dreijährigen Sohn bringt sie täglich in eine Kita in Zittau. Auch die 37-jährige arbeitete am Zittauer Klinikum. In der Zeit von 2007 bis Ende 2017 lernte sie viel von Dr. Heidrun Zeißig und Dr. Elke Lohrberg, machte ihren Facharzt und erwarb weitere Qualifikationen, wie für Ultraschalluntersuchungen. Ausgestattet mit viel Wissen und Erfahrung begann sie im Januar in der Praxis von Kuttners. Dies macht den beiden jungen Frauen den Start jetzt leichter. Denn Bürokratie und Praxisalltag unterscheiden sich schon mächtig von dem Tagesablauf im Krankenhaus. „Dafür haben wir hier die Chance, unser Patienten besser kennenzulernen, ihren Behandlungsverlauf zu beobachten und so einen besseren Bezug zu ihnen zu bekommen“, berichtet Katerina Horn. Nicht zuletzt sind die Arbeitszeiten in einer Hausarztpraxis familienfreundlicher als in einem Klinikum. Dennoch bleibt beiden derzeit wenig Freizeit. Die gehört ihren Familien, mit denen sie gern verreisen oder Zittau und das Gebirge besuchen. Schließlich gefällt ihnen die Umgebung, wie die Liberecerinnen berichten.

Währenddem freut sich das Ehepaar Kuttner nun auf die Zeit mit ihren sieben Enkeln. „Ich werde die freie Zeit auch zum Musizieren nutzen“, meint Mann Dietmar. Die Musik liegt ihm fast genauso wie die Medizin. Vor seinem Medizinstudium studierte er sogar mal kurz Musik. „Und er spielt im Deutschen-Ärzte-Orchester“, fügt seine Frau hinzu. Ein klein wenig bleibt Kuttner der Praxis aber noch erhalten. Ein halbes Jahr lang wird er noch als Sicherstellungsassistent Hausbesuche bei chronisch Kranken machen. Die Zeit nach der Praxisübergabe ist also gut verplant und die Freude darauf den Mediziner anzusehen.