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Dresden

Hausbewohner schwärzt Nachbarn an

Michael M. bezeichnete Mieter als Diebe, drohte ihnen und verlangte, sie müssten betreut werden. Alles haltlose Vorwürfe. Dafür sollte er eigentlich eine Strafe zahlen.

Eigentlich sollte Michael M. am Dienstag hier im Amtsgericht Dresden erscheinen.
Eigentlich sollte Michael M. am Dienstag hier im Amtsgericht Dresden erscheinen. © Marion Doering

Dresden. Der eine ist für ihn ein alkoholsüchtiger Waffennarr, außerdem wohnt in seinem Haus an der Robinienstraße in Gorbitz eine Frau, die andere Hausbewohner aggressiv belästigt. Von beiden Tatsachen ist Michael M. fest überzeugt. So fest, dass sich der arbeitslose 58-Jährige zum Handeln gezwungen sah. Doch der Mann und die Frau, die jeweils mit ihren Ehepartnern in dem Haus wohnen, haben sich nichts zuschulden kommen lassen.

Es fing damit an, dass M. in dem Haus einen Zettel aushängte. Darauf stand, alle, die Opfer der zwei Mitbewohner seien, sollten sich bei ihm melden. Es ging um Einbrüche, die Frau G. und Herr J. begangen haben sollen. Die Polizei wisse Bescheid, schrieb Michael M. auf den Aushang. Doch den Ehepaaren war nichts vorzuwerfen. Das wusste M. auch, ist die Staatsanwaltschaft überzeugt. Im August 2018 bedrohte er dann Herrn J. im Treppenhaus mit einem Messer. Bei der Hausverwaltung sagte er später: "Beim nächsten Mal steche ich ihn ab."

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Schließlich ging M. so weit, dass er beim Gericht Betreuungsverfahren für die von ihm Verdächtigten anregte. Solch ein Verfahren setzt voraus, dass der Betroffene wegen psychischer oder physischer Probleme nicht mehr in der Lage ist, seine Angelegenheiten zu regeln. Das begründete M. damit, dass Frau G. Hausbesitzer belästigt und J. alkoholsüchtig und ein Waffennarr sei.

Der Fall landete vor Gericht, M. wurde wegen Verleumdung zu einer Geldstrafe verurteilt. Er sollte 120 Tagessätze von je 15 Euro zahlen. Doch M. zahlte nicht, er legte schriftlich Einspruch ein. Diesen Brief verlas Richter Jochen Meißner am Dienstag, als es im Amtsgericht um die Vorwürfe und den Einspruch des Dresdners gehen sollte. M. kam nicht und begründete dies unter anderem damit, er werde nicht vor Zeugen aussagen, bekäme keine Prozesskostenhilfe und könne sich als Arbeitsloser keinen Anwalt leisten. Außerdem trage er keine Schutzmaske und desinfiziere sich nicht. Schließlich verlangte er eine Einstellung des Verfahrens und dafür einen schriftlichen Beleg "bis zum 10. August".

Meißner konnte seinen Wünschen nicht entsprechen. Er verwarf den Einspruch gegen den Strafbefehl. Nun müsste M. eigentlich die Geldstrafe zahlen. Doch ob es dazu wirklich kommt, ist offen. Bleibt er bei seiner Verweigerung, wird sich das Gericht erneut mit dem Fall befassen müssen. (SZ/csp) 

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