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Haussicherung braucht jetzt Plusgrade

Die Arbeiten an der Bismarckstraße 29 sind aufwendiger und teurer als gedacht. Und ein Ende noch nicht absehbar.

© Nikolai Schmidt

Von Ingo Kramer

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Görlitz. So schön ist der Februar selten: Bis Freitag waren in Görlitz nach Auskunft der Wetterwarte schon 80 Prozent der in diesem Monat üblichen Sonnenscheindauer erreicht. Andererseits sind erst sieben Prozent des durchschnittlichen Gesamtniederschlages gefallen – insgesamt gerade einmal 2,6 Liter pro Quadratmeter.

Ideales Wetter also, um das einsturzgefährdete Dach der Bismarckstraße 29 zu ersetzen? „Jein“, sagt Hartmut Wilke, der Leiter des Amtes für Stadtentwicklung. Für die Abbrucharbeiten ist es gut, für die Zimmerer auch. Nicht jedoch für die Maurer: „Sie brauchen Tages- und Nachttemperaturen über null Grad.“ Anders gesagt: Maurerarbeiten sind derzeit nicht möglich. „Davon hängt jetzt aber viel ab“, sagt Wilke.

Weil nicht klar ist, wann eine frostfreie Periode kommt, kann er derzeit nicht sagen, wie lange die Sicherung noch dauert. Die Stadt beobachte die Wetterprognosen sehr genau, so Wilke: „Auf jeden Fall werden die Arbeiter im Februar nicht mehr fertig.“ Sobald der Kran aber nicht mehr gebraucht wird, können einige Absperrungen verschwinden, darunter der Fußgängertunnel auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Dies wird im Moment vom Sachverständigen geprüft. „Vielleicht können wir dann auch eine Fahrbahnseite oder gar beide Seiten für den Verkehr freigeben“, so Wilke. Sicher ist das aber nicht.

Andererseits gibt es auch Probleme, denn das Haus ist kaputter als zunächst angenommen: „Manches zeigt sich erst beim Öffnen und Freilegen.“ Dadurch sind einige zusätzliche Abbrucharbeiten nötig geworden. Das betrifft nicht nur das Dachgeschoss, sondern auch Wände in den darunter liegenden Wohnetagen, also unterhalb von durchgebrochenen Decken. Wieder aufgemauert werden aber nur die Wände, die zur Aussteifung des Hauses nötig sind. Die Stadt muss auf die Kosten achten, unternimmt also nur das, was für die Standfestigkeit wirklich nötig ist. Zudem sind die Balken teilweise verrottet und müssen ebenfalls abgetragen werden. Deshalb sind längere Balken für die Aussteifung bis zur nächsten tragenden Wand erforderlich. Derzeit laufen vor allem Arbeiten im Inneren des Hauses. „Vieles hängt aber auch dort von den Maurerarbeiten ab“, so Wilke. Erst wenn die Wände stabil sind, können die Zimmerer die restlichen Balken einbauen und das Dach schließen.

Auf jeden Fall werden die Arbeiten durch den Mehraufwand teurer. Konkrete Zahlen stehen aber noch nicht fest. Ursprünglich hatte die Stadt etwa 75 000 Euro eingeplant. Sie hatte die Bismarckstraße am 30. November komplett für den Verkehr gesperrt. Das geschah, nachdem ein Statiker festgestellt hatte, dass das Dach des Hauses Nummer 29 einsturzgefährdet ist. Eigentümer ist eine Einzelperson mit Postanschrift in Deutschland. Der Mann ist nach Auskunft der Stadtverwaltung nicht bereit, sein Eigentum zu reparieren und somit für Sicherheit auf der Straße zu sorgen. Im Gegenteil: Er hat der Stadt sogar mit rechtlichen Schritten gedroht, sollte sie etwas an seinem Gebäude unternehmen.

Das Rathaus lässt sich nicht einschüchtern und hat nach mehreren Kontaktversuchen mit dem Mann begonnen, das Dach auf eigene Faust zu sichern. Die Kosten will sie ihm in Rechnung stellen. Der Mann hat sich in den vergangenen Wochen nicht mehr gemeldet, weder eine Kooperation angedeutet noch weitere rechtliche Schritte angedroht. Für die Händler in der Bismarckstraße ist die Situation indes nach wie vor angespannt: Seit der Sperrung der Straße haben sie massive Umsatzrückgänge, weil Kunden nicht immer vor der Tür parken können. Alle Läden haben aber weiterhin geöffnet. Wer sie unterstützen will, sollte jetzt gezielt dort einkaufen.