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„He, Hopp!“

Wie schwer ist es eigentlich, ein Zirkuszelt aufzubauen? Wenn das Team stimmt, geht die Arbeit rasant, beweist der Circus Probst in Pirna.

© Norbert Millauer

Von Sophie Lerche

Pirna. Etliche Wohnanhänger stehen nahe Möbel Graf. Auf einem steht bunt „Büro“ gepinselt. Mathijs te Kiefte erledigt von hier aus seine Arbeit. Er ist Produktionsleiter des Circus Probst, der diese Woche in Pirna zu Gast ist und seine Gäste mit neuen und spektakulären Inszenierungen zum Staunen bringen möchte. Höhepunkt der Vorstellungen: Raubtierlehrer Tom Diecke Jr. mit seiner Raubtiergruppe aus weißen Löwen, Tigern und imposanten Ligern, einer Kreuzung aus Löwe und Tiger.

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Am Dienstag rückte der Zirkus-Tross an, um alles für die Vorstellungen vorzubereiten. Noch bevor um acht Uhr morgens der Aufbau des Hauptzeltes beginnt, füttert Tom Diecke Jr. seine Schützlinge und beseitigt die letzten Schmutzreste aus den Transportboxen, in denen sich die Tiere befinden, bevor er sie eine Zeit lang in separate Gehege sperrt. „Ich muss sichergehen, dass jedes Tier sein eigenes Fleisch hat und dieses auch frisst.“, erklärt der 35-Jährige. Alle Tiere sind aufgeregt, schnauben und laufen nervös hin und her. Dann spießt Diecke endlich die rohen und lang ersehnten Fleischstücke auf einen Haken und schiebt sie durch eine Luke zu den Tieren in die Boxen.

Während es sich die Raubtiere schmecken lassen, stehen nebenan bereits vier Masten, auf die sich das große Zirkuszelt später stützt. Auch das Zeltdach selbst liegt bereits oben drauf. Insgesamt 15 Männer jeden Alters haben bereits gute Arbeit geleistet. Es wird noch viel Schufterei folgen an diesem Tag. Da ist es eher schlecht für die Männer, dass der anfangs bewölkte Himmel aufzieht und die Sonne zum Vorschein kommt. Sie werden schwitzen.

Circus Probst: „Fantastico“

Vorstellungen: Donnerstag, 16. August, 17 Uhr (Familientag); Freitag, 17. August, 16 Uhr und 19.30 Uhr; Sonnabend, 18. August, 16 Uhr und 19.30 Uhr; Sonntag, 19. August, 11 Uhr und 16 Uhr

Tierschau: täglich von 10 bis 18 Uhr und während der Pause.

Karten: www.circus-probst.de oder 01757978449 und ab 16. August von 10 Uhr bis 13 Uhr sowie zu den Vorstellungen an der Zirkuskasse.

Ort: Pirna, Kunstseidenstraße nahe B 172 in Höhe Möbel Graf. (SZ)

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„Das Hauptzelt muss auf der höchsten Stelle der Fläche stehen, damit das Wasser gut abfließen kann, falls es regnet.“, erläutert Zeltmeister Andreas Probst, Urenkel des Zirkusgründers Karl Probst. Auf dem Platz springt fröhlich eine kleine Jack-Russel-Hündin namens Luna umher, signalisiert den Männern, dass sie spielen will. Doch für Spielchen bleibt keine Zeit. Aus einem Anhänger, der direkt am Zeltgerüst steht, holen die Männer Metallstangen in verschiedensten Größen. Während zehn von ihnen von innen das Zeltdach spannen, klettern zwei andere oberkörperfrei das Dach hinauf und befestigen es von oben an den Masten. Jeder kennt seine Aufgabe genau. Geredet wird kaum. Und wenn, dann ist es meist kein Deutsch, sondern oft Russisch.

Viele Arbeiter wurden extra für den Aufbau der Zelte eingestellt. Neben ein paar knappen Zurufen sind Arbeitsgeräusche, wie etwa das Fallenlassen einer Eisenstange auf den harten Boden, nahezu das Einzige, was zu hören ist. Ab und an wird auch gepfiffen. Die Löwen und Tiger lassen es sich unterdessen in der aufkommenden Sonne gut gehen und verdauen das leichte Frühstück. Hin und wieder begeben sich einige der Arbeiter auf ihre Plätze zu den Wohnmobilen, rauchen eine Zigarette oder beißen in ein belegtes Brötchen.

Der Zeltaufbau geht unglaublich schnell. Die Männer auf dem Zeltdach sind schon mit dem Entwirren der Lichterkette, die außen angebracht werden soll, beschäftigt. Auf das Kommando „He, Hopp!“ werden drinnen körperlich besonders schwere Aufgaben gemeinsam erledigt. Man merkt, dass hier niemand zum ersten Mal dabei ist. „Wir bauen in der Saison ein- bis zweimal die Woche auf und ab“, sagt Reinhard Probst. Der 62-Jährige leitet den Zirkus bereits in dritter Generation. Auch er packt kräftig mit an.

Mittlerweile haben sich auch Artisten wie Olga, die später ein Zirkusclown sein wird, ihr Sohn Alex, der für Licht- und Tontechnik verantwortlich ist, oder die Luftakrobatin Tamara Khurchudova im Zirkuszelt versammelt. Sie helfen, wo sie können. Alex und Mehni, beide 16, basteln auf dem Regiepodium an der Technik. Lichter gehen an, Lichter gehen aus. Vorher wurden sie mit Ketten die Masten hinaufgezogen. „Ich finde cool, dass man so viel hin und her reist“, grinst Mehni, der beim Aufbau hilft. „Blöd ist nur, dass die Freunde so weit weg sind.“ Alex ist in seine Arbeit vertieft. Gerade hat Probst die beiden Jungen darauf hingewiesen, dass sie den Vorhang am Eingang falsch herum angehangen haben.

Gegenüber vom Regiepodest wurde eine kleine Bühne aufgestellt. Während der Show treten die Artisten daraus hervor. Rote Vorhänge schützen den Blick. Reinhard Probst kehrt den Boden der Bühne. Alle schweren Utensilien, wie etwa Logen und Manegen, werden mit einem Gabelstapler in das Zelt gefahren und auf den Platz gelegt. Die Gestelle der Besuchertribünen werden reihum aufgestellt, die Sitze später in Dreierreihen darauf befestigt. Zwei Männer befestigen die Geländer an den Treppen. Jetzt wird auch die Umrandung ums Zeltdach angebracht, weshalb es im Zelt von Sekunde zu Sekunde dunkler wird. Hinter der Loge, die im Kreis hinter der Manege aufgestellt ist, stapeln die Artisten rote Polsterstühle, die dann mit einer Plane überdeckt werden, um nicht einzustauben.

Gegen 13 Uhr ist das Zelt fertig aufgebaut. „In diesen Job kommt man rein,“ sagt Produktionsleiter Mathijs te Kiefte. „Hat man einmal ein Zelt aufgebaut, weiß man, wie es funktioniert.“