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Heidelberger beim Blasmusikfestival

Der Orchesterverein aus der Partnerstadt Heidelberg war jetzt zum zweiten Mal zu Besuch in Bautzen. Für ihren Auftritt hatten die Musiker eine besondere Idee.

© Carmen Schumann

Von Carmen Schumann

Bautzen. Sie spielen auf der Bühne am Hauptmarkt all die Gassenhauer, die den Bautzenern noch so gut im Ohr liegen vom Sommertheater: „Wäre det nicht wunderscheen“ oder „Ich hätt getanzt heut Nacht“ und noch weitere Titel aus dem Musical „My Fair Lady“, welches im letzten Sommer ein richtiger Kassenknüller wurde und demnächst sogar noch einmal im Großen Haus aufgeführt wird. Doch dass die Bautzener ausgerechnet dieses Potpourri noch so gut im Ohr haben, wusste Herrmann Häfner nicht. Der musikalische Leiter des Orchestervereins Heidelberg- Handschuhsheim sagt, sein Orchester habe dieses schöne Medley deshalb im Programm, weil es sein leider viel zu früh gestorbener Bruder Wilhelm Häfner arrangiert hatte.

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Wilhelm Häfner war es auch, der den Kontakt zum Jugendblasorchester (JBO) Bautzen angebahnt hatte. Genau 25 Jahre ist das nun her. Bereits 1990 war eine Delegation der Bautzener CDU in die Stadt am Neckar gereist, die ein Jahr später offiziell zur Partnerstadt von Bautzen werden sollte. An der städtischen Musik- und Singschule lernten die Bautzener Wilhelm Häfner kennen. Schon kurze Zeit später besuchte er die Mitglieder des Jugendblasorchesters in ihrem Probenlager in Seifhennersdorf und brachte ihnen einen großen Packen Noten mit, nach denen das Bautzener Orchester zum Teil noch heute spielt. Matthias Hauschild, der damalige Leiter des Jugendblasorchesters, und Alexander Herrmann, der heute das JBO dirigiert, waren im Jahr 1991 im Gefolge des Heidelberger Orchestervereins zu Gast in Rehovot, der israelischen Partnerstadt von Heidelberg. Die beiden durften außerdem auch an Ausbildungslehrgängen in Heidelberg teilnehmen. „Dabei haben wir viel gelernt, was unserem Orchester zugute kam“, sagt Matthias Hauschild rückblickend.

Bautzener beim Jubiläum in Heidelberg

Von Wilhelm Häfner erhielten die Bautzener zudem den Tipp, die Bundeswehr um Unterstützung bei der Beschaffung von Instrumenten zu bitten. Denn in der Nachwendezeit spielten die Bautzener auf Instrumenten, die schon ziemlich verschlissen waren. Tatsächlich erhielten die Mitglieder des JBO nach ihrer Anfrage beim Verteidigungsministerium Instrumente der Bundeswehr zur Verfügung gestellt.

Der Orchesterverein aus Heidelberg, der 1892 gegründet wurde, feiert alle fünf Jahre sein Jubiläum. Dazu wurden die Bautzener jedes Mal auch eingeladen. Beim Bautzener Blasmusikfest, das alle zwei Jahre stattfindet, sind die Heidelberger erst zum zweiten Mal zu Gast. „In Bautzen zu sein, das ist immer wieder ein Erlebnis“, schwärmt Herrmann Häfner, der die Leitung des Orchesters im Sinne seines Bruders fortführt. „Bautzen ist ja auch eine wunderschöne Stadt“, sagt er. Leider hatte sein Orchester keine Möglichkeit zur Übernachtung in der Spreestadt mehr gefunden – schließlich waren ja an diesem Festivalwochenende rund 700 Musiker in Bautzen unterzubringen. Deshalb wichen die Heidelberger nach Dresden aus und nutzten die Gelegenheit, sich in der Semperoper den „Fliegenden Holländer“ anzusehen. So verpassten sie allerdings am Freitagabend in Bautzen das viel umjubelte Eröffnungskonzert des Blasmusikfestes in der Maria-Martha-Kirche.