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IPO-Gegner strömen in Barockgarten-Verein

Der Großsedlitzer Förderverein hat sich beim Thema Industriepark bislang zurückgehalten. Nun wird die interne Auseinandersetzung schärfer.

Im März sagte Schlösserland-Chef Christian Striefler in Großsedlitz, was er vom IPO hält: Der sei ein absurdes Hirngespinst.
Im März sagte Schlösserland-Chef Christian Striefler in Großsedlitz, was er vom IPO hält: Der sei ein absurdes Hirngespinst. © Daniel Förster

Der Zweckverband Industriepark Oberelbe und der Barockgarten Großsedlitz sind Nachbarn, die sich bisher weitgehend aus dem Weg gingen. Während über die Pläne zum IPO heftig gestritten wurde und wird, hat sich der Barockgarten rausgehalten.

Vielleicht lag das auch an der Vielschichtigkeit des Themas. Der Verein will das Beste für den Barockgarten, will ihn bewahren und fördern. Gleichzeitig will er sich auch für Großsedlitz und dessen Entwicklung einsetzen. Das sind die zwei Seiten und zwei Seelen, die in vielen im Verein stecken, sagt auch Vorsitzende Simone Balsam. Bisher ist man mit der Zurückhaltung recht gut gefahren und wurde auch mehr oder weniger in Ruhe gelassen.

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Schlösser-Chef Striefler: "Absurdes Hirngespinst"

Das ändert sich nun. Den Ausschlag gab Christian Striefler, Geschäftsführer vom Schlösserland Sachsen. Das hat sich schon seit 2018 kritisch geäußert, doch bisher nicht so öffentlich. Striefler sagte nun im März zum Abschluss des Aktionstages für den Schutz des Dresdner Umlandes im Barockgarten Großsedlitz: "Als ich das erste Mal vom IPO gehört habe, das da am Horizont, wenn mal so will ein Industriepark entstehen soll, war mein spontaner Gedanke, das ist Quatsch. Das ist so absurd. Das ist ein Hirngespinst, aber mehr ist es nicht. Ich lag völlig falsch. Die Pläne waren schon ziemlich weit gediehen." Man sei sehr enttäuscht, dass die aus seiner Sicht berechtigten Bedenken gegen den IPO zwar gehört, aber nicht beachtet wurden. Die zentralen Argumente des Schlösserlandes sind:

  • Die formulierten Vorhaben hätten eine grundlegende Veränderung des Gartendenkmals zur Folge;
  • Die umliegenden Flächen in der Nachbarschaft des Barockgartens und der Barockgarten selbst bilden eine "Sachgesamtheit";
  • Das Gewerbegebiet würde wichtige Sichtachsen beispielsweise zur Sächsischen Schweiz und zum Elbtal, die zum Gesamtensemble des Gartens gehören, zerstören;
  • Man befürchtet eine erhebliche Steigerung der Lärmimmissionen;
  • Man befürchtet eine erhebliche Steigerung der Lichtimmission.

Gegen IPO "unter jetzigen Bedingungen"

Bei dieser Veranstaltung im März wurden Vorsitzender Simone Balsam auch zehn Anträge auf Eintritt in den Förderverein übergeben. Der Vorstand hat die Anträge bereits bestätigt. Prinzipiell kann er sie laut Satzung auch ohne Begründung ablehnen. Was er aber nicht tat. Der Verein hat nun 39 Mitglieder plus zwei Fördermitglieder.

Zum Vorstand gehört unter anderem Michael Lewalder. Der Großsedlitzer ist gewissermaßen doppelter Nachbar, vom Barockgarten und vom IPO. Er macht kein Geheimnis daraus, es ist ja auch an den Plakaten an seinem Gartenzaun zu sehen, er ist gegen das Vorhaben. "Unter den jetzigen Bedingungen", sagt Lewalder. Würde ein Investor bekannt, seine Größe, die Zahl der Arbeitsplätze und dessen positive Haltung zum Barockgarten, "würde ich die Plakate sofort wieder abnehmen". Danach sieht es derzeit nicht aus. Die IPO-Macher argumentieren immer wieder damit, dass sich kein Investor auf noch nicht fertige, also unerschlossene Flächen einlässt.

Gegen Instrumentalisierung des Vereins

Lewalder könnte also froh sein, wenn die IPO-Kritiker im Förderverein mehr werden. Doch er ist dagegen, ihn zu instrumentalisieren. Stattdessen will er eine sachliche und partnerschaftliche Zusammenarbeit. Persönlich hat er derzeit keinen Grund, von seiner Meinung abzuweichen. Auch, wenn die Gegner immer mal wieder an seiner Tür klingeln und versuchen, ihn im Verein auf ihre Seite zu ziehen.

Der Konflikt lässt sich nicht wegreden, sagt Simone Balsam. Der Barockgarten ist in der historischen Umgebung angelegt, die er auch braucht. Dreh- und Angelpunkt sind die auch von Striefler erwähnten Sichtachsen. Wenn man also mit der Orangerie im Rücken in Richtung Pirna und Sächsische Schweiz guckt, soll man das sehen, was schon August der Starke sah: Nämlich nichts. Keine Schornsteine, keine hohen Firmengebäude.

Noch offene Frage des Verkehrs

Aktuell ist das auch nicht vorgesehen. Erstens soll zunächst der Pirnaer Bereich des Industrieparkes links von der Sichtachse bebaut werden, zweitens liegt das Gebiet insgesamt tiefer und drittens baut heute keiner mehr hohe Schornsteine. Dennoch befinden sich Großsedlitz und der Barockgarten auf keiner Insel. Nach wie vor nicht endgültig geklärt sind die Verkehrswege. Dass sich Lkw-Schlangen durch Großsedlitz quälen ist eher nicht anzunehmen, wohl aber könnten Arbeiter im Industriepark die Straße als Abkürzung nehmen.

Der Barockgarten selbst will perspektivisch mehr Besucher. Deshalb soll er künftig über den Industriepark erreicht werden, der Haupteingang ans Friedrichschlösschen verlagert werden und ein Besucherzentrum entstehen. Ein Parkplatz ist am Schäferweg angedacht, was die Parkstraße entlasten würde. "Es ist schwierig", sagt Simone Balsam und meint die Situation im Verein ebenso wie das Abwägen der Interessen.

Sortieren bis zur Vorstandswahl 2022

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Die Mitgliederversammlung findet sonst immer im März statt, voriges Jahr wurde sie auf den September verschoben. Davon ist auch dieses Jahr auszugehen. Vorstandswahlen sind erst nächstes Jahr wieder. Simone Balsam wollte schon bei den letzten nicht wieder als Vorsitzende bereitstehen. Das hatte aber nichts mit dem IPO zu tun, sondern dass sie nach inzwischen sieben Jahre die Verantwortung gern in andere Hände geben will. Noch sieht sie die nicht. Die Zeit bis zur nächsten Wahl betrachtet sie als Zeit, in der sich der Verein sortieren wird.

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