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Heidenaus geheimnisvoller Mafa-Bunker

Alle reden über ihn, aber keiner weiß etwas Genaueres. Wie sieht es in den Räumen unter der Erde aus?

Unspektakulär und sonst mit schweren Steinplatten verdeckt: Der Eingang zu dem Bunker auf dem Heidenauer Mafa-Gelände.
Unspektakulär und sonst mit schweren Steinplatten verdeckt: Der Eingang zu dem Bunker auf dem Heidenauer Mafa-Gelände. © Daniel Schäfer

Es ist wohl eines der letzten Geheimnisse, die nie ganz gelüftet werden: Der mehrere Räume umfassende unterirdische Bereich auf dem Heidenauer Mafa-Gelände. Über ein paar Treppen gelangt man hinab in eine etwa hundert Quadratmeter große Welt, in der vor etlichen Jahren die Zeit stehen blieb. Man läuft über Unrat. Der ist schmierig und unter den Schuhen knirscht es immer wieder.

Papierschnipsel von 1967

Nach den Treppenstufen biegt ein kurzer Gang nach rechts ab. An dessen Ende eine Tür mit zwei Hebeln, die mal sehr stabil gewesen ist. Vor der Tür ein Telefon, dahinter die Schleuse und das nächste Telefon. Betten und Schränke, Schränke und Tische, alles habe man in den Räumen vorgefunden, sagen die Bauarbeiter, die jetzt mit der Beräumung des Mafa-Areals beauftragt sind.

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Auf dem Fußboden eines Raumes liegen Unmengen alter Dias, alle unkenntlich. Papiere sind zerrissen, von Feuchte zersetzt, manchmal sieht es auch nach einem Feuer aus. Auf einem Schnipsel sind lediglich das Datum 8.9.1967 und die Worte HO Lebensmittel erkennbar. Andere Papierreste fallen auseinander, sobald mal sie aufhebt. Die wenigen noch vorhandenen Schränke sind leer. Nichts, was irgendwie aufregend oder besonders wertvoll ist. Ob die Spuren zur aktiven Bunkerzeit schon 1989/90 oder erst später beseitigt wurden, auch das eine unbeantwortete Frage.

Diese inzwischen verrostete Tür bildete den Eingang zum Bunker.
Diese inzwischen verrostete Tür bildete den Eingang zum Bunker. © Daniel Schäfer
Telefon an der Schleuse, die den Eingang in den Bunker bildet.
Telefon an der Schleuse, die den Eingang in den Bunker bildet. © Daniel Schäfer
Alles leer und verrostet, auch die Kiste auf dem Schrank.
Alles leer und verrostet, auch die Kiste auf dem Schrank. © Daniel Schäfer
Die Zeit ist im doppelten Sinne des Wortes stehengeblieben.
Die Zeit ist im doppelten Sinne des Wortes stehengeblieben. © Daniel Schäfer
Wohin führt dieser Tunnel? Dicke Menschen und solche mit Platzangst hätten es hier schwergehabt, wenn er denn jemals als Fluchtweg genutzt werden sollte.
Wohin führt dieser Tunnel? Dicke Menschen und solche mit Platzangst hätten es hier schwergehabt, wenn er denn jemals als Fluchtweg genutzt werden sollte. © Daniel Schäfer

Die Installationen der Stromleitungen, die Telefone und Uhren, die verrosteten Stahlschränke aber lassen eindeutig auf eine Bauzeit in der DDR schließen. Manche behaupten, dass der Bunker schon im Zweiten Weltkrieg existierte.

Wohin führt der Tunnel?

Zudem ist die Rede davon, dass der Bunker für die damalige SED-Kreisleitung eingerichtet wurde. Doch weder ehemalige Mitglieder noch Mafa-Mitarbeiter wissen etwas oder wollen etwas sagen. Andere mögliche Zeugen sind bereits verstorben. Lediglich die Frau eines damaligen Kreispolitikers erinnert sich, dass ihr Mann ab und zu mal sagte, sie seien im Bunker gewesen. Ob er damit aber den Heidenauer meinte oder ob es noch weitere rund um Pirna gab, bleibt offen.

Sicher ist, dass es in Heidenau im Zweiten Weltkrieg einen Bunker unter dem Platz der Freiheit gab. Er war Ende 1943, Anfang 1944 gebaut worden und wurde 2010 im Zuge der Neugestaltung des Platzes beseitigt. Er diente wie auch ein Luftschutzbunker an der S172, gegenüber der Sporbitzer Straße, Anwohnern als Schutz bei Bombenangriffen.

Was die heutigen Bauleute bei dem Mafa-Bunker wundert, es gab keine Toilette. Jedenfalls lässt kein Raum darauf schließen. Auch ein Notstromaggregat fehlt. Dafür sind die Überbleibsel der Lüftungszentrale noch zu erkennen. Im Raum dahinter in der Wand eine Öffnung zu einem Tunnel. Wohin der führt, haben die heutigen Bauarbeiter noch nicht erforscht. Er scheint recht lang zu sein. Möglicherweise führt er in ein weiteres Gebäude oder auch aus dem Mafa-Gelände hinaus. Gut möglich, dass er als Fluchtgang gedacht war.

Stararchitekt plant Heidenaus erstes Hochhaus

Da es offenbar keine Augenzeugen gibt, die den Bunker aus seiner aktiven Zeit kennen, wird er seine Geheimnisse behalten. Auf dem Mafa-Gelände ist das große Abreißen im Gange. Überall Schuttberge. Auf der Fläche zur Heinrich-Heine-Straße soll mit der Bebauung des Areals zur künftigen "Neue Mitte Heidenau" begonnen werden. Die Pläne stammen von keinem Geringeren als dem Star-Architekten Peter Kulka. Er arbeitet derzeit noch einem weiteren Entwurf. Das Gebäude rechts vom Haupteingang ist nun doch nicht zu erhalten. Außerdem soll auf dem Mafa-Gelände Heidenaus erstes Hochhaus gebaut werden.

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