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Heidenau: Aufpassen, in welchen Bus man steigt

Eine Haltestelle, zwei Verkehrsbetriebe: Was in den Pirnaer Bussen möglich ist, haben die Dresdner längst abgeschafft.

Wer in Heidenau in die Busse der Linien 65 oder 86 fährt, muss sich vorher um einen Fahrschein kümmern.
Wer in Heidenau in die Busse der Linien 65 oder 86 fährt, muss sich vorher um einen Fahrschein kümmern. © Daniel Schäfer

Heidenau ist der Dreh- und Angelpunkt des Busverkehrs. Könnte man meinen. Nicht, weil so viele Busse hier am Nord-Bahnhof fahren, sondern weil es so viele verschiedene Regeln gibt. In einigen Bussen kann man noch eine Fahrkarte kaufen, in anderen nicht. Abhängig ist das von den Unternehmen, unter deren Flagge sie fahren.

Wer sich damit nicht auskennt und sich nicht rechtzeitig informiert, hat schnell ein Problem. So wie eine Heidenauerin, die in ihrem fortgeschrittenen Alter nun zur Schwarzfahrerin wurde und 60 Euro Strafe bezahlen muss. Als sie in den Bus einstieg, dachte sie, wie vom Bus nach Pirna gewohnt, einen Fahrschein kaufen zu können. Doch den gab es nicht. Stattdessen standen kurz danach die Kontrolleure vor ihr.

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Dresden: Weg vom Bargeld

Hintergrund für die unterschiedliche Handhabung sind die zwei Unternehmen, die in Heidenau unterwegs sind: Der Regionalverkehr Sächsische Schweiz-Osterzgebirge und die Dresdner Verkehrsbetriebe. Den normalen Fahrgast interessiert zwar relativ wenig, wer für den Bus, mit dem Bus er fährt, verantwortlich ist. Er bekommt es aber zu spüren, wenn es um die Fahrkarte geht.

In den Bussen der Dresdner Verkehrsbetriebe gibt es nämlich schon seit vorigem Jahr keine Fahrscheine mehr. Wer ständig fährt, weiß das und hat sich darauf eingerichtet. Für die Entscheidung, die Busfahrer vom Verkauf der Fahrscheine zu entlasten, gab es verschiedene Gründe. Corona war nur einer. Der Verkauf kostet Zeit, nicht nur im Bus, sondern auch beim Abrechnen, sagt DVB-Sprecher Falk Lösch. Weg vom Bargeld lautet das Motto.

Automaten für alle Dresdner Busse und Bahnen

In Dresden ist das alles auch kaum ein Problem. Dort gibt es ja auch ausreichend Automaten. Weil das eben im Umland nicht der Fall ist, gibt es dort in den Bussen auch Fahrkarten. Nur eben nicht in den Dresdner Bussen der Linien 65 und 86, die in Heidenau halten. Wer hier einsteigt im guten Glauben, eine Fahrkarte kaufen zu können, sieht nur das Schild: Kaufen Sie Ihren Fahrschein am nächsten Automaten. Nein, das sei keine böse Absicht, sagt Lösch. 80 Prozent der Fahrgäste seien Stammgäste und wüssten Bescheid. Und was ist mit den übrigen 20 Prozent?

Was tun, um in Heidenau nicht zum Dresdner Schwarzfahrer zu werden?

  • Fahrscheine auf Vorrat kaufen: Bei einer Fahrpreiserhöhung behalten die Fahrscheine noch eine Weile ihre Gültigkeit bzw. können binnen eines halben Jahres gegen Aufpreis umgetauscht werden.
  • Fünf Minuten eher zum Nord-Bahnhof gehen und auf dem Bahnsteig die erforderliche Fahrkarte kaufen. Entsprechende Hinweisschilder sollen angebracht werden.
  • Im Notfall beim Busfahrer melden: Wenn es der Fahrplan erlaubt, kann man an der nächsten Haltestelle mit Automat schnell den Fahrschein kaufen. Man sollte sich aber nicht darauf verlassen, weil die Busfahrer nicht verpflichtet sind, das zuzulassen.

Die Dresdner Verkehrsbetriebe planen mobile Automaten. Die Straßenbahnen bekommen neue, kleinere Automaten, die jedoch auch kein Bargeld mehr nehmen, sondern nur Zahlung per Karte ermöglichen. Die Busse erhalten nach und nach zunächst die ausrangierten Straßenbahn-Automaten und dann auch die moderneren. Bis alle Busse und Bahnen umgerüstet sind, wird es etwas dauern, sagt Lösch. "Es wird wohl eher 2022", sagt er.

In den Bussen des Regionalverkehrs Sächsische Schweiz Osterzgebirge werden auch weiterhin Tickets verkauft, da es im Umland ja kaum Automaten gibt und die Fahrgäste so eine Möglichkeit zum Kauf haben, sagt Verkehrsverbund-Sprecher Christian Schlemper. Was auf den ersten Blick gut klingt, hat aber auch einen Nachteil: Fahrkarten gibt es in den Bussen sowie der Müglitztalbahn nur gegen Bargeld. Also auch hier muss man sich, will man per Karte bezahlen, eher kümmern. Kurzum: Service sieht anders aus.

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