SZ + Pirna
Merken

Heidenau bereitet erneut Gedenken vor

Jährlich wird am 27. Januar bundesweit der Opfer des Nationalsozialismus gedacht. Heidenau will dieses Jahr die Veranstaltung von 2021 nachholen.

Von Heike Sabel
 2 Min.
Teilen
Folgen
Auf dem Heidenauer Nord-Friedhof findet seit 1996 am 27. Januar eine Gedenkveranstaltung statt. Voriges Jahr musste sie ausfallen. Nun soll sie nachgeholt werden.
Auf dem Heidenauer Nord-Friedhof findet seit 1996 am 27. Januar eine Gedenkveranstaltung statt. Voriges Jahr musste sie ausfallen. Nun soll sie nachgeholt werden. © Daniel Schäfer

Zum ersten Mal seit 1996 fand im vergangenen Jahr in Heidenau am 27. Januar keine Gedenkveranstaltung statt. Der Opfer des Nationalsozialismus konnte nur individuell gedacht werden. Die anspruchsvolle Stunde in der Abschiedshalle des Nord-Friedhofes mit dem anschließenden Niederlegen von Blumen wurde abgesagt. Nun bereiten die Stadt und die Gruppe Engagierter die Veranstaltung für den 27. Januar wieder vor. In der Hoffnung, dass die Pandemie und die Corona-Verordnung es dann zulassen, sagt Uwe Göhler von der Stabsstelle im Rathaus.

Gedacht werden Jochen und Johanna Klepper, deren Biografien bereits für voriges Jahr aufgearbeitet worden waren. Er war protestantischer Journalist und Autor, und sie Jüdin. Ab Februar 1933 überschrieb er seine Tagebucheinträge oft mit den Losungen der Herrnhuter Brüdergemeinde. Dieses Tagebuch wurde posthum von seiner Schwester Hildegard herausgegeben. Es trägt den Titel: „Unter dem Schatten deiner Flügel“ und wurde in mehr als 20 Auflagen und über 100.000 Exemplaren verkauft. Als Johanna und Kleppers Stieftochter deportiert werden sollten, entschied sich die Familie in der Nacht vom 10. auf den 11. Dezember 1942 für den Freitod.

Im Sommer soll Tafel aufgestellt werden

Die Gruppe, die die Veranstaltung jährlich organisiert und durchführt, wurde bereits mit dem Heidenauer Ehrenamtspreis geehrt. In ihr sind Christen und Atheisten, Jüngere und Ältere, Frauen und Männer vertreten. Abwechselnd wird an gläubige und atheistische Opfer des Nationalsozialismus erinnert. Seit der Chor des Heidenauer Gymnasiums beteiligt ist, hat die Veranstaltung noch einmal an Niveau gewonnen. Nach wie vor wird jedoch bedauert, dass zu wenige Schüler und Jugendliche zu der Veranstaltung kommen.

Im Sommer soll auf dem Friedhof in Heidenau-Nord eine Tafel mit den Namen derer, denen die Veranstaltungen seit 1996 und künftig gewidmet sind, aufgestellt werden. Das hatte der vorherige Stadtrat 2019 in seiner letzten Sitzung vor der Neuwahl beschlossen. Damit soll das Gedenken nicht mehr nur auf den 27. Januar beschränkt sein, sondern allgegenwärtig sein.